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Die AfD und Israel: Eine Beziehung voller Widersprüche
Die AfD inszeniert sich als Schutzmacht Israels und jüdischen Lebens. Zugleich prägen antisemitische Tendenzen und Kontakte ins Siedlermilieu ihr Umfeld. Ihre Israel-Rhetorik dient auch als Vehikel gegen Muslime.
Die AfD und Israel: Eine Beziehung voller Widersprüche
Die AfD und Israel: Eine Beziehung voller Widersprüche / Foto: TRT Deutsch

Die Positionierung der AfD gegenüber Israel ist seit jeher von Widersprüchen und Konflikten geprägt. Während sich die Parteispitze in der Öffentlichkeit größtenteils geschlossen als pro-israelisch ausgibt, äußern sich Landesspitzen und Verbandsfunktionäre abweichend. Gerade Akteure mit stärker völkisch-nationalistischer Ausrichtung äußern sich kritisch, antisemitisch und feindlich gegenüber Israel. Dazu gehören zum Beispiel das rechtsextreme Vorfeld und die Jugendorganisationen der AfD. Das scheint zunächst unvereinbar. Was sie eint, ist ihre islamfeindliche Einstellung.  

Wie die AfD Unterstützung für Israel inszeniert 

Besonders seit dem 7. Oktober 2023 bemüht sich die AfD gezielt, ihren vermeintlichen Einsatz für Israel und für jüdisches Leben medienwirksam darzustellen. So erklärte die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch im Bundestag: „Die Verteidiger des jüdischen Lebens und die Freunde des jüdischen Staates finden sich heute nicht auf der linken, sondern auf der demokratisch rechten Seite: bei der AfD (…)“. Auch die Parteivorsitzende Alice Weidel äußerte sich mit ähnlichem Tenor in ihrem viel beachteten Gespräch mit Elon Musk auf der Plattform X am 9. Januar 2025. Dort behauptete sie: „The AfD is (...) the only protector of the Jewish people (...) in Germany.“ 

Auch über mehrere Anträge im Bundestag legte die AfD ihre pro-israelische Positionierung öffentlichkeitswirksam dar. So gab es einen Antrag mit dem Titel „Antisemitismus an der Wurzel bekämpfen“, der postkoloniale Theorien mit Antisemitismus in Verbindung bringt und die Finanzierung entsprechender Projekte einschränken soll. Hinzu kommt der Antrag „Linkem Antisemitismus konsequent entgegentreten“. Unmittelbar nach dem 7. Oktober stellte die AfD zudem Anträge, die Mittel für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) stoppen sollten und deutsche Mittel für palästinensische Bildungsprojekte streichen sollten, denen die AfD die Verbreitung von Antisemitismus vorwirft. Die AfD stellte außerdem einen Antrag, der die Finanzierung „illegaler arabischer Bautätigkeiten“ im Westjordanland verhindern solle. Einen entsprechenden Antrag zu illegalen Aktivitäten israelischer Siedler reichte sie nicht ein. 

AfD und Israel: Offizielle Distanz, inoffizielle Kontakte 

Doch die Verbindungen der AfD zu Israel gehen über die reine Positionierung hinaus. So zeigt sich, dass die AfD auch aktiv Kontakte zu Akteuren der israelischen Siedlerbewegung aufbaut und eine mögliche Zusammenarbeit mit einem israelischen Rüstungskonzern begrüßt.  

So veröffentlichte „Israel National News“, eine der Siedlerbewegung nahestehende Nachrichtenseite, mehrfach Beiträge des früheren AfD-Europaabgeordneten Joachim Kuhs. Der Politiker, der sich wiederholt öffentlichkeitswirksam für Israel einsetzte, verfasste mehrere Artikel für die Nachrichtenseite, darunter ein Artikel zum Thema „Der Aufschwung der AfD in Deutschland ist gut für Juden und Israel“. Darin schreibt er, dass er sich 2019 im Rahmen einer Delegationsreise der Juden in der AfD (JAfD) mit den Siedlervertretern Daniella Weiss und Boaz Haetzni getroffen habe. Zudem berichtet er von einem Treffen in Brüssel mit Jossi Dagan, dem Vorsitzenden des Regionalrats Samaria und einem führenden Siedlerpolitiker. 

