Archivbild. Pennsylvania, USA: Das Hauptanwesen mit den Nebengebäuden der Fetullahistische Terrororganisation. Im Hauptgebäude lebt der Sektenführer Fetullah Gülen. (AA)
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Dem Westen ging es im Zusammenhang mit der Türkei zu keinem Zeitpunkt um Demokratie oder Menschenrechte. Im Vordergrund stehen vielmehr Abhängigkeiten und ihr politischer Einfluss in der Region. Als ausführendes Medium des Westens wurde die FETÖ (Fetullahistische Terrororganisation) auserkoren, jahrelang finanziell unterstützt sowie strukturell aufgebaut und auf den Tag X vorbereitet.

Fetullah Gülen gibt seit vier Jahrzehnten unbeteiligten Beobachtern Rätsel auf, die es lohnt, durch intensive Recherchen und mit den Aussagen von Aussteigern sowie Wegbegleitern der FETÖ zu decodieren, um die Weltöffentlichkeit mittels Veranschaulichung der gegenwärtigen Beweislage und aufzuklären.

FETÖ und ihre Beziehung zum Militär

Der kometenhafte und beispiellose Aufstieg Gülens vom armen Einwandererkind aus dem Osten Anatolien zum bedeutenden Protagonisten der damaligen gesellschaftlichen Elite wurde erst möglich durch die Protektion und die schützende Hand des Tiefen Staates. Obwohl er beispielsweise in den 90er Jahren auf richterlicher Anordnung hin in der Türkei polizeilich gesucht wurde, konnte er sich in der Türkei und weltweit ungehindert frei bewegen.

Der Anführer der FETÖ, Fetullah Gülen, machte aus seiner exzellenten Beziehung zum türkischen Militär keinen Hehl. Beim postmodernen Staatsstreich am 28.2.1997 gegen die demokratisch gewählte Regierung Erbakans, der wie Gülen auch eine Ideologie der Vereinbarkeit von Staat und Religion verfolgte, fand sich Gülen zur Verwunderung der Öffentlichkeit auf der Seite des säkularen Militärs wieder. Diese Entscheidung entlarvte Gülens politische Ambitionen und sollte später in seinem politischen Leben noch eine wichtige Rolle spielen.

Gülen und sein Verhältnis zum Christentum

In seinem weiteren politischen Leben kam es am 9.2.1998 zu einer hochbrisanten Begegnung in seiner ehrgeizigen politischen Karriere: Er bekam eine historische Audienz im Vatikan bei Papst Johannes Paul II., bei der er dem Papst einen Brief überreichte, dessen Inhalt es in sich hatte. In dem Schreiben bedankte sich Gülen beim Papst für den von ihm initiierten interreligiösen Dialog und dafür, dass er ihm als Mitglied des päpstlichen Rates dienen durfte.

Ferner irritierte später Gülen in einer Videobotschaft mit der folgenden Aussage: “Wenn die Christen über euer Land herfallen und besetzen, habt keine Angst. Sie werden weder euren Frauen noch euren Mädchen etwas antun.“ Dieses Statement ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, welche Gräueltaten von den westlichen Alliierten in Afghanistan, Irak, Syrien und anderen muslimischen Ländern bisher vielfach begangen wurden. Kann man diese Aussage als ersten Hinweis auf den geplanten Putschversuch interpretieren?

Gülen und seine weltweiten Protektoren

Gülens Kontakt zu einflussreichen und mächtigen Persönlichkeiten zieht sich wie ein roter Faden durch seine Lebensgeschichte. Wie sonst hätte er es sonst geschafft, mit seiner straffen und sektenhaften Organisation in über hundert Ländern Schulen, Universitäten, Verlage und Medienhäuser erfolgreich aufzubauen und nachhaltig zu betreiben? Die Konstellation aus Bildung und kommerziellem Handeln wurde zu seinem Markenkern. Nur mit Unterstützung aus dem In- und Ausland konnte er seine Ziele verwirklichen und weltweit ein Riesenimperium zum Wohle seiner Protektoren und seiner Jünger aufbauen.

