Türkei investiert 90 Millionen Euro in Erdgasanlage am Schwarzen Meer

Die Türkei will mehr als 90 Millionen Euro in den Bau einer Unterwasseranlage für die Gasproduktion und Pipeline investieren. Einem Antragsbericht zur Prüfung der Umweltverträglichkeit zufolge soll das dreiphasige Projekt die 155 Kilometer lange Pipeline mit der Onshore-Gasaufbereitungsanlage in Filyos am Schwarzen Meer verbinden.
Das Bohrschiff „Fatih“ entdeckte im vergangenen Jahr 405 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Schwarzen Meer. In der sogenannten Tuna-1-Zone, etwa 170 Kilometer vor der Küste der Provinz Zonguldak, fanden 2020 Probebohrungen statt. Es handelt sich um einen der weltweit größten Offshore-Gasfunde der Türkei, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu (AA) berichtet.

„Fatih“ habe die Erkundungsbohrungen in der Region fortgesetzt, von denen die erste bei der Turkali-1 letzten Monat abgeschlossen worden war. Derzeit arbeite das Bohrschiff an der zweiten Bohrung, der Turkali-2, in Wassertiefen von über 3000 Metern.

Der erste Abschnitt des geplanten Projekts, der Bau der Unterwasser-Gasförderanlage, werde in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der Türkei im Schwarzen Meer stattfinden. Der zweite Abschnitt umfasse die Unterwasser-Erdgaspipeline, die 2,2 Kilometer unter dem Meeresspiegel verlegt werden soll. Im dritten Abschnitt soll schließlich die Gasaufbereitungsanlage in der Industriezone Filyos an der Schwarzmeerküste in Zonguldak verbunden werden.

Die Turkish Petroleum Company (TPC), die nationale Öl- und Gasgesellschaft und Betreiberin des Projekts, werde einen großen Teil der Filyos Industrial Zone für diese neue Anlage zur Verfügung stellen. Um das Gas aus Sakarya auf das Festland zu bringen, werden schätzungsweise etwa 2000 Menschen eingestellt.

Laut AA sollen die neue Unterwasseranlage und die Pipeline, die eine Lebensdauer von 40 Jahren hat, ferngesteuert ohne Personal betrieben werden. In der ersten Phase des Projekts werden nach Plan insgesamt 10 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag aus 6 bis 10 Bohrlöchern im Sakarya-Gasfeld gefördert.

Diese Produktionsmenge soll über eine Pipeline nach Filyos transportiert und dort aufbereitet werden, wobei der Gasdruck mit dem der türkischen Petroleum Pipeline Company (BOTAŞ) übereinstimmt. BOTAŞ werde dann das Gas an die Endverbraucher verteilen.
Die Anlage soll jährlich etwa 3,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Sakarya-Feld verarbeiten. Damit könne der türkische Erdgasverbrauch von 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr gedeckt werden. In der zweiten Phase des Projekts werde die tägliche Gesamtproduktion des Feldes aus etwa 30 bis 40 Bohrungen 40 Millionen Kubikmeter Erdgas erreichen.

2028 soll das Feld in seine Plateauphase eintreten, wenn die türkische Erdgasproduktion fast 15 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreicht. Dies wird es dem Land ermöglichen, einen erheblichen Teil seines Gasbedarfs zu decken. Derzeit importiert die Türkei fast ihren gesamten Gasbedarf – hauptsächlich aus Russland, Aserbaidschan, Iran – und über LNG.

TRT Deutsch