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Wackelnde Waffenruhe: USA greifen Iran erneut an
Nach Spannungen an der Straße von Hormus haben die USA erneut den Iran attackiert. Laut einem Medienbericht verglich Präsident Trump die US-Angriffe mit einer kleinen Ohrfeige. Zugleich forderte er den Iran auf, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen.
Wackelnde Waffenruhe: USA greifen Iran erneut an
ARCHIV: Schiffe in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas, Iran / Reuters

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird auf eine neue Probe gestellt: Nach iranischen Vergeltungsschlägen auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Das teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) der US-Streitkräfte am Donnerstag auf der Online-Plattform X mit. Das iranische Militär warf den USA vor, damit die ohnehin fragile Waffenruhe verletzt zu haben. Kurz darauf meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Abwehr neuer iranischer Gegenschläge. 

US-Präsident Donald Trump forderte den Iran nach den Schlägen auf iranische Ziele erneut unter Drohungen auf, „schnell“ eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Die seit rund einem Monat bestehende Waffenruhe gelte aber trotz der Angriffe weiter. 

„US-Streitkräfte wehrten unprovozierte iranische Angriffe ab und reagierten mit Schlägen zur Selbstverteidigung, als Lenkwaffenzerstörer der US-Marine am 7. Mai die Straße von Hormus in Richtung Golf von Oman durchquerten“, erklärte Centcom. Iranische Streitkräfte hätten mehrere Raketen abgefeuert und Drohnen sowie kleine Boote eingesetzt, als die drei US-Schiffe die Meerenge passiert hätten. Es seien keine US-Einheiten getroffen worden.

US-Militär greift iranische Militäreinrichtungen an

Das US-Militär habe die Bedrohungen „neutralisiert“ und iranische Militäreinrichtungen angegriffen, die für die Angriffe verantwortlich gewesen seien - darunter Raketen- und Drohnenabschussrampen, Kommando- und Kontrollzentren sowie Zentralen für Aufklärung und Überwachung, hieß es weiter. Es werde keine Eskalation angestrebt, man werde jedoch die US-Streitkräfte schützen. 

Die Meerenge ist für die Weltwirtschaft unter anderem wegen der Exporte von Öl und Flüssiggas aus den Staaten am Persischen Golf von entscheidender Bedeutung. Der Iran hat die Schifffahrt in der Passage seit Beginn des völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskriegs praktisch zum Erliegen gebracht. Die USA wiederum haben inzwischen eine Blockade für Schiffe verhängt, die aus iranischen Häfen auslaufen oder diese ansteuern. Trotz Waffenruhe kam es in der Meerenge zu Angriffen.

Iran wirft USA Verstoß gegen Waffenruhe vor

Das iranische Militär warf den USA nach den jüngsten Angriffen vor, die von Trump zuletzt einseitig auf unbestimmte Zeit verlängerte Waffenruhe verletzt zu haben. Das US-Militär habe einen iranischen Öltanker angegriffen, der von den Küstengewässern Irans in Richtung Straße von Hormus unterwegs gewesen sei, zitierte der Sender Press TV das iranische Hauptquartier Khatam al-Anbiya. 

Das iranische Militär hielt den USA laut Press TV weiter vor, zugleich mit Unterstützung „regionaler Länder“ Luftangriffe auf zivile Gebiete entlang der Küste und auf der in der Straße von Hormus gelegenen Insel Gheschm durchgeführt zu haben. Die iranischen Streitkräfte hätten umgehend reagiert und Gegenschläge auf US-Militärschiffe östlich der Straße von Hormus durchgeführt. 

Seit gut einem Monat gilt eine Waffenruhe im Iran-Krieg. Die militärischen Spannungen sind jedoch nach wie vor hoch. US-Präsident Donald Trump hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass bald eine Einigung mit der Führung in Teheran erreicht werden könnte, um den Krieg zu beenden.

VAE melden Abwehr iranischer Vergeltungsschläge

Am frühen Freitagmorgen meldeten die Emirate neue Gegenschläge. Die Luftverteidigung wehre derzeit Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran ab, teilte das Verteidigungsministerium mit. Der Iran hatte auf den Golfstaat am Montag und Dienstag erstmals seit Beginn der Waffenruhe vor rund vier Wochen wieder Vergeltungsschläge durchgeführt. Die iranischen Streitkräfte hatten diese als Reaktion auf einen US- Militär-Vorstoß mit dem Titel „Projekt Freiheit“ bezeichnet. Mit dem Schritt der USA sollten ausländische und US-Schiffe in der iranischen Kontrollzone in Begleitung der US-Marine die Straße von Hormus passieren. Trump setzte den Vorstoß dann am Dienstag wieder aus. 

Trump droht: Deal jetzt oder brutale Schläge

Trump forderte den Iran erneut auf, eine Friedensvereinbarung schnell zu unterzeichnen. Ansonsten werde das US-Militär iranische Einheiten in Zukunft noch viel härter und viel gewaltsamer treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde „von WAHNSINNIGEN angeführt, und hätten sie die Chance, eine Atomwaffe einzusetzen, würden sie es ohne Frage tun – aber diese Gelegenheit werden sie nie bekommen“. 

Trump schrieb weiter, den Iranern sei schwerer Schaden zugefügt worden. Ihre Boote seien gesunken, ihre Raketen und Drohnen abgeschossen worden. „Sie fielen so wunderschön auf den Ozean herab, als ob ein Schmetterling in sein Grab fallen würde!“ Ein normales Land hätte diese Zerstörer passieren lassen, aber der Iran sei kein normales Land. Die US-Schiffe würden sich nun wieder der US-Seeblockade gegen den Iran anschließen. 

Trump vergleicht Angriffe mit spielerischer Ohrfeige

ABC News berichtete, Trump habe dem Sender in einem Telefoninterview gesagt, „die Waffenruhe läuft, sie gilt“. Die Angriffe auf den Iran verglich er demnach mit einer kleinen, spielerischen Ohrfeige. Vor Journalisten sagte Trump wenig später, es werde offensichtlich sein, wenn die Waffenruhe nicht mehr gelte. Dann würde aus dem Iran viel Rauch aufsteigen - eine Anspielung auf ein bereits mehrfach von Trump angedrohtes massives Bombardement. 

Zuletzt schien eine Einigung über ein Ende des US-israelischem Angriffskriegs näherzurücken. Trump hatte gesagt, die Gespräche liefen sehr gut, er halte einen Deal in den kommenden Tagen für möglich. Auch am Donnerstagabend (Ortszeit) äußerte sich erneut optimistisch. Der Iran hatte allerdings Berichte über eine bevorstehende Einigung als überzogen zurückgewiesen. Ein US-Verhandlungsvorschlag werde geprüft, hieß es. Man werde den pakistanischen Vermittlern eine Antwort dazu übergeben. 

Iranische Antwort auf Abkommen mit den USA steht noch aus 

Derzeit wartet das Weiße Haus laut Medienberichten auf eine Reaktion Irans auf eine einseitige Absichtserklärung mit 14 Punkten. Ziel ist es dabei unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden demnach auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden. 

Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Teheran reagierte mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Das iranische Militär sperrte zudem die für die Öl- und Flüssiggastransporte wichtige Straße von Hormus für die USA, Israel und ihre Verbündeten – der Ölpreis stieg dadurch steil an. 

Am 8. April war unter Vermittlung Pakistans eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran vereinbart worden. Die Gespräche zwischen den Konfliktparteien haben bisher keine Ergebnisse gebracht. Seit dem 13. April blockieren die USA iranische Häfen. 

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen