Bahngewerkschaft: Erholung der Fahrgastzahl könnte bis 2023 dauern
In der Corona-Krise haben viele gelernt, wie sie mit Video und Clouds Dienstreisen ersetzen. Es könnte Jahre dauern, bis diese Kunden wieder zurückkommen, rechnet der Vorsitzende der Bahngewerkschaft.
Hessen, Kassel: Blick auf leere 2.-Klasse-Sitzplätze in einem am Bahnhof Wilhelmshöhe stehenden ICE, der in Richtung Norden unterwegs ist. (DPA)

Die Deutsche Bahn muss sich aus Sicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf eine längere Durststrecke einstellen. Es werde mehrere Jahre dauern, bis sich im Fernverkehr die Fahrgastzahlen erholen, sagte der kommissarische EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir gehen davon aus, dass wir 2022 oder 2023 die Zahlen erreichen, die wir 2019 gesehen haben“, sagte Hommel, der auch langjähriges Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats ist.

Weil die Beschäftigten nun mehr Erfahrung mit Telefon- und Videokonferenzen haben, werde es vorerst weniger Dienstreisen mit der Bahn geben, sagte der Gewerkschafter. „Wir werden viele Fahrten, die wir früher gemacht haben, nicht mehr machen. Wir haben gelernt, dass es auch anders geht.“

Mit 151 Millionen Kundenfahrten hatte der Fernverkehr im vergangenen Jahr noch den fünften Fahrgastrekord in Folge erreicht. Dann kam der Einbruch in der Corona-Krise. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns berät an diesem Freitag (15. Mai) über die Folgen der Pandemie.

Bahn und Bund hatten als Ziel vereinbart, bis 2030 die Fahrgastzahl der Bahn zu verdoppeln, um mehr Menschen für den Verzicht auf Auto und Flugzeug zu gewinnen. „Bei der Zielstellung sollten wir bleiben, aber das wird kein Selbstläufer“, warnte Hommel.

„Wir erwarten, dass der Bund für die Verluste, die durch Corona eingetreten sind, nicht nur bei der Lufthansa, sondern auch bei der Bahn einsteht.“ Im Gespräch ist bei der Bahn eine Finanzlücke von etwa zehn Milliarden Euro bis 2024. Davon könne die Bahn die Hälfte aufbringen. Einen solchen Eigenanteil lehnte Hommel jedoch ab. Dieser würde aus seiner Sicht die notwendigen Wachstumsinvestitionen etwa in neues Personal und Züge gefährden.


DPA