Symbolbild (DPA)
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Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das Muezzinruf-Projekt der Stadt Köln kritisiert. In einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) äußerte er: „Ich habe die Sorge, dass damit möglicherweise mehr Streit in die Gesellschaft getragen als der Integration gedient wird“.

Projekt „ohne Not und Anlass" ins Leben gerufen?

Seit dem Herbst 2021 können muslimische Gemeinden in Köln im Rahmen eines zweijährigen Modellprojekts den öffentlichen Ruf zum Freitagsgebet bei der Stadt beantragen. Unter anderem hat die Zentralmoschee dies getan. Die Ankündigung der Stadt komme laut Wüst einem Aufruf an alle Moscheegemeinden gleich, Anträge auf Einführung des Muezzinrufs zu stellen.

Als Ergebnis einer Abwägung mit anderen Grundrechten werde aktuell nur sehr reduziert an einzelnen Orten von Moscheen zum Gebet gerufen. „Das hat in den vergangenen Jahren zu einer hohen gesellschaftlichen Befriedung dieses Themas geführt“, ist Wüst überzeugt. Nun habe man „ohne Not und Anlass“ in Köln in diesen Frieden eingegriffen.

Wüst: Muslime „wichtiger Teil unserer Gesellschaft“
Nach den Worten von Wüst sind die Muslime „ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft“. Gerade in NRW lebten viele von ihnen seit mehreren Generationen. „Diese Realität gilt es anzuerkennen.“ Der von Ex-Bundespräsident Christian Wulff zitierte Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ habe schon 2010 eine Selbstverständlichkeit ausgedrückt, die bis dahin selten ausgesprochen worden sei.

Für die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist der Muezzinruf ein Zeichen gegenseitiger Akzeptanz: „Wenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengeläut auch den Ruf des Muezzins hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird.“

Der Muezzinruf darf in der Stadt Köln nur an Freitagen für maximal fünf Minuten erklingen. Die Lautstärke muss sich in einem vorgegebenen Rahmen halten und die Nachbarschaft vorab informiert werden. Für Fragen und Beschwerden ist in den Gemeinden verpflichtend eine Ansprechperson zu nennen.

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TRT Deutsch