Der Aufbau der FETÖ-Pyramide

Man kann die FETÖ in drei Gruppen respektive Ebenen einteilen. Die unterste Ebene besteht aus frommen, leichtgläubigen und arbeitsamen Mitgliedern, die an die guten Missionen der Organisationen glaubten, ihr Vermögen für ihren Heilsbringer Gülen opferten und die Mehrheit innerhalb der Organisation darstellten. Sie sind in diesem Kontext die Hauptverlierer, die nach dem Putschversuch ihre sichere Arbeitsstelle, ihre Ehre und ihre Reputation in der Gesellschaft verloren haben.

Die zweite Gruppe besteht aus Profiteuren, welche die untere Ebene für persönliche Ambitionen auf der Karriereleiter und für ihre eigene finanzielle Bereicherung ausgenutzt haben. In dieser Gruppe findet man zahlreiche Unternehmer, Imame, Sportler, Journalisten, Militärangehörige und hochgebildete Akademiker wieder, die in der Türkei leben oder die Türkei nach dem verunglückten Putschversuch – auch dank Einladung der deutschen Politik an die mutmaßlichen Putschisten – fluchtartig, überwiegend über die Landesgrenze nach Griechenland, verließen.

In der obersten Spitze der Pyramide stehen die mutmaßlichen Verantwortlichen des Putschversuches, denen es weder um die Erhöhung der Bildungschancen in der Türkei ging noch um selbstlosen Einsatz für das Gemeinwesen. Vielmehr missbrauchten sie die unteren Ebenen für ihre eigenen politischen Zwecke durch unmittelbar religiöse Unterweisung sowie durch eine neue Form gezielter und sublimer Einflussnahme.

Gehirnwäsche auf höchstem Niveau

Diese Form der Manipulation und der Gehirnwäsche ist per se allseits bekannt. Neu ist aber, dass es sich bei dieser Organisation überwiegend um gut bis sehr gut ausgebildete Mitglieder respektive Rekruten handelt, die man als Elite bzw. als intellektuelle Klasse eines Landes bezeichnen kann. Daher kann man die Aufnahmebereitschaft unserer Bundesregierung nach dem Putschversuch gut nachvollziehen, da sie einer Vielzahl Akademiker und Führungspersonen auf unbestimmte Zeit eine neue Heimat gab und darauf spekulierte, dass diese Personen zukünftig auf Gedeih und Verderb auf sie angewiesen wären. Neben dem politischen Aspekt spielt der geheimdienstliche Nutzen der Putschisten sicherlich auch eine Rolle für die deutsche Aufnahmebereitschaft.

Die Kurzsichtigkeit der deutschen Politik

Diese kurzsichtig gefällte politische Entscheidung hat bloß einen Makel: Wer seinem bisherigen Heimatland, in diesem Fall der Türkei, in den Rücken fällt, wird sicherlich keine Gewissensbisse hegen, auch das aufnehmende Land, in diesem Fall Deutschland, in der Zukunft zu verraten. Ob sich unsere politischen Akteure darüber im Klaren sind, lässt sich bisweilen bezweifeln.

Die FETÖ versteckt ihre intransparente und zwielichtige Ideologie hinter den Schlagwörtern Bildung und interreligiöser Dialog.

Ein ehemaliges Mitglied dieser Organisation gab Folgendes zu Protokoll: „Bei dieser Organisation geht es nicht darum, sich für die Bildungsgerechtigkeit in der Gesellschaft einzusetzen, vielmehr werden kapitalstarke und intelligente Menschen im Interesse des Anführers in die Organisation eingebunden.“ Er ging sogar einen Schritt noch weiter und sagte: “Viele Bildungseinrichtungen im Ausland dienen als Treffpunkt und Anlaufstelle für die amerikanischen Institutionen. Nicht umsonst haben viele Länder, beispielsweise die russische Regierung, die Schließung aller Gülen-Bildungseinrichtungen beschlossen.“

Wie Bildung Mittel zum Zweck wurde

Den Bildungseinrichtungen der FETÖ in Deutschland geht es zurzeit finanziell nicht gut, da viele ehemalige Unterstützer ihre Kinder von den Schulen abgezogen und die Zusammenarbeit mit ihnen damit beendet haben. Obwohl die Schulleitungen die organische und ideologische Abhängigkeit von Fetullah Gülen immer wieder abstritten, sieht die Lebenswirklichkeit anders aus.

