Mehr als jeder zweite Mieter muss sich einer Umfrage zufolge wegen hoher Nebenkosten in anderen Lebensbereichen finanziell einschränken. Laut einer Umfrage für den Sozialverband Deutschland (SoVD), die der „Rheinischen Post" vom Donnerstag vorlag, gaben 18 Prozent der Befragten an, dass sie sich angesichts ihrer Wohnsituation „sehr stark“ finanziell einschränken müssten. Weitere 35 Prozent sprechen von Einschränkungen, die „eher stark“ seien.
Die Umfrage wurde von dem Meinungsforschungsinstitut Civey für den Sozialverband erstellt. Laut der „Rheinischen Post“ wurden dafür Ende September Menschen online befragt, darunter 2500 Mieter.
Wie die Zeitung weiter berichtet, werden stärkere Einschränkungen genannt, je jünger die Mieter sind. Demnach gaben in der Civey-Umfrage rund zwei Drittel der 18- bis 29-jährigen Mieter an, dass sie sich finanziell für Miete und Nebenkosten einschränken müssten. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es immer noch 60 Prozent. Insgesamt halten 48 Prozent der Befragten ihre Miete für zu hoch.
„Wenn sich mehr als die Hälfte der Mieterinnen und Mieter einschränken muss, nur um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können, läuft bei der Bezahlbarkeit des Wohnens etwas grundlegend schief“, so die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der „Rheinischen Post“.
Auch persönliche Lebensentscheidungen werden laut der Umfrage von hohen Mieten beeinflusst. Fast die Hälfte der Befragten hat wegen hoher Wohnkosten bereits konkrete Lebenspläne geändert oder aufgegeben. Mehr als ein Viertel der Befragten hat demnach ihre Wohnungswahl angepasst, rund 20 Prozent die Wahl des Wohnortes. Zehn Prozent gaben sogar an, wegen der Wohnkosten ihre Familienplanung verändert zu haben.
„Wenn die Frage, ob Menschen eine Familie gründen oder erweitern, zunehmend davon abhängt, ob sie sich eine geeignete Wohnung leisten können, dann entscheidet zunehmend der Geldbeutel über den Kinderwunsch“, mahnte Engelmeier. Wohnen sei „damit längst nicht mehr nur eine Frage der Bezahlbarkeit, sondern auch der sozialen Sicherheit und der Freiheit, das eigene Leben planen zu können“.
Was die Zukunft angeht, sind die meisten Befragten laut der Umfrage wenig optimistisch. 61 Prozent der Mieter erwarten demnach nicht, dass Mieten und Wohnkosten künftig allgemein bezahlbarer werden. Kritisch sieht Engelmeier vor diesem Hintergrund die seitens der Bundesregierung geplanten Kürzungen beim Wohngeld, die „das völlig falsche Signal“ aussendeten.
„Für viele Menschen ist das Wohngeld unverzichtbar, um ihre Miete bezahlen zu können und nicht in Armut abzurutschen“, sagte die SoVD-Chefin. „Solange die Politik steigende Mieten nicht wirksam begrenzt, darf sie die finanziellen Folgen nicht auf die Mieterinnen und Mieter abwälzen“, sagte Engelmeier.























