Eine Demo der Antideutschen (Reuters)
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Glosse - von Burak Altun

Entgegen allen UN-Beschlüssen schmiedet Israel weitere Annexionspläne in Palästina. Die Empörung ist groß, doch in Deutschland bleibt es ruhig. Kritik an Israel ist heikel bis nahezu Tabu. Dieses Paradigma wird in seiner extremsten Form durch Antideutsche getragen. Obwohl sie als „linksradikal“ gelten, treten sie gesellschaftskonform auf und sind überall verortet.

Proamerikanisch, imperialistisch, zionistisch, islamophob – und trotzdem links? Was wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Eigenschaften anmutet, ist in Wirklichkeit eine absurde Vermischung von Gegensätzen zu einer welterklärenden Ideologie mit klaren Feind- und Freundbildern. Antideutsche mögen keine Religion – außer das Judentum. Sie hassen alles rechts der Mitte – unterstützen aber Ultrarechte in Israel. Die Liste der Widersprüche ist unendlich lang bei dieser antiintellektuellen Bewegung.

Es gibt sie seit der deutschen Wiedervereinigung, die von den sogenannten Antids als Ausgangspunkt eines neuen Nationalismus betrachtet wird. Um ein „Viertes Reich“ zu verhindern, werben sie für Hass gegen Deutschland. Während die alte Garde zumindest, vielleicht altersbedingt, immer mehr in einen nüchternen Denkprozess verfällt, ist die neue Generation der Antids umso oberflächlicher. Sie zeichnet sich durch ein hohes Maß an Irrationalität und Fressorgien bei McDonalds aus. Letzteres soll die grenzenlose Solidarität zum US-Imperialismus zelebrieren. Mit überfüllten Mägen schwenken sie dann Israel-Fahnen auf Egotronic-Konzerten und rufen: „Deutschland von der Karte streichen – Polen muss bis Frankreich reichen“ oder „Was wir wollen ist nicht viel – Saufen, f*cken, Israel!“

Die Liebe zu den USA und Israel äußert sich damals wie heute in einer devoten Hingabe. Diese Staaten werden nicht nur als Garanten gegen den deutschen Nationalismus wahrgenommen, sondern auch für Frieden auf der Welt. Daher unterstützen sie die US-Feldzüge in muslimischen Ländern und den israelischen Landraub in Palästina – natürlich bedingungslos. Die Frage nach Recht und Unrecht stellt sich erst gar nicht. Folglich wird jede Kritik an der israelischen Regierung als Antisemitismus diffamiert – auch wenn sie von Juden selbst kommt. Ihre Verbindungen sind weitreichend. So unverständlich es auch sein mag: Antideutsche besetzen Schlüsselpositionen.

Ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Islam macht sie affin mit islamophoben Ansichten aus dem rechten Lager. Hier ist die Schnittstelle zwischen völkischen Strömungen und den vermeintlich links eingestellten Antideutschen. Sie alle betrachten den Islam als Gefahr und stellen ihn mit Faschismus gleich. Die Neue Rechte und Antideutsche sind sich also trotz aller Widersprüche ähnlicher, als ihnen lieb ist. Beide Seiten verbreiten zum Teil die gleichen Feindbilder. Antideutsche sind daher für die steigende Islamfeindlichkeit in Deutschland mitverantwortlich und tragen den Hass in die Mitte der Gesellschaft.