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Über 100 israelische Siedler attackieren Dorf im Westjordanland
Ein israelischer Siedler-Mob setzt in einem palästinensischen Dorf mehrere Häuser und Fahrzeuge in Brand. Das Ziel: eine palästinensische Familie daran hindern, in ihr Haus zurückzukehren, aus dem sie vor Monaten vertrieben worden war.
Über 100 israelische Siedler attackieren Dorf im Westjordanland
Al-Mughayyir, Westjordanland, 29.09.2026 / Foto: Issam Rimawi/AA

Mehr als 100 israelische Siedler haben am Dienstag ein palästinensisches Dorf im besetzten Westjordanland attackiert. Bei dem Angriff auf das Dorf Dschalud im Norden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Häuser in Brand gesetzt und drei israelische Polizisten verletzt. Die Polizei teilte am Dienstag mit, sie habe einen Verdächtigen festgenommen und zwei Minderjährige zum Verhör mitgenommen.

Der Siedler-Mob attackierte das Dorf, als die israelische Armee versuchte, eine palästinensische Familie zurück zu ihrem Haus in Dschalud zu bringen, aus dem sie vor zwei Monaten von extremistischen Siedlern vertrieben worden war. Mehr als 100 Siedler hätten versucht, die Rückkehr der Familie zu verhindern, erklärte die Armee. Die radikalen Angreifer hätten Straßen blockiert, Reifen angezündet, Steine geworfen sowie Häuser und Fahrzeuge von Palästinensern in Brand gesetzt. Drei israelische Polizisten wurden dabei leicht verletzt.

Die palästinensische Familie konnte letztlich nicht in das Dorf zurückkehren. Mahmud al-Tubasi, ein Mitglied der Familie, sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Familie sei vor mehr als zwei Monaten aus ihrem Zuhause vertrieben worden. Seitdem hätten Siedler das Haus besetzt gehalten.

Am Dienstag sei er nun mit seiner Frau und seinem Sohn mit dem Auto zurück nach Dschalud gefahren, in Begleitung von zwei Armee-Fahrzeugen. Bei ihrer Ankunft seien sie von den Siedlern angegriffen worden, berichtete al-Tubasi. Die Soldaten hätten die Angreifer mit Pfefferspray zurückgedrängt.

Die eng mit Israel verbündeten USA verurteilten am Dienstag „kriminelle Gewalt“ gleich von welcher Seite im Westjordanland. Washington unterstütze „angemessene Ermittlungen“, Rechenschaftspflicht sowie juristische Verfahren gegen die Verantwortlichen, sagte ein US-Außenamtssprecher AFP.

Bei einem weiteren Vorfall meldete der Palästinensische Rote Halbmond am Dienstagabend, dass seine Einsatzkräfte drei Menschen versorgten, die im Gebiet Dschamala in der Nähe von Ramallah von israelischen Siedlern angegriffen und geschlagen worden seien. Sie seien ins Krankenhaus gebracht worden.

Israel besetzt seit dem Sechstagekrieg 1967 unter anderem das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem. Heute leben dort rund 730.000 Siedler in mehr als 370 illegalen Siedlungen und Außenposten. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Palästinenser durch extremistische Siedler. Sie dringen in palästinensische Dörfer ein, attackieren Bewohner, verüben Brandanschläge und zünden Felder und Olivenhaine an. Die israelische Armee schreitet meist nicht ein, sondern schützt die Angreifer oder beteiligt sich selbst an Angriffen.

Eine UN-Untersuchungskommission für Palästina kam im Juni zu dem Schluss, dass israelische Behörden und Besatzungstruppen die Siedlergewalt dulden oder unterstützen. Israelische Truppen sind demnach immer wieder an Siedlerangriffen beteiligt, bei denen Palästinenser verletzt, getötet oder vertrieben werden.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den israelischen Siedlungsbau in einer Resolution aus dem Jahr 2016 und stufte ihn als völkerrechtswidrig ein. Unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Israel den illegalen Siedlungsbau im besetzten Westjordanland stark vorangetrieben. 

Seit Beginn des israelischen Vernichtungskriegs im Gazastreifen im Oktober 2023 ist die Gewalt auch im Westjordanland eskaliert. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden dort seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 1200 Palästinenser von israelischen Soldaten oder extremistischen israelischen Siedlern getötet.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen