Archivbild. 20. Juni 2021: Der aserbaidschanische Außenminister Ceyhun Bayramov (AA)

Aserbaidschans Außenministers Ceyhun Bayramov macht armenische Unternehmen für die starke Verschmutzung eines Flusses zwischen seinem Land und Armenien verantwortlich. Der Fluss Oxçuçay, der ein Nebenfluss des Aras im Süden Aserbaidschans und im Südosten Armeniens ist, weist einen hohen Grad an Verschmutzung durch Chemikalien auf, wie die Nachrichtenagentur Anadolu Bayramov am Freitag zitierte. Der Minister macht dafür armenische Konzerne verantwortlich, die ihren Abfall in dem Fluss entsorgten. Der Aras spielt eine wichtige Rolle für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen.

„Wir sind Zeugen einer ökologischen Katastrophe“, unterstrich der Minister. Weil der Oxçuçay in den Aras münde, stelle dieser Umstand nicht nur für Aserbaidschan, sondern auch für den Iran ein großes Problem dar. „Die armenische Regierung muss verstehen, dass sie sich nicht aus der Verantwortung ziehen kann“, so Bayramov weiter.

Auch deutsche Unternehmensgruppe in der Kritik

Auch eine deutsche Unternehmensgruppe soll Teil des Umweltproblems in der Region sein, wie die Nachrichtenplattform „aze media“ am Dienstag berichtete. Der Karlsruher Unternehmensgruppe Cronimet besaß über mehrere Jahre hinweg 60 Prozent Anteile am armenischen Bergbauunternehmen Sangesurer Kupfer- und Molbydänkombinat. Das Unternehmen gilt als größter Steuerzahler Armeniens. Die deutschen Anteile an dem Unternehmen sollen jedoch inzwischen veräußert worden sein.

In der Kritik steht auch die Kapan Bergbau- und Aufbereitungsanlage, die seit ihrem Verkauf an ein englisches Unternehmen den Namen Chaarat Kapan CJSC trägt. Beide Unternehmen liegen in der armenischen Provinz Sangesur, zwischen Aserbaidschan im Osten und der Autonomen Republik Nachitschewan im Westen.
Schwerwiegende Folgen für Mensch und Fauna
Laut „aze media“ hatte Mehman Nabiyev, ein Experte des aserbaidschanischen Umweltministeriums, bereits am 8. April auf den Grad der Verschmutzung des Oxçuçay-Flusses hingewiesen. Der Gehalt an Nickel sei siebenmal, der von Eisen viermal und der Kupfer-Molybdän-Verbindung zweimal so hoch wie von den Normen vorgegeben. Forellen und weitere Fischarten sollen bereits der kritischen Verschmutzung zum Opfer gefallen sein. Auch für den menschlichen Körper haben die Schwermetalle im Fluss erhebliche gesundheitliche Folgen.

Bereits im Jahr 2019 hatten armenische Behörden auf die durch das armenische Kupfer- und Molybdänkombinat verursachten Verschmutzungen aufmerksam gemacht. Giftige Abfälle des Unternehmens seien aufgrund eines Schadens in den Oxçuçay ausgelaufen, hatte das Presseamt des armenischen Ministeriums für Notfallsituationen im Oktober 2019 behauptet. Demnach nahm der Fluss sogar eine weiße Farbe an. „Aze media“ erinnerte zudem an die Aussage eines Mitglieds der „Pan-armenischen Umweltfront“, Levon Galtsyan, der sich über mehrere derartige Vorfälle in den letzten sechs bis sieben Jahren beschwert hatte.

Im Jahr 2017 soll das Unternehmen aus Kapan zudem aufgrund eines Unfalls die Kontaminierung einer Fläche von 1800 Quadratmetern verursacht haben. Aufgrund der negativen Auswirkungen auf die Umwelt sei dem Konzern eine Strafe auferlegt worden.

Enge Beziehungen zwischen Cronimet und Armenien „aze media“ macht auch auf die engen Beziehungen zwischen Armenien und der Karlsruher Unternehmensgruppe Cronimet aufmerksam. Der Gründer und Geschäftsführer Günter Pilarsky ist Honorarkonsul der Republik Armenien für den Konsularbezirk Baden-Württemberg. Der Name des Unternehmers erscheine in der Liste der deutschen Lobbyisten für Armenien, die kürzlich von „The USA Tribune“ veröffentlicht worden sei.

Außerdem wird daran erinnert, dass ein im November 2019 veröffentlichter Untersuchungsbericht der armenischen Organisation „Civilnet“ einen Interessenkonflikt festgestellt hatte: Mikael Minasyan, Schwiegersohn des ehemaligen armenischen Präsidenten Sersch Sargsjan, soll über Dritte verdeckter Miteigentümer des Sangesurer Kupfer- und Molbydänkombinats gewesen sein.

TRT Deutsch