Putin wirft Westen bei Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg Fehler vor
Das Internationale Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg geht derzeit zum 25. Mal über die Bühne. Als Gastgeber sieht sich Präsident Putin zwar vom Westen isoliert. Dieser überschätze aber die Wirkung seiner Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges.
ARCHIV - 12.04.2022, Russland, Wostotschny: Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik über AP veröffentlichte Bild zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland, der während seines Besuchs des Kosmodroms Wostotschny eine Rede in einer Raketenmontagehalle hält. (DPA)

Trotz beispielloser westlicher Sanktionen gegen Russland sieht Präsident Wladimir Putin die Rohstoffgroßmacht auf einem Erfolgskurs. Die 20er Jahre sollten zu einer Zeit der „Festigung der wirtschaftlichen Souveränität für Russland“ führen, schrieb Putin in einem Grußwort an die Teilnehmer des 25. Sankt Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums. An diesem Freitag will der russische Präsident dort erklären, wie es angesichts der Sanktionen, die der Westen wegen der russischen Militäroffensive in der Ukraine verhängt hat, weitergehen soll.
„Das Jubiläumstreffen läuft in einer nicht einfachen Zeit für die Weltgemeinschaft“, meinte Putin. Der Westen sieht den 69-Jährigen verantwortlich für zahlreiche Krisen sowie die hohen Preise für Energie und Lebensmittel.
Putin: Westen machte „jahrelang Fehler“
Der russische Präsident wies das zurück: „Jahrelange Fehler der westlichen Staaten in der Wirtschaftspolitik und die unrechtmäßigen Sanktionen haben zu einer Welle der globalen Inflation geführt, zur Zerstörung gewohnter Liefer- und Produktionsketten und zu einem starken Anstieg der Armut und zum Defizit bei Lebensmitteln.“
Putin hat immer wieder deutlich gemacht, dass Russland sich von den Sanktionen der EU und der USA nicht beeindrucken lasse. Zugleich meinte er, die Lage biete neue Perspektiven. Unter dem Motto „Neue Welt - neue Möglichkeiten“ werden in Sankt Petersburg Vertreter aus mehr als 100 Ländern erwartet. Russland orientiert sich angesichts der massiven Spannungen mit dem Westen wirtschaftlich zunehmend nach Asien, vor allem nach China und Indien, aber auch nach Afrika und Südamerika.
Russland leitet etwa seine Öl- und Gaslieferungen zunehmend von der EU in andere Weltregionen um. Das Land erzielt wegen der hohen Preise für Öl und Gas auf dem Weltmarkt gerade besonders hohe Einnahmen. Auch die nationale Währung hat sich nach einem Wertverlust gegenüber dem Dollar und Euro zu Beginn des Krieges vor fast vier Monaten nun deutlich erholt. Der Rubel ist inzwischen so stark wie seit Jahren nicht mehr.
Neue Burgerkette ersetzt McDonald's
Wegen der Sanktionen hatten sich zahlreiche westliche Firmen, darunter deutsche Unternehmen, aus Russland verabschiedet. Putin erklärte dazu, dass andere Unternehmen die Lücken füllten. So wurden etwa nach dem Abschied der US-Kette McDonald's gerade in den Filialen neue Burgerrestaurants unter dem Namen „Wkusno i Totschka“ - Deutsch: Köstlich und Punkt - eröffnet. In Moskau bilden sich bereits seit Tagen Schlangen an den Lokalen.
Die Organisatoren des Wirtschaftsforums sprechen von Teilnehmern aus 115 Ländern in diesem Jahr. Im Rekordjahr 2020 waren es demnach 19.000 Teilnehmer aus 145 Staaten. Eine Teilnehmerzahl wurde diesmal nicht genannt. Unternehmer haben in diesem Jahr die Möglichkeit, anonym an dem Forum teilzunehmen, um nicht im Zuge der Sanktionspolitik des Westens mit Strafen belegt zu werden. Medien zufolge sind auch Teilnehmer aus Frankreich, Italien, Kanada und den USA angemeldet.

DPA