Die Aussagen eines ehemaligen Schülers aus Paderborn:

„In den regulären Unterrichtseinheiten hat man sich penibel an die Vorgaben des Kultusministeriums gehalten, um keine Angriffsfläche zu bieten. Bei den Abendveranstaltungen war man dann angehalten, auch aufgrund des Gruppenzwanges, die obligatorischen Gebete gemeinsam zu verrichten und jeden Abend ein Buch aus der Bibliothek zu lesen, das meist aus der Feder von Gülen stammte.

Wenn Indoktrination das rationale Denken ausschaltet

Diese Indoktrination der Mitglieder begann im Prinzip mit der Geburt, hinein in diese Art von Sekte, Wirtschaftsunternehmen, Geheimdienst und politischer Organisation. Da es keine vergleichbaren Organisationen weltweit gibt, die dieser einmaligen Konstellation ähneln, muss die Begriffsbezeichnung dafür noch kreiert werden. Es ist wie ein Krebsgeschwür, das die Türkei befallen und sich auf allen gesellschaftlichen, militärischen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen ausgebreitet hat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass über 100.000 Anhänger oder Mittäter der FETÖ in der Türkei und in anderen Ländern ihre Arbeitsstelle verloren haben.

Unter den Mittätern befinden sich auch zahlreiche Journalisten, die in diversen Medienhäusern ihren Dienst verrichteten und ihre Direktiven unmittelbar aus dem Hauptsitz der FETÖ aus Pennsylvania (USA) bekamen. Einige dieser Journalisten sitzen heute in Haft und versuchen sich unter dem Deckmantel der Pressefreiheit erfolglos zu rechtfertigen.

Die Substituierung des türkischen Staatsapparates

Die Gülen-Organisation, die nach dem Putschversuch den Namen FETÖ (Fetullahistische Terrororganisation) erhielt, war maßgeblich bis 2012 daran beteiligt, die alte Garde von Kemalisten und Republikanern durch eigene loyale Mitglieder zu ersetzen. Dabei schreckten sie auch nicht davor zurück, mit Falschbehauptungen und Verleumdungen gerichtliche Prozesse wie „Ergenekon“ oder „Balyoz“ anzustrengen, mit dem Ziel, missliebige Strukturen im Staatswesen auszuhebeln und die unehrenhafte Entlassung vom Militär herbeizuführen, um hohe Positionen im Militärwesen mit eigenen Gefolgsleuten zu besetzen.

Diese Form der Substituierung fand in allen Bereichen des türkischen Staatsapparates statt; Bildung, Polizeiapparat, Nachrichtendienst, Hochschulen, Militär, Justiz, Politik, Sport und Moscheeverbände. Wie eine Riesenspinne sponnen sie ein Netz über die ganze Türkei, versuchten es komplett zu kontrollieren und nutzten dabei Schwächen im Bildungssystem. Über viele Jahrzehnte hinweg unterwanderten sie systematisch staatliche Institutionen und bauten einen gefährlichen „Parallelstaat“ auf.

Die Unterwanderung des türkischen Staates in Bildungseinrichtungen

Nach Aussage eines ehemaligen Ausspähers bestand die Aufgabe der Nachhilfezentren darin, intelligente und finanzstarke Kinder zu fördern und sie in Schlüsselpositionen in allen staatlichen Bereichen unterzubringen. Dabei missbrauchten sie auch ihre Positionen in Hochschulen und Militärakademien, um den Studienanwärtern einen Tag vor der Zulassungsprüfung vorab die Prüfungsergebnisse mitzuteilen. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, warum so viele Studienanwärter der FETÖ Traumergebnisse einholten, die es in der Geschichte der Türkei in dieser Vielzahl so nie gab.

Mit Hilfe der in den türkischen Staatsapparat infiltrierten Mitglieder wuchs ihre Macht im Justizwesen so stark, dass die Rechtsstaatlichkeit ausgehöhlt wurde. Unliebsame Kontrahenten oder missliebige Personen, die auf die undemokratische Vorgehensweise der FETÖ aufmerksam machten, wurden unter einem Vorwand angeklagt und unberechtigterweise verurteilt.

