Pro Asyl beklagt eine auf Vorurteilen beruhende Diskussion über Geflüchtete
Pro Asyl kritisiert die Debatten über Schutzsuchende in Deutschland als „toxisch“. Es herrsche vielerorts eine „Unterbringungskrise“. Zudem gebe es einen „großen Bedarf an antirassistischer Schulung“ bei der Polizei.
Sachsen: Anstieg von Diskriminierung und Rassismus / Photo: DPA (DPA)

Die Organisation Pro Asyl beklagt im Zusammenhang mit mutmaßlichen Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte eine auf Vorurteilen beruhende Diskussion. Die öffentliche Debatte der zurückliegenden Wochen sei „sehr ressentimentgeladen“, sagte der Europa-Referent der Flüchtlingshilfsorganisation, Karl Kopp, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wir erleben toxische Asyldebatten, und die sind immer flankiert von rassistischer Gewalt und Brandanschlägen“, unterstrich er.

Mit Blick auf die jüngsten mutmaßlichen Anschläge im sächsischen Bautzen und Groß Strömkendorf in Mecklenburg-Vorpommern sagte Kopp, Deutschland habe eine „Unterbringungskrise“. Nötig seien menschenwürdige Aufnahmebedingungen für alle Schutzsuchenden. „Jedoch: Immer mehr Geflüchtete müssen in Lagern, Provisorien und Notquartieren leben - das sind Orte des Elends“, sagte er. Solche Orte würden „leicht zu Anschlagszielen“.

Der Pro-Asyl-Referent machte allerdings auch positive Entwicklungen in den zurückliegenden Jahrzehnten aus. Anders als bei der ausländerfeindlichen Gewalt vor rund 30 Jahren in Rostock-Lichtenhagen, Solingen und Mölln sei die Zivilgesellschaft „heute viel stärker als damals“. Kopp erinnerte zugleich daran, dass die Polizei damals nicht eingeschritten sei und den Mob habe gewähren lassen. Bei der Polizei gebe es bis heute „einen großen Bedarf an antirassistischer Schulung“.

epd