Dusel: Deutsches Gesundheitssystem ist nicht inklusiv genug / Photo: DPA (dpa)
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Nach Ansicht des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, ist das deutsche Gesundheitswesen nicht inklusiv genug. „Maximal ein Viertel der Arztpraxen in Deutschland ist barrierefrei“, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben, das ist meine Wahrnehmung, weniger als zehn gynäkologische Praxen in ganz Deutschland, die für Frauen im Rollstuhl zugänglich sind.“ Das könne nicht der Anspruch an ein modernes Gesundheitssystem sein. Wenn Menschen mit Behinderungen in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen, dann müssten sie genau die gleichen Rechte auf freie Arztwahl und Versorgung haben wie alle anderen Menschen auch.

Dusel mahnte angesichts der älter werdenden Gesellschaft an, Barrierefreiheit generell besser mitzudenken. „Menschen mit Behinderungen sind im Grunde die Avantgarde einer älter werdenden Gesellschaft, wenn man so will“, sagte er. „Wir werden demografisch immer älter. Die Wahrscheinlichkeit, dass man im Laufe des Lebens auch mit zunehmendem Alter eine Behinderung erwirbt, ist relativ groß.“

Deswegen sei Deutschland klug beraten, jetzt Barrierefreiheit auszubauen. Und das bedeute, nicht nur bauliche, sondern auch digitale Infrastruktur so zu planen, dass alle Menschen davon profitieren können. Als Beispiele nannte er Internetseiten, auf denen man Lebensmittel bestellen oder sich Arzttermine machen kann und die eben noch nicht barrierefrei seien. „Da spreche ich jetzt von Menschen, die beispielsweise auf Gebärdensprache oder auf leichte Sprache angewiesen sind“, sagte Dusel.

Ende 2021 lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland lag damit bei 9,4 Prozent. Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2019 auf einen Rollstuhl angewiesen.

TRT Deutsch und Agenturen