Die Dokumentation „NAZA“ über Israels Vernichtungskrieg im Gazastreifen ist bei den 83. Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit 25 Minuten Standing Ovations geehrt worden. Der von der britischen Zeitung „The Guardian“ produzierte Film stammt von den Oscar-prämierten Regisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor.
In der Dokumentation berichten israelische Armeeangehörige über ihre Beteiligung an der Überwachung von Palästinensern in der Enklave und an Tötungen aus der Distanz. „NAZA“ konkurriert im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen.
Nach der Premiere würdigte das Publikum das anwesende Regie- und Produktionsteam mit einem langen Applaus. Langjährige Beobachter des Festivals bezeichneten den 25-minütigen Beifall als Rekord.
Italienischen Medien zufolge übertraf „NAZA“ damit den bisherigen Rekord von „The Voice of Hind Rajab“. Der Film war bei seiner Weltpremiere im vergangenen Jahr in Venedig 24 Minuten lang mit stehendem Applaus gewürdigt worden.
„NAZA“ ist der einzige Dokumentarfilm im diesjährigen Wettbewerb. Der Titel bezeichnet eine Abkürzung, die von der israelischen Armee für Zivilisten verwendet wird, deren Tod bei einem Angriff einkalkuliert wird.
Israels verdeckte Methoden in Gaza
Zum Schutz der Beteiligten setzte das Filmteam unterschiedliche Interviewmethoden ein. Einige Gespräche wurden nachts auf Hausdächern in Tel Aviv geführt. Bei anderen Aufnahmen wurden Stimmen und Gesichter der Interviewpartner verfremdet.
Die Beteiligten berichten über ein „geheimes System“ und verdeckte Methoden, die Israels Armee im Gazastreifen einsetzt. Zu Wort kommen auch Armeeangehörige, die nach eigenen Angaben unmittelbar miterlebt haben, wie von Palästinensern als Zufluchtsorte genutzte Wohngebiete gezielt niedergebrannt und Menschen während der Verteilung von Lebensmitteln getötet wurden.
Einige der Gesprächspartner sollen einer geheimen Nachrichtendienst-Einheit angehört haben, die direkt dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstellt gewesen sei.
Abraham kritisiert Deutschland und Italien
Vor der Vorführung von „NAZA“ betonte Regisseur Yuval Abraham, dass es sehr wichtig sei, die Vertriebsrechte für den Film in Italien zu besitzen. Zugleich kritisierte er, Italien gehöre gemeinsam mit Deutschland zu den wenigen europäischen Staaten, die Sanktionen gegen Israel und eine Aussetzung des Handelsabkommens zwischen der EU und Israel verhinderten.
Die „Mauer der Verleugnung“ sei in Israel besonders stark und nur schwer zu durchbrechen, erklärte Abraham weiter. Die Dokumentation befasse sich nicht mit den bevorstehenden Wahlen in Israel, sondern mit den getöteten Palästinensern, betonte der Künstler.























