Israelische Siedler haben nach Angaben palästinensischer Behörden einen Palästinenser im von Israel besetzten Westjordanland getötet. Der 25-Jährige sei durch Schüsse von extremistischen Siedlern in der zentral gelegenen Stadt Deir Dibwan östlich der Stadt Ramallah getötet worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Es handelt sich um das dritte Todesopfer durch Siedlergewalt im Westjordanland binnen zwei Tagen.
Die palästinensische Autonomiebehörde erklärte im Onlinedienst X, die israelischen Streitkräfte hätten palästinensische Bewohner von Deir Dibwan festgenommen und veröffentlichte Aufnahmen, die Dutzende Männer zeigen, die in einer Reihe eine Straße entlanggehen. Die Aufnahmen konnten von der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Auf eine AFP-Anfrage hin teilte die israelische Armee mit, sie habe einen Bericht über israelische Zivilisten erhalten, die ohne vorherige Genehmigung der Armee das Gebiet betreten hätten. Die israelischen Siedler seien „an die Polizei übergeben“ worden. Außerdem hätten die Streitkräfte Verdächtige festgenommen und später wieder freigelassen, die „Steine auf die israelischen Zivilisten geworfen hatten“. Später sei zudem ein Bericht über einen durch Schüsse getöteten Palästinenser eingegangen. Dies werde geprüft.
Am Dienstag hatten palästinensische Rettungskräfte mitgeteilt, zwei Menschen seien im Dorf Al-Mughajjir im zentralen Westjordanland durch Schüsse israelischer Siedler getötet worden, darunter ein 14-jähriges Kind. Die israelische Armee behauptete später, sie untersuche den Vorfall.
Israel besetzt seit dem Sechstagekrieg 1967 unter anderem das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem. Heute leben dort rund 700.000 Siedler in mehr als 250 illegalen Siedlungen. Immer wieder kommt es dort zu Übergriffen auf Palästinenser durch extremistische Siedler und israelische Besatzungstruppen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den israelischen Siedlungsbau in einer Resolution aus dem Jahr 2016 und stufte ihn als völkerrechtswidrig ein.
Im besetzten Westjordanland hat sich die Lage im Zuge des israelischen Vernichtungskrieges im Gazastreifen deutlich verschärft. Seit Oktober 2023 nahm die Zahl der Verschleppungen, Razzien und Angriffe gegen Palästinenser laut Behördenangaben deutlich zu.
Mindestens 1.065 Palästinenser wurden seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Westjordanland von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet, wie eine AFP-Zählung auf Grundlage von Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörden ergab. Im gleichen Zeitraum wurden nach offiziellen israelischen Zahlen 46 Israelis im Westjordanland getötet.