Die Übernahme des Rechtswesens und die Folgen

Ein gutes Beispiel dafür ist der ranghohe Polizeipräsident Hanefi Avci, der die Öffentlichkeit vor der Machthülle und den versteckten Ziele dieser Organisation so lange warnte, bis der bekannte Generalstaatsanwalt der Organisation, Zekeriya Öz, ihn mit dem sogenannten subversiven Geheimbund "Ergenekon" in Verbindung brachte und willkürlich anklagte.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass "Ergenekon" eine nie existierende und fiktive Organisation war. Jedoch wurde sie zur damaligen Zeit als Vorwand genommen, um unliebsame Kritiker der Gülen-Organisation hinter Schloss und Riegel zu bringen. Unter den Opfern waren auch die berühmten Investigativjournalisten Ahmet Sik und Nedim Sener.

Die Beugung des Rechtsstaates gehörte zur Ideologie

Nedim Sener konnte sichere Beweise vorlegen, die eindeutig auf die Verwicklung der FETÖ an der Ermordung des Chefredakteurs der türkisch-armenischen Zeitung Agos, Hrant Dink, hinwiesen. Hintergrund des Attentats der FETÖ war es, einen Vorwand für die Ermittlung gegen konservative und nationalistische Gruppierungen zu liefern, um diese aus ihren Positionen zu verdrängen. Erst nach dem Putschversuch vom 15.7.2016 wurden die Gefolgsleute der FETÖ bei den Sicherheitsbehörden, die in diesem Attentat involviert waren, verhaftet und verurteilt.

Der flüchtige Ex-Generalstaatsanwalt Zekeriya Öz, der seit seiner Flucht aus der Türkei in Deutschland „Immunität“ genießt, hatte damals u.a. auch den Chefredakteur des Online-Nachrichtenportals OdaTV, Soner Yalcin, verhaften lassen. Jeder, der auch nur ansatzweise der FETÖ zu nahe kam, verbrannte sich also die Finger, wie die Tageszeitung Vatan bereits im Jahre 2008 bemerkte.

Die Staatsanwälte Salim Demirci und Nuh Mete Yüksel, die gegen Fetullah Gülen Ermittlungen anstrengen wollten, wurden nur kurze Zeit später mit kompromittierenden Videos auf YouTube kaltgestellt. Der bekannte Buchautor Ergün Poyraz, der bereits 1999 eine Strafanzeige gegen Fetullah Gülen angestrengt hatte und auch in seinen Büchern massiv Kritik an der Gülen-Sekte übte, wurde wegen eines vorgeschobenen Handgranaten-Fundes in Ümraniye-Istanbul 2007 verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt.

Die zeitliche Notwendigkeit des Putsches

Im Vorfeld der Putschnacht wurden von Seiten einiger Medien und Politiker immer wieder Putschgerüchte kolportiert, die sich leider später bewahrheiten sollten. Auch das nähere Umfeld des FETÖ-Sportlers Hakan. S. war involviert. Nach Aussage eines Bekannten des Sportlers wusste man schon zwei, drei Monate vorher Bescheid über den geplanten Staatsstreich. Man riet ihm sogar einige Tage vor dem 15.7.2016 erneut, das Land zu verlassen, da es zeitnah zu einem „großen Chaos“ kommen würde in der Türkei.

Dieses musste spätestens im Juli erfolgen, da im August 2016 zahlreiche personelle Veränderungen im Militärwesen anstanden und eine Vielzahl Mitglieder der obersten Ränge auf der Abschussliste standen. Die türkische Regierung hatte bereits Vorkehrungen getroffen, um die bekannten Mitglieder der FETÖ aus ihren Ämtern zu entlassen.

Nachdem der türkische Geheimdienst MIT Wind von dem Putschversuch bekommen hatte, der ursprünglich um ca. 3 Uhr in der Nacht durchgeführt werden sollte, mussten die Putschisten die Ausführung auf den späten Abend vorziehen, um ihr Vorhaben nicht zu gefährden. Der Putsch wurde nachweislich aus Pennsylvania orchestriert und von den Mitgliedern der FETÖ und ihren subversiven Kräften durchgeführt.

Schon kurz nach dem Putschversuch machten in der Türkei alle relevanten Parteien, NGOs und Militärangehörige als Drahtzieher des Putsches die FETÖ. Natürlich auch dank der Hintergrundinformationen, die ihnen aus Militärkreisen vorlagen.

Das Eingeständnis der Amerikaner

Die Beweislast gegen die FETÖ ist mittlerweile so erdrückend, dass die USA eigentlich Gülen an die Türkei ausliefern müssten, wären da nicht die Eigeninteressen der US-Administration, trotz Schuldanerkenntnis ranghoher US-Offizieller.

Der ehemalige Dreisternegeneral Michael Flynn gab folgendes Statement ab: „Aus Sicht der Türkei bietet Washington Unterschlupf für den Osama bin Laden ihres Landes. Was hätten wir nach dem 11.9.2001 gemacht, hätten wir erfahren, dass bin Laden in einem schönen türkischen Dorf lebt und zugleich mit Geldern der türkischen Steuerzahler bezuschusst 160 Schulen im Lande unterhält?“

Es gibt mittlerweile unzählige Beweise, auch aufgrund des vom Staat ins Leben gerufenen Zeugenschutzprogramms, welche die FETÖ als Drahtzieher des Putschversuches ausmachen. Einige dieser nachfolgenden Details sollen die Beweislage untermauern.

Diverse ermittelten und validierten Beweise sind bis dato an die Öffentlichkeit gekommen. Die Aussagen von ranghohen Offizieren, unzählige Videoaufnahmen, Handyauswertungen, Bylock-Aufzeichnungen und sichergestellte WhatsApp-Chatverläufe sind fester Bestandteil der Beweisaufnahme.

  • Es existieren von der Putschnacht mehrere Audio- und Videoaufzeichnungen vom Luftwaffenstützpunkt Akıncı, von wo aus die F-16 Kampfjets aufgestiegen sind, um die Menschen auf der Straße und das türkische Parlament zu attackieren. In den Aufzeichnungen zu sehen ist der Zivilist und ranghohe Geistliche der FETÖ, Adil Öksüz, der als Geistlicher der hiesigen Militärführung Befehle erteilt und dem Putschverlauf auf dem Luftwaffenstützpunkt folgte. Bis heute befindet er sich auf der Flucht. Es gibt glaubwürdige Hinweise darauf, dass er, wie auch Zekeriya Öz, in Deutschland mehrmals gesichtet wurde.

  • In der Putschnacht wurde der Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte, Hulusi Akar, festgenommen und als Geisel zum Luftwaffenstützpunkt Akinci gebracht. Auf die Frage von Hulusi Akar, wer ihr Anführer sei, entgegneten ihm die Geiselnehmer, es wäre Fetullah Gülen und er bekäme die Möglichkeit, jetzt sofort persönlich mit diesem zu telefonieren, was Akar brüskiert ablehnte.

  • Der wegen des postmodernen Putsches vom 17.12.2013 und 25.12.2013 vom Dienst suspendierte Polizeioberkommissar Mithat Aynacı wurde während der Putschnacht in einem Panzer der Putschisten festgenommen.

  • Die schuldanerkennenden Aussagen von Offizieren gehören ebenfalls zu den Beweisen: Levent Türkkan (Oberstleutnant), Zekeriya Kuzu ( Unteroffizier) oder Erdal Karlıdağ.

  • Mustafa Koçyiğit (Berater des Premierministers), der zugibt, Mitglied der FETÖ zu sein, und seine Taten bereut.


  • T.D. (Staatsanwalt): „Wir mussten alle die verschlüsselte Kommunikations-App „Bylock“ fest auf unseren Smartphones installieren, über die wir dann untereinander geheime Informationen ausgetauscht haben.“

Die Kommunikation verlief über die Messenger-App Bylock

Bei der Nutzung des Messengerdienstes Bylock benötigt man, um miteinander zu kommunizieren, neben der Rufnummer auch eine persönliche ID-Nummer. Diese App wurde von einem Mitglied der FETÖ hauptsächlich für die FETÖ-Organisation entwickelt.

