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Ärzte ohne Grenzen: Israel hat absichtlich Unterernährungskrise in Gaza verursacht
Israel hatte während des Vernichtungskrieges in Gaza monatelang keine Lebensmittel in den Küstenstreifen gelassen. Das Ergebnis war eine Hungerkatastrophe in Teilen der Enklave. Ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen legt das Ausmaß offen.
Ärzte ohne Grenzen: Israel hat absichtlich Unterernährungskrise in Gaza verursacht
Gaza, 30.04.2026 / Foto: Abdalhkem Abu Riash/AA

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Israel vorgeworfen, im Gazastreifen durch das absichtliche Zurückhalten von Lebensmitteln und Hilfsgütern eine „Unterernährungskrise erzeugt“ zu haben. Betroffen seien vor allem Kinder, Schwangere und stillende Frauen, erklärte die Organisation in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht. 

Die NGO stützte ihre Angaben auf eine Untersuchung der Lage in vier von ihr unterstützen Gesundheitseinrichtungen in dem Palästinensergebiet zwischen Ende 2024 und Anfang dieses Jahres. Demnach gab es in diesem Zeitraum eine deutlich höhere Zahl an Frühgeburten, an verstorbenen Säuglingen unterernährter Mütter sowie einen starken Anstieg der Zahl von Fehlgeburten. MSF verwies dabei auf die israelische Abriegelung des Gazastreifens und auf Israels Angriffe auf zivile Infrastruktur.

Ärzte ohne Grenzen forderte die israelischen Behörden auf, ungehindert Hilfsgüter in den Gazastreifen zu lassen. Die MSF-Vertreterin Merce Rocaspana erklärte, vor dem israelischen Vernichtungskrieg sei Mangelernährung im Gazastreifen „nahezu nicht existent“ gewesen. 

Seit dem 10. Oktober 2025 gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Widerstandsorganisation Hamas, die von Israel immer wieder gebrochen wird. Die Lage im Gazastreifen bleibe „äußerst fragil“, erklärte Ärzte ohne Grenzen. 

Die Hilfsorganisation kritisierte auch die Folgen des Verteilens von Hilfsgütern durch die umstrittene GHF-Stiftung, die von den USA und Israel unterstützt wurde und mittlerweile ihre Arbeit im Gazastreifen beendet hat. Die Ausgabestellen seien „tödlich“ gewesen, erklärte José Mas von Ärzte ohne Grenzen. 

Während der Zeit, in der die GHF tätig gewesen sei, sei in den von MSF unterstützten Einrichtungen in dem Palästinensergebiet ein „starker“ Anstieg der Zahl von Menschen verzeichnet worden, „die wegen Gewalt an den Verteilstellen sowie der mit Nahrungsmittelmangel verbundenen Unterernährung medizinische Hilfe suchten“. Nach offiziellen UN-Angaben von Anfang Februar wurden mehr als 2.500 Menschen an den Verteilstellen der GHF in Gaza getötet und mindestens 19.000 weitere verletzt. 

Die Zahl der Ausgabestellen für Nahrungsmittel im Gazastreifen sei bis Ende Mai 2025 unter der GHF von rund 400 auf vier gesunken. Israel hatte von Anfang März bis Mitte Mai 2025 alle Wege für humanitäre Hilfslieferungen nach Gaza gesperrt, was zu einer Hungersnot führte. Der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe verstößt gegen das Völkerrecht und wird als Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit bewertet. 

Die GHF hatte ab Mai vergangenen Jahres die zuvor zuständigen UN-Organisationen als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst. Ihr Einsatz wurde unter anderem von den Vereinten Nationen kritisiert. Die UN und andere große Hilfsorganisationen verweigerten eine Kooperation mit der umstrittenen Stiftung unter dem Vorwurf, die GHF verstoße gegen grundlegende humanitäre Prinzipien. Eineinhalb Monate nach Inkrafttreten der Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober beendete die Stiftung im November ihre Tätigkeit in dem Palästinensergebiet.

Israel tötete mehr als 830 Palästinenser trotz Waffenruhe

Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Am 10. Oktober 2025 trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder gebrochen wird.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden während der Waffenruhe mindestens 834 Palästinenser getötet. Demnach tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 72.610 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 172.468 weitere.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen