GESELLSCHAFT
2 Min. Lesezeit
Erste Studie zu rechter „Terrorgramszene“: Täter oft psychisch krank
Eine Studie des baden-württembergischen Innenministeriums warnt vor einer schnell wachsenden rechtsextremen Szene auf Telegram – jung und gewaltbereit. Viele Mitglieder sollen sich innerhalb eines Jahres radikalisiert haben.
Erste Studie zu rechter „Terrorgramszene“: Täter oft psychisch krank
Foto: Fabian Sommer/dpa (Archiv)
13. Januar 2026

Das rechtsextremistische Netzwerk der sogenannten Terrorgramszene besteht einer Studie zufolge aus vorwiegend sehr jungen und häufig psychisch kranken Heranwachsenden. Bei der Vorstellung der nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums weltweit ersten Studie zu dieser Szene warnten die Behörden am Dienstag in Stuttgart vor der schnellen Radikalisierung und hohen Gewaltbereitschaft der Anhänger.

Der Begriff Terrorgram umfasst nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums ein rechtsextremistisches Netzwerk, das sich vor allem digital über den Messengerdienst Telegram formiert und dort Inhalte verbreitet, die extremistische Gewalt befürworten und propagieren. Es handle sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene.

Die für die Studie verantwortlichen Autoren des Landeskriminalamts von Baden-Württemberg und der Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München werteten Ermittlungsakten zu 37 Tatverdächtigen aus, die zwischen 2020 und 2025 ermittelt wurden. Das Durchschnittsalter dieser Verdächtigen lag demnach bei knapp über 16 Jahren. Es habe häufig eine Blitzradikalisierung gegeben – in weniger als einem Jahr hätten sich die Verdächtigen radikalisiert.

Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Verdächtigen litten an bereits diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Weitere 24 Prozent zeigten deutliche Anzeichen für entsprechende Erkrankungen, womit bei fast allen Tatverdächtigen psychische Probleme vorlägen.

Die meisten der Tatverdächtigen seien familiär vernachlässigt und sozial desintegriert gewesen. Dass ihre Gewaltbereitschaft hoch sei, zeige sich darin, dass die meisten fortgeschrittene oder deutlich sichtbare Vorbereitungshandlungen für Gewalttaten unternommen hätten. Dazu zählten die Ermittler etwa die Waffenbeschaffung oder eine fortgeschrittene Tatplanung.

Die ermittelten 37 Tatverdächtigen wurden den Angaben zufolge zum großen Teil von den Sicherheitsbehörden selbst entdeckt. Das Dunkelfeld aller Mitglieder dieser rechtsextremen Szene verortete die Studie in einem sehr hohen dreistelligen Bereich.

QUELLE:AFP