Offiziell hält die israelische Regierung hingegen weiterhin Distanz zur AfD. Kontakte auf offizieller Ebene sind nicht erwünscht. Gleichzeitig weiten Netanjahus Regierung und seine Likud-Partei ihre Verbindungen zu rechtsextremen und muslimfeindlichen Akteuren in Europa aus. Dazu gehören beispielsweise Matteo Salvinis Lega in Italien, Geert Wilders Partei für die Freiheit (PVV) in den Niederlanden und Viktor Orbán in Ungarn. Laut Berichten wird auch die AfD als „potential ally“, also als möglicher Verbündeter gesehen.  

Laut wissenschaftlichen Analysen gibt es auch Hinweise auf Kontakte einzelner Angehöriger der Familie Netanjahu zum Umfeld der AfD. Netanjahus Sohn Yair postete beispielsweise Inhalte auf X, die von AfD-Politikern aufgegriffen wurden. Einer seiner Beiträge wurde sogar mit AfD-Logo und einem Foto von ihm veröffentlicht. Das Buch „Itamar K.“ von Benjamin Netanjahus Bruder Iddo Netanjahu wurde von Artur Abramovych, dem Vorsitzenden der JAfD, ins Deutsche übersetzt. 

Zuletzt zeigte sich zudem der AfD-Fraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidat bei der Landtagswahl Ulrich Siegmund offen für eine Niederlassung von Elbit Systems in Sachsen-Anhalt. Elbit Systems ist der größte Rüstungskonzern Israels. In diesem Zusammenhang erwähnte er explizit, dass eine solche Ansiedlung seiner Partei auch bei der Umsetzung ihrer Abschiebungspläne helfen könne. 

Die Innenpolitische Funktion der Israel-Rhetorik: Islamophobie salonfähig machen 

Wie systematische Analysen der Rhetorik von AfD-Politikern nahelegen, ist die pro-israelische oder auch „philosemitische“ Rhetorik als Strategie zu verstehen. Die Forschenden deuten sie unter anderem als Versuch, antisemitische Tendenzen in der Partei zu kaschieren und Antisemitismus mit muslimischer Einwanderung zu verknüpfen. Mit anderen Worten: Islamophobie spielt eine zentrale Rolle im pro-israelischen Diskurs der AfD und dem versuchten Aufbau von Verbindungen seitens der AfD zu israelischen Akteuren. 

Beispiele für diese Rhetorik der AfD gibt es mehrere. Kurz nach dem 7. Oktober reichte die AfD-Fraktion beispielsweise einen Antrag im Deutschen Bundestag ein, in dem sie Maßnahmen gegen den sogenannten „importierten Antisemitismus“ forderte. Ein ähnliches Framing fand sich im Bundestagswahlprogramm 2025 der Partei. Hierbei wird Antisemitismus in Deutschland vor allem mit Einwanderung aus muslimisch geprägten Ländern in Verbindung gebracht. Diese einseitige Darstellung greift gemäß einer vom Deutschen Zentrum für Migrations- und Integrationsforschung durchgeführten Studie zu kurz. 

Laut Forschenden beruft sich die AfD hierbei auf ein Narrativ, bei dem die gemeinsame „jüdisch-christliche Wertegemeinschaft“ dem Islam entgegensteht. In diesem Narrativ ist die Verteidigung dieser gemeinsamen Werte zentral und richtet sich gegen eine vermeintliche Allianz palästinensischer, islamistischer und linker Akteure. In diesem Zusammenhang werden Musliminnen und Muslime, Palästinenserinnen und Palästinenser pauschal als antisemitisch dargestellt, um das eigene islamophobe Narrativ zu stützen.