Der Name einer früheren Mitarbeiterin von Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz taucht in neuen Dokumenten im Zusammenhang mit dem verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf. Es geht dabei um Philippa Sigl-Glöckner, die während Scholz’ Amtszeit als Bundesfinanzminister auch als persönliche Referentin und Büroleiterin des Staatssekretärs Wolfgang Schmidt tätig war. Bei der am 23. Juni 2018 an Epstein gerichteten Mail wurde der Absender vor der Veröffentlichung geschwärzt.
Sigl-Glöckner wird von dem unbekannten Absender als eine „meiner wunderbaren jungen Mitarbeiter“ mit einem Master in Informatik beschrieben. Hervorgehoben werden außerdem ihre Tätigkeiten beim Bundesnachrichtendienst (BND) und im Finanzministerium zur „Nachverfolgung von Geldflüssen“.
Zum Zeitpunkt der Mail-Nachricht an Epstein war Schmidt als Staatssekretär im Finanzministerium bereits fast vier Monate Chef des Hauses. Zwei Jahre später wurde der Skandal im Zusammenhang mit dem inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard bekannt, für dessen Interessen er sich aktiv eingesetzt hatte.
Ex-Staatssekretär Schmidt gerät erneut ins Visier
Im Zuge der Wirecard-Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Umfeld des Finanzministeriums geriet damals auch Schmidt ins Visier – aufgrund von Vorwürfen wegen möglicher Versäumnisse bei der Aufsicht. Die im September 2021 aufgenommenen Ermittlungen wurden jedoch im Dezember gegen eine Zahlung von 5.000 Euro eingestellt.
Als rechte Hand von Ex-Finanzminister Scholz sagte er auch im Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag aus. Denn die dem Finanzministerium untergeordnete Finanzaufsicht (BaFin) war lange Zeit trotz Warnungen nicht effektiv gegen Wirecard vorgegangen.
Brisant erscheinen dabei Schmidts Bemühungen, damit Wirecard auf dem chinesischen Finanzmarkt Fuß fassen kann. Es geht dabei unter anderem um eine Firmenübernahme in dem Land. Der bei der Aufdeckung des Wirecard-Skandals maßgeblich beteiligte BSW-Co-Chef Fabio de Masi unterstreicht hierbei auch die Rolle Sigl-Glöckners. Sie bereitete demnach das Abkommen zum deutsch-chinesischen Finanzdialog federführend vor.
Hat der BND Wirecard für Spionagezwecke genutzt?
Der zentrale Verhandlungserfolg des Abkommens sei damals die Cross Border Payment Lizenz für Wirecard in China gewesen. Sie sei die erste dieser Art für einen ausländischen Zahlungsdienstleister, so De Masi am Donnerstag auf der Plattform X. Mit Blick auf die mutmaßliche Tätigkeit Sigi-Glöckners beim BND stellt De Masi die Vermutung auf, der deutsche Geheimdienst habe möglicherweise Wirecard als „trojanisches Pferd“ genutzt, um in die Zahlungsabwicklung in Fremdstaaten zu gelangen.
Der Wirecard-Skandal gilt als der größte Finanzskandal der deutschen Nachkriegszeit. Nachdem Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro aufgedeckt worden waren, musste der ehemalige DAX-Konzern im Juni 2020 Insolvenz anmelden. Es geht etwa um gewerbsmäßigen Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung. Über Jahre hinweg wurden fiktive Gewinne vorgetäuscht, damit Kredite in Milliardenhöhe genehmigt werden.
Steiler Karriere-Aufstieg Sigl-Glöckners
Sigl-Glöckner ist derzeit unter anderem Geschäftsführerin des „European Macro Policy Network“ (EMPN), einem Netzwerk aus wirtschaftspolitischen Denkfabriken, Forschungsinstituten und Akademikern. Sie ist zudem Direktorin der Berliner Denkfabrik „Dezernat Zukunft“, die sie im Jahr 2018 mitgegründet hat.
Bereits drei Monate nach dem Ende ihrer Master Thesis am Imperial College in London im Jahr 2018 gelangte sie in einflussreiche Positionen. Nach eigenen Angaben war sie unter anderem beim liberianischen Finanzministerium, bei der Weltbank und in der Unternehmensberatung in London tätig. Das liberianische Finanzministerium beriet sie im Rahmen der „African Governance“-Initiative vom britischen Ex-Premier Tony Blair.
Ihre Tätigkeit Bundesfinanzministerium begann sie nach eigenen Angaben im Sommer 2018 zunächst als Ökonomin, bevor sie relativ schnell weiter aufstieg. Sie hatte zu der Zeit offenbar bereits Beziehungen nach China. „Bei den Verhandlungen in Peking lernte ich Wolfgang Schmidt kennen, der zufälligerweise kurz danach eine neue persönliche Referentin suchte und sich bei mir meldete“, so Sigl-Glöckner in einem Interview mit dem Handelsblatt vom September 2020.















