WIRTSCHAFT
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China löst USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands ab
Was die deutschen Handelsbeziehungen angeht, liegt China wieder vor den USA. Während das Handelsvolumen mit Peking wächst, brechen die Exporte in die Vereinigten Staaten deutlich ein.
China löst USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands ab
China löst USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands ab. / Foto: Reuters / Reuters
vor 8 Stunden

China hat die USA im vergangenen Jahr als wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst. Der Außenhandelsumsatz mit der Volksrepublik – die Summe von Exporten und Importen – wuchs um 2,1 Prozent auf 251,8 Milliarden Euro. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das Handelsvolumen mit den USA schrumpfte dagegen um 5,0 Prozent auf 240,5 Milliarden Euro. China war bereits von 2016 bis 2023 Deutschlands Handelspartner Nummer eins, wurde aber 2024 durch die Vereinigten Staaten vom ersten Platz verdrängt. Auf Platz drei kommen die Niederlande mit Exporten und Importen im Gesamtwert von 209,1 Milliarden Euro (+3,3 Prozent).

„Die aktuellen Handelsdaten spiegeln die geoökonomischen Verschiebungen wider, unter denen die deutsche Industrie zunehmend leidet“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. „China und die USA versuchen mit aggressiver Industrie- und Handelspolitik unabhängiger von industriellen Importen zu werden.“ So wolle China in Schlüsselbranchen Weltmarktführer werden, in denen Deutschland lange führend gewesen sei. Deutsche Unternehmen würden nun von den staatlich geförderten chinesischen Produzenten aus dem Markt gedrängt.

„Schuld ist Trumps Handelspolitik“

Trotz der von Präsident Donald Trump durchgesetzten hohen Zölle sind die USA der wichtigste Abnehmer deutscher Exportwaren geblieben. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten brachen aber um 9,4 Prozent auf 146,2 Milliarden Euro ein. „Schuld ist Trumps Handelspolitik“, sagte Dullien dazu. Seit August 2025 gelten für die meisten deutschen Waren US-Zölle von 15 Prozent – ein Vielfaches des früheren Satzes. Auf den Rängen zwei und drei der wichtigsten Empfängerländer deutscher Exporte folgten erneut Frankreich mit 117,4 Milliarden Euro (+2,0 Prozent) und die Niederlande mit 112,5 Milliarden Euro (+2,9 Prozent).

Bereits seit 2015 ist China das wichtigste Lieferland deutscher Importe. Auch 2025 kamen mit Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro wieder die meisten Einfuhren aus der Volksrepublik. Das waren 8,8 Prozent mehr als 2024. Den höchsten Anteil an den aus China importierten Waren hatten Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse im Wert von 50,9 Milliarden Euro (+4,9 Prozent), gefolgt von elektrischen Ausrüstungen (32,8 Milliarden Euro; +14,8 Prozent) und Maschinen (13,9 Milliarden Euro; +11,6 Prozent).

„Waren nach Europa umgeleitet“

„Auch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China machen der deutschen Wirtschaft zu schaffen“, sagte IMK-Direktor Dullien. „Höhere Handelsschranken für chinesische Lieferungen in die USA bedeuten, dass diese Waren auch nach Europa umgeleitet werden.“ Das schlage sich in gestiegenen deutschen Importen aus China nieder und erhöhe den Konkurrenzdruck für deutsche Unternehmen im Heimatmarkt.

Demgegenüber standen Exporte nach China im Wert von 81,3 Milliarden Euro – das waren 9,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. China stellt inzwischen viele Produkte wie etwa Autos selbst her, die früher aus Deutschland eingeführt wurden. In der Rangfolge der wichtigsten Abnehmer deutscher Exporte lag China im Jahr 2025 auf Rang sechs. Durch die steigenden Importe in Verbindung mit den sinkenden Exporten nahm der Importüberschuss im Handel mit China im Jahr 2025 um 22,4 Milliarden Euro auf 89,3 Milliarden Euro zu.

Auf Rang zwei der wichtigsten Lieferländer deutscher Importe lagen wie in den Vorjahren die Niederlande (96,7 Milliarden Euro; +3,9 Prozent), gefolgt von den USA (94,3 Milliarden Euro; +2,7 Prozent).

QUELLE:reuters