Streit in „Deutscher Welle“ um Assad-Fangemeinde bei DW Arabia
Die arabische Redaktion des staatlichen deutschen Auslandssenders „Deutsche Welle“ kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Der jüngste in einer Reihe von Skandalen betrifft ein Netzwerk von Assad-Anhängern, das Einfluss auf Inhalte nehme.
Symbolbild: Durch das Assad-Regime zerstörte zivile Infrastruktur in der syrischen Provinz Idlib. (AA)

DW Arabia, die arabischsprachige Redaktion des staatlichen deutschen Auslandssenders „Deutsche Welle“, kommt nicht zur Ruhe. Erst berichtete der „Guardian“ im Vorjahr über ein von Einschüchterungen, Drohungen und sexueller Belästigung gekennzeichnete Betriebsklima, später kamen Enthüllungen über Antisemitismus und Holocaustleugnung von Redakteuren dazu. Nun wurde Kritik an einer – wie es die „Welt“ nennt – „Assad-Connection“ laut, die in einer regimefreundlichen Art und Weise Einfluss auf die Inhalte der Sendungen nehme.

Glühender Assad-Fan als „unabhängiger Experte“

Wie das Blatt schreibt, soll es sogar eine „Gruppe teils leitender Mitarbeiter“ gewesen sein, die dafür gesorgt habe, dass innerhalb der Redaktion Anhänger des Machthabers immer stärker zur Geltung kommen. Dem Assad-Regime werden unter anderem Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen des bewaffneten Konflikts vorgeworfen, der 2011 mit der äußerst brutalen Niederschlagung von Protesten begonnen hatte.

Chefredakteurin Manuela Kasper-Claridge bestätigte auf die Beschwerde einer Mitarbeiterin der englischsprachigen DW-Redaktion vom Februar 2021 hin, dass man Verteidiger der Politik Assads „im Interesse der Ausgewogenheit“ zu Wort kommen lasse.

Was unter vielen DW-Mitarbeitern für starke Irritationen sorgt: Besonders häufig kommt in Sendungen von DW Arabia der Journalist Aktham Suliman zu Wort. Der 1989 in Damaskus geborene und nun in Deutschland lebende Suliman hatte 2012 seinen Job als Korrespondent bei „Al Dschasira“ gekündigt, weil dort „nur noch Oppositionelle“ gegen das Assad-Regime zu Wort gekommen seien. Bei DW ist er nach Recherchen der „Welt“ hingegen allein zwischen 2012 und 2019 nicht weniger als 30-mal als „unabhängiger Experte“ zum Thema Syrien zu Wort gekommen.

Interview mit Verschwörungstheoretiker im Auftrag eines rechtsextremen Magazins

Wenn er nicht gerade für DW den Syrien-Konflikt analysiert, kann man Suliman unter anderem auf Unterstützungskundgebungen für Assad antreffen. Er selbst räumt die Teilnahme an drei Demonstrationen in den vergangenen Jahren ein. Im Jahr 2018 stellte er Giftgasangriffe auf Zivilisten durch das Regime als Inszenierungen dar.

Im Jahr 2013 hatte er auf einer Veranstaltung des mittlerweile vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften „Compact“-Magazins ein Interview gegeben. Geführt wurde dieses von dem bekannten Verschwörungsideologen Ken Jebsen. Den staatlichen deutschen Sender hielt dies nicht davon ab, Suliman schon 2014 mit redaktioneller Verantwortung für die Sektion „Business Arabia“ des Wirtschaftsmagazins „Made in Germany“ zu betrauen.

Hausverbot für Menschenrechtsanwalt

Zwischenzeitlich suspendiert ist immerhin der frühere Redakteur Morhaf Mahmoud. Auch er war mehrfach als expliziter Assad-Befürworter in Erscheinung getreten. Dass er sich zudem noch wiederholt antisemitisch geäußert und sogar Sympathien für Holocaust-Leugner zum Ausdruck gebracht hat, veranlasste in der vergangenen Woche die Deutsche Welle dazu, die Reißleine zu ziehen und eine Untersuchung einzuleiten.

Kritiker Assads klagen demgegenüber über eine „wenig zuvorkommende“ Behandlung bei der „Deutschen Welle“. Chefredakteurin Kasper-Claridge bestätigte, dass etwa der Menschenrechtsanwalt Anwar Al-Bunni „nicht mehr länger eingeladen“ werde. Grund sei, dass er „im Studio eine körperliche Auseinandersetzung mit einem anderen Gast“ gehabt habe. Al-Bunni bestreitet, dass es eine solche gegeben habe – der einzige Grund für sein Auftrittsverbot sei ausschließlich seine „klare Position in Bezug auf die Verbrechen des Assad-Regimes“.

TRT Deutsch