Die deutsche Marine hat angesichts der Debatte um einen Einsatz in der Straße von Hormus vor einer Überlastung gewarnt. „Wir haben die kleinste Marine aller Zeiten, aber eine Masse an Aufgaben“, sagte Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack der „WirtschaftsWoche“ in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Mit Blick auf die „Bedrohung durch Russland“ dürfe der Fokus nicht verengt werden. „Die Welt mag gerade in den Nahen Osten schauen: Wir erleben aber auch einen Anstieg an Aktivitäten an der Nord- und Ostflanke, denen wir begegnen müssen“, erklärte Kaack. Er verwies dabei auf eine Zunahme von U-Boot-Einsätzen, Flugraumverletzungen und Sabotageakten an Pipelines und Unterseekabeln.
„Die richtigen Kämpfe zu wählen und dann zu führen, das ist und bleibt unsere Herausforderung. Denn alles, was wir haben, ist im Einsatz“, betonte der Vizeadmiral. Hintergrund seiner Warnung sind Überlegungen der Bundesregierung, die Marine im Fall eines dauerhaften Waffenstillstands im US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran mit Minensuchern an der Sicherung der Meerenge. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt deswegen an diesem Freitag an einer internationalen Konferenz in Paris teil. Als Voraussetzungen für einen solchen Einsatz gelten eine Beteiligung der USA, ein Mandat des UN-Sicherheitsrats, eine dauerhafte Waffenruhe sowie eine Billigung des Bundestags.
Die Warnung des Marine-Chefs fällt zudem in eine Zeit, in der die Bundeswehr mit Verzögerungen bei wichtigen Rüstungsprojekten kämpft. So steht das milliardenschwere Vorhaben für sechs Fregatten der Klasse F126 auf der Kippe. Diese sind für die U-Boot-Jagd vorgesehen, eine Fähigkeit, die Kaack als „Nato-Forderung“ bezeichnete. „Ich habe immer gesagt, dass wir Stahl auf dem Wasser brauchen – und zwar schnell“, sagte er. Das Projekt für das ebenfalls benötigte neue Flugabwehr-Kampfschiff F127 laufe hingegen und liege in der Zeit, erklärte der Inspekteur.
Mit Beginn des völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran Ende Februar hatten die iranischen Streitkräfte die Straße von Hormus für die USA, Israel und ihre Verbündeten gesperrt. Handelsschiffe anderer Länder durften die Straße passieren. Trump kündigte am 12. April seinerseits eine Blockade der Meerenge durch die USA an.
Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird von iranischer Seite kontrolliert. Normalerweise erfolgt dort rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Die Situation in der Straße von Hormus ließ die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Am 8. April hatten die USA und der Iran nach direkten Vermittlungsgesprächen Pakistans einer zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt. Am Wochenende verhandelten Vertreter Washingtons und Teherans über einen dauerhaften Waffenstillstand, erzielten aber keine Einigung.




















