WELT
2 Min. Lesezeit
Wegen Polizeigewalt bei Schülerprotesten: Iran bestellt französischen Botschafter ein
Nach den jüngsten Schülerprotesten in Frankreich bleibt die Lage angespannt. Zugleich wächst die Kritik an der Polizeigewalt. Teheran spricht von „eklatanten Menschenrechtsverletzungen“ und tätigt einen diplomatischen Schritt.
Wegen Polizeigewalt bei Schülerprotesten: Iran bestellt französischen Botschafter ein
Paris, Frankreich, 07.10.2026 / Foto: Julien De Rosa/AFP

Wegen des „gewaltsamen“ Vorgehens französischer Sicherheitskräfte gegen demonstrierende Schüler hat die iranische Regierung den französischen Botschafter in Teheran einbestellt. Dem Diplomaten Pierre Cochard sei mitgeteilt worden, dass die französischen Behörden „umfassende und eklatante Menschenrechtsverletzungen“ begangen hätten, berichteten iranische Medien am Dienstag.

In Frankreich blockieren Schüler seit Mitte September landesweit den Zugang zu hunderte Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Am Rande der Proteste kam es mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen bisher mehr als 200 Schüler und 700 Sicherheitskräfte verletzt wurden.

Unterdessen kündigte Innenminister Laurent Nuñez am Mittwochmorgen an, dass der Einsatz von Blendgranaten durch die Polizeikräfte bei den Schülerprotesten ausgesetzt wird. Eine solche von Einsatzkräften in eine Schülergruppe abgefeuerte Granate hatte einem 15-Jährigen am Montag im nordfranzösischen Lens eine Hand abgerissen. Dies führte zu einer wachsenden Empörung über das rabiate Auftreten der Polizei und Polizeigewalt.

Regierung fürchtet zweite Gelbwestenbewegung

Die Sorge der Regierung ist, dass die Proteste sich –angefacht durch hohe Spritpreise und Lebenshaltungskosten – auf andere Bereiche ausweiten könnten und so etwas wie ein zweiter Gelbwestenprotest entsteht, der Frankreich 2019 längere Zeit in Atem hielt. Vor dem Hintergrund will Premierminister Sébastien Lecornu am Abend eine Ansprache zu der Lage an den Gymnasien, den hohen Spritpreisen, der Agrarkrise sowie der angeschlagenen finanziellen Lage des Landes halten.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen