Zahl der Spender in Deutschland gesunken
Immer weniger Menschen sind bereit, für gemeinnützige Organisationen und Kirchen zu spenden. Gespendet wurde 2019 vor allem für die humanitäre Hilfe.
„Bilanz des Helfens“ des Deutschen Spendenrates (DPA)

In Deutschland geben immer weniger Privatleute Geld für wohltätige Zwecke. Im vergangenen Jahr spendeten hochgerechnet 19,5 Millionen Menschen für gemeinnützige Organisationen und Kirchen, eine Million weniger als 2018 und fast zehn Millionen weniger als 2006. Das geht aus der „Bilanz des Helfens“ des Deutschen Spendenrates hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Es handelt sich demnach um die niedrigste Spenderzahl seit Beginn der Erhebung 2005. Auch die gespendete Summe schrumpfte: Insgesamt kamen 5,1 Milliarden Euro zusammen (2018: 5,3). Selbst der traditionell spendenstarke Monat Dezember fiel mau aus. Die Einnahmen brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent ein. Mittlerweile kommen fast 41 Prozent der Einnahmen auf dem Spendenmarkt von Menschen aus der Gruppe der Über-70-Jährigen. Der Trend der vergangenen Jahre hin zu immer weniger Spendern zeige sich „immer dramatischer“, erklärte Spendenrat-Geschäftsführer Max Mälzer. Für die Zukunft sei mit erheblich sinkenden Spendenvolumina zu rechnen. Der Großteil der Gesamt-Spendensumme floss 2019 in die humanitäre Hilfe. Während dieser Bereich - ebenso wie Kultur- und Denkmalpflege, Tierschutz und Sport - im Vergleich zum Vorjahr teils deutlich weniger Zuwendungen bekam, verzeichnete der Umwelt- und Naturschutz immerhin einen Zuwachs von vier Millionen Euro. Vor einem schlechteren Ergebnis bewahrt werden die Organisationen durch regelmäßige und vergleichsweise großzügige Gaben der Menschen, die ohnehin spenden: Im Schnitt spendet jeder Spender siebenmal im Jahr - so oft wie noch nie seit Erhebungsbeginn. Durchschnittlich geben die Menschen pro Spende 37 Euro (2006: 27 Euro). Dass zuletzt mehreren Organisationen aus verschiedenen Gründen die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, spielt aus Sicht des Spendenrats für die Bilanz eher keine Rolle. Wie Geschäftsführer Mälzer auf Anfrage erklärte, variiert das Gesamtspendenvolumen immer ein wenig. „Der Rückgang der Spender ist jedoch ein Langzeittrend, der eher vom demografischen Wandel und einer anderen Mentalität dem Thema Spenden gegenüber bedingt ist“, so Mälzer. Eine Vermutung von Experten ist, dass die nun ins typische Spendenalter kommenden Babyboomer womöglich andere Prioritäten als die eigenen Eltern haben, die selbst im Krieg Leid erfuhren und gerne etwas zurückgeben wollten. Ein Faktor dürfte aber auch sein, dass manche Menschen heutzutage auf anderen Wegen Gutes tun - was aber nicht unter die Kriterien des Spendenrats fällt. Zum Beispiel mit Sachspenden oder per Spendenaufruf in sozialen Medien. Die „Bilanz des Helfens“ basiert auf monatlichen Selbstauskünften von 10.000 Menschen ab 10 Jahren in Deutschland, erhoben von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Erbschaften, Spenden von Unternehmen und an Parteien sowie Großspenden werden nicht erfasst. Der Spendenrat ist der Dachverband von 68 Organisationen, die Spenden sammeln.

DPA