Identitäre bringen „Warnschilder“ vor Moscheen in Wien an
Die österreichische „Islam-Landkarte“ sorgt für neuen Zündstoff: In Wien brachten Unbekannte „Warnschilder“ vor muslimischen Einrichtungen mit Verweis auf die Karte an. Das Portal „oe24“ vermutet die rechtsextremen „Identitären“ hinter der Aktion.
„Warnschilder“ vor Moscheen in Wien angebracht. (Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich/Twitter)


In der österreichischen Hauptstadt Wien sind muslimfeindliche „Warnschilder“ aufgetaucht. Die Schilder mit Verweis auf die umstrittene „Islam-Landkarte“ wurden am Dienstag in der Nähe von Moscheen angebracht.

Die „Warnschilder“ seien unter Verkehrsschildern angebracht worden, berichtete das österreichische Nachrichtenportal „Heute“. Versehen sind die Schilder mit der Aufschrift „Achtung! Politischer Islam in deiner Nähe“, einem Verweis auf die „Islam-Landkarte“ und einer finster blickenden Person, die offenbar einen Muslim darstellen soll. Die Schilder seien von Hand gebastelt worden.

Über die Täter ist bislang nichts bekannt. Allerdings geht das Nachrichtenportal „oe24“ davon aus, dass die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ hinter der Aktion stehe. Das Portal dokumentiert das Bild einer Person, die gerade eines der Schilder anbringt. Zudem habe der Wortführer der Bewegung, Martin Sellner, „als einer der Ersten“ via Telegram Bilder geteilt, die Personen beim Aufhängen der Plakate zeigen. Dies, so oe24, sei „wie ein Geständnis“, dass seine rechtsextreme Vereinigung hinter der Aktion stehe.

Auf Twitter erklärte die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich am Dienstag mit Bezug auf die sogenannte „Islam-Landkarte“: „Wir rufen die Verantwortlichen noch einmal mit allem Nachdruck dazu auf, die Webseite vom Netz zu nehmen und die Sicherheit der MuslimInnen und ihrer Einrichtungen nicht weiter einer Gefahr und unerträglichen Hetze auszusetzen!“

Auf der „Islam-Landkarte“ sind 623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen mit ihrem jeweiligen Hauptsitz in Österreich eingezeichnet. Zu jeder von ihnen soll es eine Seite mit ausführlichen Erläuterungen geben, die unter anderem über angebliche oder tatsächliche Verbindungen zum „politischen Islam“ im In- und Ausland Auskunft geben soll.

Am Sonntag kritisierte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig die Karte: „Diese Landkarte trägt absolut nichts zur Integration bei, sondern befördert eine gesellschaftliche Spaltung. Ich spreche mich ganz klar für das Miteinander und für das respektvolle Zusammenleben aller in unserer Stadt und in unserem Land aus.“

Erstellt wurde sie im Auftrag einer Dokumentationsstelle Politischer Islam, die 2015 als unabhängiger Fonds der Republik Österreich gegründet worden war. Die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) kündigte am Samstag an, gegen die Karte zu klagen.

TRT Deutsch