Die italienische Großbank Unicredit hat nach eigenen Angaben die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Übernahme der Commerzbank erhalten. Die EZB habe erlaubt, die Beteiligung an dem Frankfurter Geldinstitut auf mehr als 30 Prozent und anschließend ohne Obergrenze zu erhöhen, teilte Unicredit am Donnerstag mit. Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht äußern.
Unicredit wertete die Entscheidung der EZB als „wichtigen Meilenstein“ bei der Übernahme. Sie unterstreiche die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB, hieß es in der Mitteilung. Die weiteren regulatorischen Schritte sollen demnach gegen Ende des Jahres erfolgen. Bis dahin werde Unicredit „voraussichtlich über rund 50 Prozent der Stimmrechte bei der Commerzbank verfügen und könne die Kontrolle über die Bank übernehmen“.
Die Übernahme ist seit Längerem umstritten. Die Commerzbank hatte sich lange dagegen gewehrt, ebenso die Bundesregierung. Zuletzt hatten beide Banken jedoch Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufgenommen. Unicredit hatte sich bereits fast die Hälfte der Stimmrechte an der Commerzbank gesichert.
Der Bund hält seit der Rettung der Commerzbank im Jahr 2008 Anteile an der Bank, derzeit sind es 12,1 Prozent. Die Bundesregierung will auch nach einer Übernahme Aktionär bleiben und weiterhin zwei Vertreter im Aufsichtsrat stellen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte bei einem Treffen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel im September auf den Erhalt des Sitzes in Frankfurt, des Mittelstandsgeschäfts und die Wahrung der Interessen der Beschäftigten gepocht.
Unicredit könnte die Commerzbank im Fall einer Übernahme mit ihrer deutschen Tochter Hypovereinsbank zusammenlegen, die sie 2005 erworben hatte. Die italienische Großbank mit Hauptsitz in Mailand strebt zudem eine Verkleinerung des internationalen Netzes der Commerzbank und eine stärkere Ausrichtung auf das Deutschlandgeschäft an.
Bund will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden
Die Unicredit müht sich seit rund zwei Jahren um die Commerzbank und hat ihren Anteil trotz des Widerstands aus Deutschland immer weiter ausgebaut. Die Mailänder Großbank, die in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Inzwischen führen Unicredit und Commerzbank Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss.
Der Bund, der mit seinem Commerzbank-Anteil von gut 13 Prozent ein Wort mitzureden hat, will betriebsbedingte Kündigungen bei dem Dax-Konzern mit seinen weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst verhindern. Er will erreichen, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt.




























