Der Todestag des ermordeten Burak Bektaş aus Berlin jährt sich zum 14. Mal. Der damals 22-Jährige wurde in der Nacht des 5. April 2012 vor dem Klinikum Neukölln erschossen. Bektaş hielt sich dort mit Freunden und Bekannten auf, als ein Mann laut Augenzeugenberichten wortlos und unvermittelt eine Waffe zog und schoss. Bektaş erlag im Krankenhaus den Folgen der Schussverletzungen – seine Freunde Jamal und Alex überlebten schwer verletzt. Die Polizei konnte den Täter bis heute nicht ermitteln. Experten und Angehörige vermuten jedoch ein rassistisches Motiv für die Tat, die ein halbes Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU erfolgte.
Neben der Familie kämpft auch die sogenannte Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş seit Jahren für eine politische und juristische Aufarbeitung. An der Rudower Straße steht mittlerweile ein Gedenkort mit einer Gedenktafel. Der Titel: „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“. Der Ort wurde bereits mehrmals durch mutmaßliche Rechtsextremisten geschändet.
„Wer gedenken will, soll aufklären!“
„Ich will von den verantwortlichen Behörden den Mörder meines Sohnes. Das ist das Einzige, was ich zu sagen habe. (...) Wer gedenken will, soll aufklären“, so Buraks Mutter, Melek Bektaş, am 11. März 2024 bei einer Pressekonferenz. Dieser war vom Solidaritätsnetzwerk von Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden rechter, rassistischer, antisemitischer Morde und Gewalt veranstaltet worden.
Mit dem Fall Bektaş befasst sich unter anderem der Untersuchungsausschusses zum Neukölln-Komplex, der zuletzt im Juli 2025 stattfand. Dieser dient der Aufklärung einer rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln und angrenzenden Stadtteilen in einem Zeitraum von 15 Jahren. Im Zentrum stehen dabei vor allem das Handeln, die Versäumnisse und mögliche Verstrickungen der Berliner Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaften.
Der NSU-Terror
Die rechtsextremistische Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) verübte insgesamt zehn Morde, zwei Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend Überfälle. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Die NSU-Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos entzogen sich im November 2011 durch Suizid einer drohenden Festnahme nach einem Raubüberfall in Eisenach.
Die Enttarnung des NSU-Komplexes löste in Deutschland eine bis heute andauernde Debatte über Rassismus und das Versagen der Sicherheitsbehörden aus. Denn der Rechtsterror wurde lange Zeit als mögliches Tatmotiv außer Acht gelassen. In diesem Zusammenhang gerieten die Behörden selbst ins Visier der Ermittler.
Zschäpe versandte anschließend eine Reihe von Bekennerschreiben, mit denen sich der NSU selbst enttarnte. Sie wurde 2018 im Münchner NSU-Prozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, außerdem stellte das Oberlandesgericht die besondere Schwere der Schuld fest.

















