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Proteste in London: Kritik an rechter Großkundgebung am Nakba-Tag
Während des Nakba-Jahrestags in London marschieren neben Friedensaktivisten auch Zehntausende rechtsextreme Gegendemonstranten auf den Straßen. Justizminister Lammy wirft den rechten Organisatoren vor, Hass und Spaltung zu verbreiten.
Proteste in London: Kritik an rechter Großkundgebung am Nakba-Tag
Proteste in London: Kritik an rechter Großkundgebung am Nakba-Tag / Foto:AA

Zehntausende sind am Samstag bei gegensätzlichen Großdemos durch die britische Hauptstadt gezogen. Schätzungen zufolge schlossen sich mehr als 60.000 Menschen einer umstrittenen Kundgebung des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson an, wie der britische Nachrichtensender Sky News unter Berufung auf die Metropolitan Police berichtete. Bei einer pro-palästinensischen Demo zum Nakba-Tag gingen demnach etwa 20.000 Menschen auf die Straße.

Neben den Demos pilgerten am Samstag zudem Zehntausende Fußballfans zum Finale des FA-Cups im Wembley-Stadion zwischen den Premier-League-Clubs FC Chelsea und Manchester City.

Beispielloser Polizeieinsatz

Bis zum frühen Abend verliefen die Kundgebungen weitgehend friedlich. Scotland Yard zufolge kam es insgesamt zu 31 Festnahmen.

Die Londoner Polizei hatte sich mit einem als beispiellos bezeichneten Großeinsatz auf die Herausforderungen eingestellt, der bis zu 4,5 Millionen Pfund (etwa 5,16 Millionen Euro) kosten soll. Demnach waren 4.000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Zudem wurden Pferde, Hunde, Drohnen und Hubschrauber aufgeboten, um Ausschreitungen und Zusammenstöße zu verhindern. Erstmals kamen auch Kameras mit Gesichtserkennung zum Einsatz.

Justizminister warnte vor Gewalt bei rechter Demo

Eine erste Auflage des „Unite the Kingdom“-Marschs, der in diesem Jahr vom Londoner West End zum Platz vor dem Parlament führt, hatte im vergangenen September mehr als 100.000 Menschen angezogen. Dabei war es zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Gut zwei Dutzend Beamte wurden verletzt.

Justizminister David Lammy warf den Organisatoren der „Unite the Kingdom“-Demo in einem Post auf dem Kurznachrichtendienst X vor, Hass und Spaltung zu verbreiten. Sollte es zu Gewalt kommen, werde man rasch handeln. An den Gerichten stünden dafür zusätzliche Kapazitäten bereit, schrieb er kurz vor Beginn der Kundgebung.

Tommy Robinson stammt aus der Hooligan-Szene. Er schafft es inzwischen aber auch, Menschen aus verschiedenen Schichten und Altersgruppen anzusprechen. Unter den Teilnehmern der rechten Demo fanden sich teils auch ältere Menschen, Frauen und Familien. Auf Plakaten und Bannern waren Sprüche zu lesen wie: „Stop the Boats“ – gemeint sind damit die Schlauchboote, mit denen jedes Jahr Zehntausende Schutzsuchende den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien überqueren.

Die rechte Kundgebung fiel in diesem Jahr mit einer pro-palästinensischen Demonstration zum Nakba-Tag zusammen. Er erinnert an die Massaker an Palästinensern und deren gewaltsame Zwangsvertreibung aus ihrer Heimat im Zuge der Staatsgründung Israels im Jahr 1948. Die Teilnehmer der Demo hatten sich im Stadtteil Kensington versammelt und zogen Richtung Zentrum. Viele nutzten die Gelegenheit, um mit Slogans wie „Smash the Far Right“ (deutsch: „Zerschlagt die extreme Rechte“) gegen Rassismus zu protestieren.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen