Sturmtief "Sabine" 

Das seit Tagen angekündigte Sturmtief „Sabine“ nähert sich Deutschland - und das Land wappnet sich für die kommenden Stunden gegen Gefahren. Am Nachmittag sollte der Sturm auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen treffen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab für große Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterwarnstufe heraus. Am Sonntagmittag herrschte aber noch weitgehend die Ruhe vor dem Sturm. „Es wird jetzt langsam stärker“, sagte Michael Hagen vom DWD in Offenbach.

Sturmtief zieht die ganze Nacht von Norden nach Süden

In Teilen des Schwarzwaldes gelte aber schon die höchste der vier Warnstufen. Das Sturmtief werde die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Auf den Straßen sei Vorsicht geboten. Es könnten Äste oder auch Ziegel hinunterfallen. Wegen des aufziehenden Orkans strichen Flughäfen wie Frankfurt/Main, München, Köln/Bonn, Hannover und Bremen Dutzende Starts und Landungen. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden bis zum Mittag schon 120 Flüge gestrichen. Die Deutsche Bahn kündigte am Sonntagvormittag den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen an. Etliche Fährverbindungen zu den Nordseeinseln wurden eingestellt. Und auch Fußballspiele fielen aus, etwa das rheinische Bundesliga-Derby Mönchengladbach gegen Köln.

In Großbritannien wütet „Sabine“ unter den Namen „Ciara“

In Großbritannien, wo „Sabine“ den Namen „Ciara“ trägt, wurden zahlreiche Zugverbindungen und Flüge gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Queen Elizabeth II. sagte am Sonntag ihren Kirchgang im ostenglischen Sandringham aus Sicherheitsgründen für die Schaulustigen ab. In Irland kam es zu Überschwemmungen. Etwa 10 000 Haushalte hatten keinen Strom. Erste Ausläufer von „Sabine“ waren Sonntagmittag an der deutschen Nordsee zu spüren. Im Laufe des Tages breitet sich der Sturm dann wohl mit einzelnen Orkanböen auf den gesamten Norden und die Mitte des Landes aus. Dort werde der Höhepunkt in der Nacht zum Montag erreicht, im Süden am frühen Montagmorgen. Begleitet werden soll der befürchtete Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern. In der Nacht werden Windgeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde erwartet. „Sabine“ ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie „Kyrill“ (2007) oder „Lothar“ (1999) werde „Sabine“ aber nicht.

Deutsche Bahn ist auf mögliche Probleme vorbereitet

Die Deutsche Bahn bereitete sich auf mögliche Probleme vor. Wer nicht reisen möchte, kann die Fahrkarte kostenfrei stornieren. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen. Die Deutsche Bahn teilte am Sonntagmorgen mit, die Küstenregionen und stark sturmgefährdete Regionen wie Emden, Norddeich, Kiel und Westerland seien ab der Mittagszeit nicht mehr mit Fernverkehrszügen zu erreichen. Diese Einschränkung betreffe beispielsweise IC-Züge zwischen Norddeich und Hannover/Koblenz, ICE-Verbindungen zwischen Hamburg und Kiel beziehungsweise Westerland sowie die Strecken des EC zwischen Hamburg und Kopenhagen/Aarhus.

„Sabine“ sorgt auch im Sport für Absagen

Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. „Sabine“ sorgte am Sonntag dann für weitere Absagen von Fußballspielen: So fiel auch die für 14.00 Uhr angesetzte Nachholpartie der Frauen-Bundesliga zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln den Wetterbedingungen zum Opfer. Auch andere europäische Länder rüsteten sich für das Orkantief. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren. Der niederländische Fußballverband KNVB sagte für Sonntag alle Spiele der Profiligen ab. Und in England musste die für Sonntag angesetzte Partie zwischen Meister Manchester City und West Ham United angesichts der Gefahren durch den dort „Ciara“ getauften Orkan verschoben werden.

DPA