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SOS-Kinderdorf: Gründer auch in Deutschland unter Verdacht
Die Missbrauchsvorwürfe gegen SOS-Kinderdorf weiten sich aus: Ein mutmaßliches Opfer meldete schon vor Jahren eine Belästigung in Deutschland. Die Informationen wurden damals nicht weitergeleitet.
SOS-Kinderdorf: Gründer auch in Deutschland unter Verdacht
SOS-Kinderdorf: Gründer auch in Deutschland unter Verdacht / Foto:Porträtdienst/dpa / DPA
vor 11 Stunden

Unter den Missbrauchsvorwürfen gegen den Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, ist auch ein Verdachtsfall aus Deutschland. Wie der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit in München bestätigte, hatte sich ein mutmaßliches Opfer bereits vor Jahren an den Verein gewandt. Zuvor hatte die Wiener Zeitschrift „Falter“ berichtet.

Der Österreicher Gmeiner (1919–1986) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Bewegung für verwaiste und hilfsbedürftige Kinder aufgebaut. Im vergangenen Herbst teilte SOS-Kinderdorf Österreich mit, dass gegen ihn glaubhafte Vorwürfe zu sexuellen und physischen Übergriffen gegen acht männliche Kinder und Jugendliche vorlägen.

Hinweis auf deutschen Verdachtsfall schon 2019

Dies löste in der globalen SOS-Kinderdorf-Bewegung Bestürzung und Recherchen aus – auch in Deutschland. Der Verein SOS-Kinderdörfer weltweit stieß dabei auf Hinweise in internen Unterlagen, dass sich ein mutmaßliches Missbrauchsopfer Gmeiners im Jahr 2019 an den Verein gewandt hatte. Es gehe dabei um mutmaßliche Belästigung in den 60er-Jahren, teilte der Verein der Deutschen Presse-Agentur mit. Wo in Deutschland und unter welchen Umständen dies passiert sein soll, wurde zum Schutz des Opfers nicht erklärt.

Warum wurde nicht schon damals auf diesen Vorwurf reagiert? Dazu lägen keine Informationen vor, hieß es vom Presseteam des Vereins. Mittlerweile wurden die Anschuldigungen an SOS-Kinderdorf Österreich weitergeleitet.

Auch SOS-Kinderdorf Österreich nannte keine Details zu dem mutmaßlichen Vorfall. Die Organisation teilte jedoch mit, dass seit dem Herbst mehrere weitere Verdachtsfälle gegen Gmeiner aufgearbeitet würden. Dazu zählen auch die Informationen aus Deutschland.

Der „Falter“ hatte in einem Bericht schwere Missbrauchsvorwürfe gegen das SOS-Kinderdorf im kärntnerischen Moosburg öffentlich gemacht. Demnach sollen dort zwischen 2008 und 2020 Kinder und Jugendliche misshandelt, eingesperrt und nackt fotografiert worden sein. Obwohl bereits 2020 ein ausführlicher Bericht über die Vorfälle vorlag, seien die Anschuldigungen damals nicht öffentlich gemacht worden. 

In der Folge wurden auch aus SOS-Kinderdörfern in Imst in Tirol und in Seekirchen bei Salzburg ähnliche Vorwürfe bekannt. Die Staatsanwaltschaften in Kärnten, Tirol und Salzburg nahmen daraufhin Ermittlungen auf.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen