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Ursachenforschung bei Republikanern: Trumps Rolle im Fokus
Die US-Amerikaner nutzen die Midterms für eine historische Abrechnung mit Präsident Trump. Wächst jetzt auch parteiintern der Druck auf den Republikaner?
Ursachenforschung bei Republikanern: Trumps Rolle im Fokus
04.11.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump. Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Führende Republikaner haben mit klaren Worten auf das Wahldebakel bei den Midterms reagiert und eine schonungslose Analyse des Ergebnisses gefordert. Vizepräsident JD Vance distanzierte sich am Tag nach der Wahl vom Angriffskrieg gegen den Iran und forderte eine „ehrliche Unterhaltung“ darüber, wie es nun weitergehe. „Jeder weiß, warum wir verloren haben“, teilte er am Mittwoch auf der Plattform X mit. Präsident Donald Trump hatte den Krieg gemeinsam mit Israel begonnen, in dessen Folge stiegen die Spritpreise in den USA deutlich an. Am Mittwoch räumte Trump ein, Vances Darstellung stimme „größtenteils“.

Der republikanische Gouverneur in Florida, Ron DeSantis, sprach von nahezu existenzbedrohenden Folgen für seine Partei. Die Niederlage komme einem politischen Meteoriteneinschlag gleich, sagte er. „Das war eine Zurückweisung des Präsidenten und des Kongresses.“ 

Ein republikanischer Senator aus Texas, Ted Cruz, sprach von einem „Blutbad“ und stellte die Frage nach Konsequenzen. „2026 war nicht einfach nur eine blaue Welle, es war ein blauer Tsunami“, schrieb er auf X. Das Problem sei diesmal nicht eine geringe Wahlbeteiligung gewesen, sondern die bewusste Entscheidung gegen republikanische Kandidaten.

Blick auf die nächste Präsidentschaft

Mit dem Ende der Midterms beginnt der Vorlauf für die Präsidentenwahl 2028 - auch vor diesem Hintergrund waren die Äußerungen von Vance, DeSantis und Cruz brisant. Ihnen werden Ambitionen nachgesagt, in zwei Jahren nach der Präsidentschaft zu greifen. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die Republikaner weiter so eisern wie bisher zu ihrem Präsidenten halten werden. 

Der 80-Jährige selbst schien nach der Niederlage weniger an der Ursachenforschung interessiert. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sprach Trump vor allem über seine Architekturprojekte in Washington, darunter den seiner Meinung nach „schönsten Ballsaal in der ganzen Welt“. 

Demokraten erobern republikanische Hochburgen

Trumps Republikaner verloren bei den Midterms die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses sowie etliche Gouverneursämter in den Bundesstaaten. Dass Wähler die Zwischenwahlen für eine Abrechnung mit der Politik des jeweiligen Präsidenten nutzen, ist üblich. Doch die Demokraten siegten haushoch und feierten auch wegweisende Erfolge in Bundesstaaten, in denen sie zuvor über Jahrzehnte nicht hatten gewinnen können.

In Kansas eroberte Adam Hamilton den ersten Senatssitz für die Demokraten seit 1932, in Texas wurde James Talarico zum ersten demokratischen US-Senator des Bundesstaats seit fast 40 Jahren gewählt. Durch den Sieg im hart umkämpften Michigan wird der linke Demokrat Abdul El-Sayed zum ersten muslimischen Senator in der US-Parlamentskammer.

Dass die Partei des Präsidenten bei den Midterms die Mehrheit in beiden Kammern verliert, ist ebenfalls äußerst selten: In den vergangenen 70 Jahren passierte das erst zum dritten Mal.

Genaues Ausmaß der Niederlage noch unklar

Stand jetzt kommt die Fraktion der Demokraten auf 54 von 100 Sitzen im Senat, ein Plus von sieben. Mit Alaska und Mississippi könnten die Demokraten noch zwei weitere Sitze erobern - dort dauert die Auszählung an.

Auch im Repräsentantenhaus liegen viele Ergebnisse noch nicht vor, doch eine klare Mehrheit der Demokraten ist bereits sicher. Über 240 Sitze werden an sie gehen - für eine Mehrheit bräuchten sie nur 218.

Der Verlust der Kongress-Mehrheiten wird Trump das Regieren in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit erschweren. Die Demokraten werden ab Januar bei der Gesetzgebung den Ton angeben. Vom Senat müssen zudem Kandidaten für wichtige Regierungsposten und Richter bestätigt werden.

Zudem können Demokraten dank ihres Erfolgs im Kongress Untersuchungen gegen den Präsidenten und dessen Regierung einleiten. „Nehmt euch Anwälte“, warnte der demokratische Abgeordnete Robert Garcia auf X.

Trumps Wahlniederlage im Vergleich

Die Partei der Demokraten hat bei den Parlamentswahlen beide Kammern gewonnen - und den Republikanern eine bittere Niederlage beschert. Auch wenn der Präsident nicht auf dem Wahlzettel stand, gelten die sogenannten Midterms als Abstimmung über dessen Politik. Ein Blick in die Geschichte verrät, warum das Ergebnis als historisch schlecht für die Präsidentenpartei bezeichnet werden kann.

Sitzverluste für die regierende Partei sind grundsätzlich keine Seltenheit. Im Gegenteil: Gewinne im Repräsentantenhaus machten nur zwei US-Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Partei von Trump hat bei den Parlamentswahlen nun beide Kammern an die Demokraten verloren. Das ist historisch, weil es einen solchen Wechsel in den vergangen 70 Jahren nur zweimal gab - zuletzt vor 20 Jahren. 2006 verlor George W. Bush beide Kammern, vor dem Hintergrund des Krieges im Irak und der Kritik an der Reaktion der Regierung auf den Hurrikan Katrina. Seine Republikaner verloren das Repräsentantenhaus und den Senat - ebenso die Demokraten unter Clinton 1994. Seit dem Zweiten Weltkrieg wechselten die Mehrheiten in beiden Kammern bei Zwischenwahlen erst dreimal zugleich.

Die Republikaner haben nun mindestens 25 Sitze im Repräsentantenhaus verloren. Noch sind nicht alle Sitze ausgezählt. Wenn es dabei bliebe, lägen sie damit aber weitestgehend im Schnitt: Zwischen 1934 und 2022 verlor die Partei des amtierenden Präsidenten bei den Zwischenwahlen im Schnitt knapp 26 Sitze. 

An die Demokraten unter Barack Obama und deren Verlustrekord der jüngeren US-Geschichte in der Kammer reichen sie voraussichtlich nicht ran: 2010 verlor seine Partei 63 Sitze und damit die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Gewählt wurde Obama danach trotzdem noch einmal. Die Ausgangslage ist bei Trump anders: Laut US-Verfassung darf Trump nicht noch einmal kandidieren und gilt darum politisch als „lame duck“ (lahme Ente).

Ebenfalls historisch sind einzelne Siege der Demokraten: von der ersten schwarzen Frau an der Spitze eines US-Bundesstaates über die erste indigene Frau im Senat bis zu demokratischen Wahlsiegen in republikanischen Bastionen, die seit Jahrzehnten als uneinnehmbar galten.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen