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Gaza-Zivilschutz: Drei Journalisten bei israelischem Angriff getötet
Ungeachtet der Waffenruhe setzt Israel seine Angriffe auf Gaza fort – und tötet dabei erneut Journalisten. Die Empörung ist groß, doch Israels Armee sieht sich im Recht.
Gaza-Zivilschutz: Drei Journalisten bei israelischem Angriff getötet
21.01.2026, Gaza, Palästina / AA
22. Januar 2026

Bei einem israelischen Angriff im Gazastreifen sind nach Angaben der Zivilschutz-Behörde drei Journalisten getötet worden, darunter ein freier Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP. Die drei Männer seien am Mittwoch bei einem israelischen Luftangriff in der Region Al-Sahra südwestlich der Stadt Gaza getötet worden, erklärte der Zivilschutz. Israel greift immer wieder Journalisten in der Enklave an und versperrt zugleich den Zugang für Pressevertreter. 

Die israelische Armee behauptete, sie habe auf drei „Verdächtige“ gezielt, die angeblich „eine Drohne der Hamas“ gesteuert hätten. Die israelischen Streitkräfte hätten einen „präzisen“ Angriff durchgeführt. Die Details würden geprüft.

Der Zivilschutz gab die Namen der Getöteten mit Anas Ghneim, Mohammed Salah Kaschta und Abdul Rauf Schaath an. Schaath hatte seit 2024 mehrfach als Foto- und Videojournalist für AFP gearbeitet. Er war zum Zeitpunkt des Angriffs nicht im Auftrag von AFP unterwegs, sein letzter Bericht im Auftrag der Nachrichtenagentur war am Montag veröffentlicht worden.

AFP erklärte, die Nachrichtenagentur trauere um Schaath, der als „gütiger Kollege mit sanftem Humor und als äußerst engagierter Journalist“ in Erinnerung bleiben werde. Zudem fordere AFP „eine umfassende und transparente Untersuchung seines Todes“, hieß es weiter.

In den vergangenen zwei Jahren seien viel zu viele örtliche Journalisten im Gazastreifen getötet worden, „während ausländische Journalisten weiterhin nicht frei in das Gebiet einreisen können“, fügte AFP hinzu. 

Ein Augenzeuge sagte AFP vor Ort, dass die drei Männer eine Drohne eingesetzt hätten, um eine von einer ägyptischen Organisation ausgeführte Verteilung humanitärer Hilfe zu filmen, als ein sie begleitendes Auto Ziel eines Luftangriffs geworden sei. Der Zivilschutz sprach von einem israelischen Drohnenangriff auf „ein ziviles Fahrzeug“.

Der Sprecher des ägyptischen Hilfskomitees sagte, dass eines der Fahrzeuge der Organisation „während einer humanitären Mission“ angegriffen worden sei. Dies habe „zum Tod von drei Personen“ geführt. Alle Fahrzeuge der Organisation seien mit dem Logo des Komitees versehen.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich angesichts des Vorfalls „zutiefst empört“: „Dieser isolierte Angriff auf Journalisten, die aufgrund ihrer Ausrüstung als solche erkennbar waren, könnte auf eine gezielte Aktion hindeuten und ein Kriegsverbrechen darstellen“, sagte Martin Roux, Leiter des Krisenstabs von RSF, laut einer Erklärung. Auch das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äußerte sich „entsetzt“.

Die palästinensische Journalistengewerkschaft verurteilte den Angriff scharf. Der Vorfall sei Teil einer „systematischen und bewussten Politik der israelischen Besatzungsmacht, palästinensische Journalisten gezielt anzugreifen“.

Laut einer Zählung von Reporter ohne Grenzen (RSF) wurden zwischen dem 1. Dezember 2024 und dem 1. Dezember 2025 mindestens 29 palästinensische Journalisten im Gazastreifen getötet. Damit war Israel zum dritten Mal in Folge für die meisten getöteten Journalisten weltweit verantwortlich. Nach eigenen Angaben berücksichtigt RSF nur Fälle, in denen die Organisation davon überzeugt ist, dass die Betroffenen in direktem Zusammenhang mit ihrer journalistischen Tätigkeit Opfer von Gewalt oder Unterdrückung geworden sind.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden derweil am Mittwoch acht weitere Menschen bei israelischen Angriffen auf das Gebiet getötet. Im Gazastreifen gilt seit Oktober eine Waffenruhe zwischen der Hamas und der israelischen Armee. 

Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Am 10. Oktober trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder gebrochen wird. 

Laut Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza tötete Israel während der Waffenruhe in Gaza mindestens 483 Menschen. Demnach wurden mindestens 1.287 weitere Menschen verletzt. 

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 71.500 Menschen in Gaza – größtenteils Minderjährige und Frauen. Demnach wurden mehr als 171.300 Menschen verletzt. 

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen