Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall will gemeinsam mit dem US-Satellitenunternehmen Vantor den Ausbau deutscher Aufklärungsfähigkeiten vorantreiben. Beide Unternehmen hätten eine Absichtserklärung für ein Gemeinschaftsprojekt unterzeichnet, berichtete die „Financial Times“ am Mittwoch unter Berufung auf einen Sprecher von Vantor. Ziel der Kooperation ist demnach, der Bundeswehr einen stärkeren Zugriff auf satellitengestützte Aufklärungsdaten und Geoinformationen zu ermöglichen.
Vantor erklärte laut Bericht, die Partnerschaft solle den deutschen Streitkräften eine „souveräne Kontrolle“ über entsprechende Daten verschaffen. Auch weitere europäische Ausschreibungen sollen demnach gemeinsam ins Visier genommen werden.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger bezeichnete die Zusammenarbeit dem Bericht zufolge als Grundlage für eine „eigenständige europäische Fähigkeit“ im Bereich „georäumlicher Aufklärung“. Nach Angaben einer mit den Gesprächen vertrauten Person habe Rheinmetall im Vorfeld Zusicherungen verlangt, dass das geistige Eigentum in Europa vorbehalten bleibe.
Vantor als Anbieter kommerzieller Satellitenbilder
Vantor war früher unter dem Namen Maxar Technologies bekannt und gehört zu den wichtigen Anbietern kommerzieller Satellitenbilder. Das Unternehmen geriet im vergangenen Jahr in die Kritik, nachdem der Zugang zu bestimmten Datendiensten für die Ukraine zeitweise eingeschränkt worden war. Hintergrund war eine Entscheidung der US-Regierung, bestimmte mit Verbündeten geteilte Aufklärungsdaten nicht weiter bereitzustellen.
Der Vorfall hatte in Europa die Debatte über sicherheitspolitische Abhängigkeiten von den USA verschärft. Vantor versucht seither, sich stärker als Anbieter von eigenständigen Aufklärungs- und Satellitendiensten für ausländische Kunden zu positionieren. Dazu gehört auch Software, die Drohnen und Navigationssysteme in Gebieten ohne GPS-Signal unterstützen soll.
Deutschland will Abhängigkeit von den USA verringern
Die geplante Partnerschaft fällt in eine Phase, in der europäische Staaten ihre Abhängigkeit von US-Technologie im Militär- und Weltraumbereich verringern wollen. Die Bundesregierung plant, bis zum Jahr 2030 rund 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumtechnologie zu investieren.
Rheinmetall baut sein Geschäft in diesem Bereich bereits seit einiger Zeit aus. Im vergangenen Jahr erhielt der Konzern nach der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem finnischen Raumfahrtkonzern Iceye erstmals einen Auftrag für satellitengestützte Aufklärung. Dabei geht es um das Programm „Spock 1“, dessen Volumen bis zu 2,7 Milliarden Euro betragen soll.
Nun will Rheinmetall laut „Financial Times“ auch beim möglichen Nachfolgeprogramm „Spock 2“ mitbieten. Dabei könnte der Konzern sowohl mit Vantor als auch mit Iceye zusammenarbeiten. Zudem hatte Rheinmetall zuletzt mit dem Bremer Satellitenhersteller OHB ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um ein satellitengestütztes Kommunikationssystem für die Bundeswehr aufzubauen.
Neben dem Raumfahrtbereich treibt Rheinmetall auch andere internationale Kooperationen voran: Mit dem niederländischen Start-up Destinus zur Produktion weitreichender Raketen sowie mit dem südkoreanischen Unternehmen LIG Nex1 im Bereich Luftverteidigung. Außerdem bewirbt sich Rheinmetall gemeinsam mit Boeing Australia um die Lieferung unbemannter Flugzeuge an die deutsche Luftwaffe.






















