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UN besorgt über Israels „ethnische Säuberungen“ in Palästina
Laut einem UN-Bericht hat Israel im Gaza und im Westjordanland schwere Zerstörungen und massive Menschenrechtsverletzungen verübt. Zudem macht die UN die israelische Regierung für den Hungertod von mehr als 460 Palästinensern in Gaza verantwortlich.
UN besorgt über Israels „ethnische Säuberungen“ in Palästina
Foto: Mohammed Torokman/REUTERS
vor 12 Stunden

Die Vereinten Nationen haben Israel in einem aktuellen Bericht vorgeworfen, mit dem Vorgehen im Gazastreifen und im Westjordanland Anlass zur Sorge über „ethnische Säuberungen“ zu bieten. Die „systematische Zerstörung ganzer Stadtteile und die Verweigerung humanitärer Hilfe scheinen zu einer dauerhaften demografischen Veränderung“ im Gazastreifen zu führen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des UN-Menschenrechtsbüros. Auch im Westjordanland bestehe durch das brutale Vorgehen israelischer Sicherheitskräfte ein berechtigter Grund zur Sorge.

In den von Israel illegal besetzten Gebieten des Westjordanlands werde „systematisch unrechtmäßige Gewalt“ durch Sicherheitskräfte ausgeübt. Zudem komme es zu willkürlichen Festnahmen und „umfassender unrechtmäßiger Zerstörung“ palästinensischer Häuser. Durch dieses Vorgehen werde der „Charakter, der Status und die demografische Zusammensetzung des besetzten Westjordanlands“ verändert, was Anlass zu „ernsthaften Sorgen über ethnische Säuberungen“ gebe.

Der Bericht untersuchte Daten der Vereinten Nationen, von Nichtregierungsorganisationen und offizielle Regierungsinformationen aus dem Zeitraum vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2025. In diesen zwölf Monaten seien mindestens 463 Palästinenser, darunter 157 Kinder, im Gazastreifen verhungert. „Die Hungersnot und Unterernährung waren eine direkte Folge der Maßnahmen der israelischen Regierung“, heißt es darin.

Die israelische Vertretung bei den Vereinten Nationen verurteilte den Bericht daraufhin im Onlinedienst X als „virulente Kampagne der Dämonisierung und Desinformation des Staates Israels“ seitens des UN-Menschenrechtsbüros.

Seit dem 10. Oktober 2025 gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Widerstandsorganisation Hamas, die von Israel immer wieder gebrochen wurde. Israel pocht auf eine Entwaffnung der Hamas und die Zerstörung des Tunnelsystems in dem Palästinensergebiet. Die Hamas fordert als Bedingung für die Entwaffnung den vollständigen Abzug des israelischen Militärs aus Gaza.

Für das seit 1967 besetzte Westjordanland hatte die israelische Regierung zuletzt mehrere Schritte beschlossen, um ihre völkerrechtswidrige Besetzung des Palästinensergebiets auszuweiten. Am Sonntag billigte das israelische Kabinett ein Verfahren zum Landraub im Westjordanland als „Staatseigentum“.

Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 extremistische israelische Siedler. In den vergangenen Jahren hat sich der Bau illegaler israelischer Siedlungen dort beschleunigt. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete im Dezember 2016 eine Resolution, welche die israelischen Siedlungen im Westjordanland und Ost-Jerusalem als völkerrechtswidrig verurteilte. Gefordert wurde ein sofortiger Baustopp.

Laut eines ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Berichts einer Nichtregierungsorganisation waren zudem inhaftierte palästinensische Journalisten von unrechtmäßiger Gewalt betroffen. Von 59 befragten palästinensischen Journalisten, die von Oktober 2023 bis Januar 2026 in israelischen Gefängnissen festgehalten wurden, „gaben alle bis auf einen an, dass sie Opfer von Folter, Misshandlungen oder anderen Formen von Gewalt wurden“, heißt es in dem Bericht des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ).

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen