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Suche nach neuer Stabilität: Stratcom-Gipfel 2026 startet in Istanbul
Vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen gerät die internationale Weltordnung zunehmend unter Druck. In Istanbul beraten hochrangige Vertreter aus aller Welt über Narrative und Wege zu neuer Stabilität.
Suche nach neuer Stabilität: Stratcom-Gipfel 2026 startet in Istanbul
Suche nach neuer Stabilität: Stratcom-Gipfel 2026 startet in Istanbul / Foto: AA / AA
vor 6 Stunden

Der Internationale Gipfel für Strategische Kommunikation (Stratcom-Gipfel) 2026 hat am Freitag in Istanbul begonnen. An der von der türkischen Kommunikationsdirektion organisierten zweitägigen Veranstaltung nehmen hochrangige Vertreter aus 38 Ländern teil. Im Fokus stehen der Krieg im Nahen Osten sowie weitere Herausforderungen für die regelbasierte internationale Weltordnung.

Mehr als 60 hochrangige Entscheidungsträger, darunter elf Minister aus zehn Ländern, werden zum Gipfel erwartet. Zu den Teilnehmern zählen unter anderem der türkische Vizepräsident Cevdet Yılmaz, Außenminister Hakan Fidan sowie der Chef des türkischen Nachrichtendienstes, Ibrahim Kalın.

Unter dem Leitthema „Störungen im internationalen System: Krisen, Narrative und die Suche nach Ordnung“ befasst sich der Gipfel mit strukturellen Umbrüchen im globalen System, daraus resultierenden Krisen sowie regionalen Ansätzen zur Wiederherstellung internationaler Stabilität.

In seiner Eröffnungsrede warnte Vizepräsident Yılmaz vor einer zunehmenden globalen Instabilität. Kriege, Desinformation und sich überlagernde Krisen in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft, Klima und Migration prägten zunehmend die internationale Politik. Die bestehende Weltordnung seit dem Zweiten Weltkrieg gerate unter Druck, da sich Machtverschiebungen schneller vollzögen als institutionelle Anpassungen.

Mit Blick auf den US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran sprach Yılmaz von einer erheblichen Gefahr für die regionale und globale Stabilität. Die humanitären und wirtschaftlichen Folgen seien gravierend. Türkiye setze sich unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan für eine sofortige Waffenruhe ein und bemühe sich seit Kriegsbeginn um eine diplomatische Deeskalation.

Zugleich kritisierte Yılmaz das brutale Vorgehen Israels im Gazastreifen, im besetzten Westjordanland, im Libanon und in Syrien sowie Zugangsbeschränkungen rund um die Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem. Er rief die internationale Gemeinschaft zu einer entschlosseneren Reaktion auf Völkerrechtsverstöße auf.

Moderne Konflikte seien auch zunehmend durch Desinformation und KI-generierte Inhalte geprägt, sagte Yılmaz. Der Zugang zu verlässlichen Informationen werde dadurch erschwert. Strategische Kommunikation entwickle sich damit zu einem zentralen Instrument staatlichen Handelns.

Yılmaz verwies zudem auf die diplomatische Rolle von Türkiye, etwa bei Vermittlungsbemühungen im Russland-Ukraine-Krieg und in afrikanischen Ländern. Ankara gehöre zu den wenigen Akteuren, die sowohl mit westlichen als auch mit östlichen Staaten im Dialog stünden.

„Die Welt ist größer als fünf (Staaten). Die Menschheit braucht Frieden – und Frieden erfordert Gerechtigkeit“, sagte Yılmaz. Ziel sei es, zugleich gerecht und stark zu handeln.

Kommunikationsdirektor Burhanettin Duran erklärte, der Stratcom-Gipfel habe sich zu einer internationalen Marke entwickelt und stoße auf wachsendes globales Interesse. Man wolle Fragen des Vertrauens in der strategischen Kommunikation im Kontext der globalen Agenda umfassend diskutieren. Duran betonte, dass sich strategische Kommunikation, Konfliktzonen und Krisen heute nicht mehr getrennt betrachten ließen. Information habe sich von einem bloßen Instrument der Vermittlung zu einem direkten Mittel von Macht und Wettbewerb entwickelt.

„Bedrohungen treten heute nicht mehr mit Panzern auf, sondern mit neuen Trends – und sie kommen nicht mit Kugeln, sondern mit Manipulation“, sagte Duran. Der Schutz der Wahrheit sei in der neuen Sicherheitsarchitektur ebenso entscheidend wie der Schutz physischer Grenzen.

QUELLE:TRT Deutsch