Ein Mitarbeiter einer für das ZDF tätigen Produktionsfirma ist nach Angaben des Senders im Gazastreifen bei einem israelischen Raketenangriff getötet worden. Am Sonntagnachmittag seien „unsere palästinensischen Kollegen von der Palestine Media Production (PMP) an ihrem Standort in Deir al-Balah“ von einer Rakete getroffen worden, berichtete ZDF-Korrespondent Thomas Reichart aus dem Studio in Israel. Dabei seien ein Ingenieur der Firma und der achtjährige Sohn eines anderen Mitarbeiters getötet worden. Ein PMP-Journalist sei bei dem Angriff verletzt worden.
Auf Nachfrage bei der israelischen Armee, warum der Angriff erfolgt sei, habe diese geantwortet, der Vorfall werde geprüft. Auch in der Vergangenheit hatte Israel immer wieder angegeben, solche und ähnliche Angriffe prüfen zu wollen. Eine Antwort oder Konsequenzen blieben zumeist aus.
Auf Bildern ist nach ZDF-Angaben zu sehen, dass auch der Übertragungswagen sowie Teamfahrzeuge zerstört wurden. Überlebende hätten berichtet, dass es keine Vorwarnung gegeben habe. Das ZDF arbeite seit Jahrzehnten mit PMP zusammen.
Gazastreifen gilt als gefährlichster Einsatzort für Journalisten
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten erklärte: „Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien, denen wir unser tiefes Mitgefühl aussprechen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Medienschaffende bei der Ausübung ihrer Arbeit angegriffen werden.“ Direkte Kritik an Israel übte sie jedoch nicht. Auch in der Pressemitteilung des ZDF wird Israel nicht als mutmaßlicher Angreifer genannt.
Der Gazastreifen gilt derzeit als der weltweit gefährlichste Einsatzort für Journalistinnen und Journalisten. Die Sonderberichterstatterin des UN-Menschenrechtsrats für freie Meinungsäußerung, Irene Khan, hatte Mitte September die Zahl der im Gaza-Krieg getöteten Reporterinnen und Reporter mit 252 angegeben. Das Medienbüro in Gaza berichtete zuletzt von mindestens 279 getöteten Journalisten.
Die mühsam vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Widerstandsorganisation Hamas war am Sonntag stark unter Druck geraten. Israel meldete Operationen des palästinensischen Widerstandes gegen seine Truppen im Süden des Gazastreifens, bei denen zwei Soldaten getötet worden seien. Die israelische Luftwaffe flog ihrerseits Angriffe in mehreren Gebieten des Küstenstreifens. Insgesamt wurden am Sonntag nach Angaben mehrerer Krankenhäuser 44 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet.
Nach Angaben der Medienbehörde in Gaza tötete Israel seit Beginn der Waffenruhe am 10. Oktober mindestens 97 Palästinenser und verletzte 230 weitere. Israel habe 80 dokumentierte Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen begangen, hieß es in einer Erklärung vom Sonntag.















