Nur wenige Minuten vor dessen Ermordung durch einen deutschen Rechtsterroristen in Hanau hatte Behçet Gültekin seinen Sohn, Gökhan Gültekin, gesehen – das letzte Mal, ohne dass beide es wussten. Nun ist der schwerkranke Vater (75) am Samstagmorgen an seiner Krebs-Erkrankung verstorben.

Der Verein AYDD („Solidaritätsverein Ağrı“) gab dies auf seiner Facebook-Seite bekannt. Darin heisst es: „Unser Mitglied Behçet Gültekin ist von uns gegangen. Möge Allah seiner Seele barmherzig sein. Seiner Familie und den Hinterbliebenen drücken wir unser Beileid aus.“

Der Mann lebte seit über 50 Jahren in Deutschland und stammte aus der osttürkischen Provinz Ağrı. Dahin werde auch sein Leichnam nach Angaben von AYDD Anfang kommender Woche überführt. Aufgrund der Coronavirus-Verbreitung sehe man währenddessen in Einverständnis mit der Familie von jeglichen Trauerversammlungen ab.

Der Imam der Hanauer Moschee, Macit Bozkurt, sagte zu TRT Deutsch: „Behçet Gültekin litt seit einigen Jahren an Krebs. Sein Sohn Gökhan war derjenige, der ihn immer zur Chemotherapie fuhr und sich um seine medizinische Versorgung kümmerte.“ Der Imam beschreibt Behçet Gültekin als „hilfsbereiten, wohlwollenden Menschen“.

„Leider kann die Familie wegen der aktuellen Coronavirus-Lage seinen Leichnam nicht begleiten“, erklärte Bozkurt. Verwandte in der Türkei würden deshalb den Leichnam Gültekins entgegennehmen und ihn bestatten. Der seit Februar trauernde Vater werde nach seinem Testament neben seinem Sohn Gökhan beerdigt. In vielen Interviews sprach er mit Tränen in den Augen über die Ermordung seines Sohnes.

Zwischen dem Tod von Vater und Sohn liegen 38 Tage. Gökhan Gültekin und weitere acht Menschen mit Migrationsgeschichte wurden am 19. Februar in der hessischen Stadt Hanau Opfer rechten Terrors. Nachdem der deutsche Schütze dort zwei Shisha-Bars gestürmt und wahllos um sich geschossen hatte, brachte er anschließend seine Mutter und sich selbst um. Bundesweit fanden mehrere Trauerbekundungen statt.

Berlin-Kreuzberg: Poster mit den Bildern und Namen der am 19. Februar in Hanau ermordeten Opfer. 
Berlin-Kreuzberg: Poster mit den Bildern und Namen der am 19. Februar in Hanau ermordeten Opfer.  (AFP)
TRT Deutsch