Da der türkische Geheimdienst MIT diese App im Vorfeld gehackt hatte, erlangte er Mitgliederdaten von mehr als 100.000 Nutzern, die später für die Strafverfolgung von größter Bedeutung wurden.

Zum Verhängnis wurde dies auch dem Türkei-Direktor von Amnesty International, Taner Kilic, und dem UN-Richter Aydin Sefa Akay, die ebenfalls zur Verantwortung gezogen wurden, weil diese App auch auf ihren Smartphones installiert war und sie diese App wissentlich genutzt haben sollen.

Die Rolle des Auslands beim Putschversuch

Der Hauptangeklagte Akin Öztürk gab vor Gericht Folgendes zu Protokoll: „Der Putsch konnte nur mit Unterstützung aus dem Ausland durchgeführt werden. Die USA, England sowie Deutschland nehmen hierbei eine exponierte Position beim Putschversuch ein.“

Es stellt sich bisweilen auch die Frage, warum das Pentagon in der Putschnacht die Falschnachricht verbreitete, wonach der türkische Präsident Erdogan mit seinem Flieger auf dem Weg nach Deutschland sei, um hier einen Asylantrag zu stellen. Wollte man mit psychologischer Kriegsführung der türkischen Bevölkerung zu verstehen geben, dass sich der türkische Präsident abgesetzt hätte und ein Widerstand gegen den Putsch zwecklos wäre?

Offene Fragen, die darauf hindeuten, dass sich zumindest die USA in der Putschnacht nicht auf die Seite des Nato-Partners und einer demokratisch gewählten Regierung gestellt haben.

Die unrühmliche Rolle der FETÖ in der Vergangenheit

Neben der Einnahme der Hauptrolle beim Putsch trägt die FETÖ mutmaßlich die Hauptschuld an den folgenden schweren Skandalen oder Attentaten:

  • Kompromittierende Sextapes gegen den Vorsitzenden der größten Oppositionspartei CHP, Deniz Baykal, im Mai 2010.

  • Kompromittierende Sextapes gegen führende MHP-Politiker im Mai 2011.

  • Abhörskandal: In den Jahren 2012 und 2013 wurden über 300.000 Personen illegal abgehört, darunter viele einflussreiche Politiker.

  • Der gesetzeswidrige Festnahmeversuch des Chefs des türkischen Geheimdienstes, Hakan Fidan, am 7.2.2012.

  • Anstiftung zu Unruhen bei den Gezipark-Protesten im Mai 2013.

  • Postmoderner Putschversuch vom 17.12.2013 und 25.12.2013.

  • Aufdeckung geheimer Waffenlieferungen der Türkei an die Turkmenen in Syrien im Januar 2014.

  • Im Mai 2015 Weitergabe geheimer Informationen über Waffenlieferungen an den damaligen Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar.

  • Mysteriöser Tod von sechs Ingenieuren des Rüstungskonzern Aselsan in den Jahren 2006–2015.

  • Abschuss eines russischen Kampfjets über der Türkei im November 2015.

  • Gezielte Tötung des russischen Botschafters in der Türkei im Dezember 2016.

Diese unvollständige Liste zeigt eindrucksvoll die einstige Macht der FETÖ in den verschiedenen türkischen Institutionen und staatlichen Behörden. Daher gab man ihr auch den Beinamen „Paralel Örgüt“, auf Deutsch „Parallelorganisation“ respektive „Staat im Staat“.

Seit diese Organisationsstruktur gesprengt wurde, ist zwar die Gefahr eines erneuten Putschversuches in der Türkei gebannt. Dennoch hat sie weiterhin einen nicht zu unterschätzenden Wirkungskreis und übt derzeit auch viel Macht in anderen, bildungsschwachen Staaten aus. Ferner nimmt ihr politischer und gesellschaftlicher Einfluss in den Staaten, in denen sie Zuflucht gefunden hat, wieder zu.

Es gibt im Türkischen das Sprichwort: „Dost kara günde belli olur“, auf Deutsch: “In Notlagen zeigt sich, wer der wahre Freund ist.“ Einmal mehr hat sich gezeigt, dass sich die Freude der Europäer über den Sieg der Demokraten gegen die Putschisten in Grenzen hielt.

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