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Antimuslimischer Rassismus: Wer profitiert, wer handelt?
Der europaweit spürbare Anstieg des antimuslimischen Rassismus zeichnet weiterhin einen beunruhigenden Trend ab. Was vor Jahren noch als ein Phänomen aus dem Rande galt, entwickelt sich zu einer gesellschaftlichen Herausforderung.
Antimuslimischer Rassismus: Wer profitiert, wer handelt?
Antimuslimischer Rassismus: Wer profitiert, wer handelt? / Foto: dpa / Sebastian Kahnert

Ein neuer Bericht aus Österreich legt Zahlen vor, die die signifikante Zunahme von antimuslimischem Rassismus aufzeigt. Die Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus hat in ihrem 11. Antimuslimischen Rassismus Report unterstrichen, dass die registrierten Fälle für das Jahr 2025 einen Höchstwert erreicht haben.

1684 Fälle in einem Jahr

Betrachten wir die Berichte der letzten drei Jahre, um die diesbezüglichen Veränderungen zu sehen: Waren im Jahre 2023 1522 Fälle und im Jahr 2024 1336 Fälle gemeldet, wurden im Jahr 2025 1684 Fälle gemeldet – ein Anstieg um ca. 26 Prozent. Die meisten Fälle ereigneten sich wie bereits in den Vorjahren der dokumentierten Vorfälle im digitalen Raum. Mit 63,1 Prozent (2024: 74,90 Prozent, 2023: 66,70 Prozent) findet der Großteil der Fälle online statt, während 36,9 Prozent der Fälle offline dokumentiert wurden.

Besorgniserregend sind die Veränderungen in den Tathandlungen. Eine klare Dominanz zeigt die Kategorie „Verbreitung von Hass“ auf, die mit 62,6 Prozent den Großteil aller Fälle ausmacht, gefolgt von der Kategorie „Beleidigungen“ (11,3 Prozent) und „Ungleichbehandlung“ (10,5 Prozent). Wenn man diese mit dem Bericht von 2024 vergleicht, war die Kategorien Beleidigung mit 19,9 Prozent und Ungleichbehandlung mit 19,4 Prozent noch vor der Kategorie „Verbreitung von Hass“ gereiht.

Von Beleidigungen zur systematischen Hassverbreitung

Was hat aber diese Veränderung verursacht? Die Antwort auf diese entscheidende Frage liegt nicht in der plötzlichen und unkontrollierten Radikalisierung einzelner Personen, sondern in einer zielgerichteten Top-down-Diskursstrategie. Die sich deutlich abzeichnende antimuslimische und rassistisch spaltende Politik lässt sich durch den Bericht eindeutig belegen: Politische Propaganda, über hetzerische Reden, Werbekampagnen, Videomaterialien aber auch populistische Fernsehsendungen machen 27,1 Prozent der dokumentierten Fälle aus. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der größte Anteil der registrierten Vorfälle im Bereich der Medien zu verzeichnen ist - insbesondere Artikel und Beiträge überregionaler Tageszeitungen und Fernsehbeiträge.

Wenn die Zahlen zusammengefasst werden, bedeutet dies, dass öffentliche Äußerungen und Haltungen von MedienvertreterInnen und politischen AkteurInnen in Österreich für fast zwei Drittel (60 Prozent) der dokumentierten Hassverbreitung als verantwortlich bezeichnet werden können - diese Veränderung in der Kategorie „Verbreitung von Hass“ im Vergleich zu 2024 deutet darauf hin, dass antimuslimischer Hass bei den gemeldeten Fällen um 49,3 Prozent zugenommen hat. Wenn man sich mit dieser Tatsache auseinandersetzt, stellt sich hier die Frage: Wer profitiert von dieser negativen Entwicklung? Und noch wichtiger: Wer treibt diese systematisch voran?

Die FPÖ als treibende Kraft

Die Antwort führt uns eben zu jener politischen Kraft, die in den letzten Jahren dazu beigetragen hat, dass antimuslimische Rhetorik salonfähig wurde – einer Partei, die diese Narrative nicht nur toleriert, sondern auch als politisches Werkzeug strategisch einsetzt. Natürlich ist die Rede von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).

Es ist vor allem das politische Kalkül der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs), welches diesen Nährboden gezielt bewirtschaftet. Die Partei hat die islamfeindlichen Aussagen nicht erst seit „gestern“ zu einem essenziellen Teil der Partei-Identität gemacht. Wir alle kennen die Slogans der FPÖ aus den früheren Wahlen, wie: „Daham statt Islam“ oder „Wien darf nicht Istanbul werden‘‘ „Abendland in Christenhand“. Da gibt es noch etliche Beispiele, die man nennen könnte.

Social Media und die junge Generation

Ebenso, wie die rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland  setzt auch die FPÖ in Österreich stark auf den strategischen Einsatz sozialer Medien. Vor allem über Plattformen wie TikTok agiert die Partei im Vergleich zur politischen Konkurrenz weitaus aggressiver insbesondere bei jüngeren Generationen. Wie weit diese Strategie getrieben wurde, zeigte ein konkreter Fall der FPÖ Tirol: Auf dem Account waren vor allem auf Jugendliche zugeschnittene Videos mit Massenabschiebungs- und Rassenreinheitspropaganda zu sehen. 

Ein Video auf deren offiziellen Social-Media-Kanälen sorgte sogar für scharfe Kritik im Tiroler Landtag quer durch alle Fraktionen aus. Dass gerade Jugendliche im Visier dieser Strategie stehen, ist kein Zufall. Denn die Entwicklung lässt sich nicht losgelöst von einem tiefergehenden politischen Dilemma betrachten und zeichnet sich vor allem in der jungen Generation Österreichs ab. Denn die Ergebnisse des Demokratie-Monitors 2025, der am 17. März 2026 präsentiert wurde, zeichnet auf, dass der Anteil der Jugendlichen (zwischen 16-26 Jahren), die denken das politische System gut funktioniert, seit 2019 bei knapp unter 50Prozent stagniert. Im Jahre 2018 war dieser Wert bei 69 Prozent.

Rückläufig ist das Vertrauen in die politischen Organe. Das Vertrauen in die Bundesregierung liegt bei 37 Prozent, jenes in das Parlament bei 41Prozent. Noch schlechter fällt die Repräsentationswahrnehmung auf, denn diese liegt bei 32 Prozent - war im Jahr 2018 noch doppelt so hoch. Diese Ergebnisse sind eigentlich die direkten Ergebnisse einer Politik, die junge Menschen spaltet – anstatt sie für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft zusammenzuführen. Genau das nutzt die FPÖ gezielt aus - eine Lücke an Glaubwürdigkeit und Repräsentation. Sie nutzen Social-Media professionell aus und polarisieren die Gesellschaft – vor allem die Jugendlichen, die die Zukunft aufbauen sollen.

Eine politische Entscheidung mit gesellschaftlichen Folgen

Die Antwort kann nicht darin bestehen, die Narrative der Populisten zu übernehmen. Die FPÖ hat über Jahre einen Diskurs über das Kopftuch geführt und systematisch befeuert – verabschiedet hat das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahre die aktuelle Regierung ohne FPÖ-Beteiligung. Das Thema, das ursprünglich von der FPÖ geprägt wurde, erhielt damit eine institutionelle Dimension – aber mit spürbaren gesellschaftlichen Folgen.

Die Befunde des Jahresberichts 2025 der Dokustelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus zeigen einen Anstieg der gemeldeten Fälle ab Herbst – parallel zur öffentlichen Debatte zum Verbot. Noch vor Inkrafttreten des Verbots wurden Fälle dokumentiert, in denen Schülerinnen vom Lehrpersonal zur Abnahme des Kopftuches gedrängt wurden. Diese Fälle zeigen, wie eng gesetzliche Maßnahmen und gesellschaftliche Dynamiken miteinander verknüpft sind, aber auch die Wichtigkeit diesen Zusammenhang politisch ernst zu nehmen. Die Dokustelle dokumentiert seit elf Jahren, was politisch bestritten und gesellschaftlich verdrängt wird. 1.684 Vorfälle, ein Mord, ein Angriff auf eine Moschee, ein Kopftuchverbot - und eine Partei, die all das rhetorisch vorbereitet hat.

Ein Weg aus der Krise

Umso dringlicher erscheint es, dass alle demokratischen Kräfte - einschließlich die Regierungsparteien - eine entschlossene Gegenstrategie aufbauen, indem sie einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus sofort umsetzen. Denn ein Nationaler Aktionsplan gegen Rassismus wäre ein wichtiger Anfangsschritt, um zu zeigen, dass Diskriminierung in Österreich keinen Platz hat.

Genauso wichtig wäre eine aktive Demokratieförderung, die junge Menschen unabhängig von Herkunft und Religion als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft anspricht, würde der wirksamste Gegenentwurf zum populistischen Aushöhlen durch rechtsextreme Parteien demokratischer Werte sein.

Die Zukunft jeder Demokratie wird nicht nur in den jeweiligen Parlamenten entschieden, sondern auf den Straßen, in den Schulen, in den digitalen Räumen - dort, wo die Menschen, vor allem Jugendliche, heute ihre Überzeugung formen. So wie es aussieht hat das die FPÖ verstanden und handelt dementsprechend. Die Frage ist, wie die demokratischen Parteien in Zukunft darauf reagieren werden.