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Keine Flagge und Hymne für Russlands Turner bei WM und EM
Der Turn-Weltverband hat im Mai alle Sanktionen gegen Russland und Belarus aufgehoben. Bei der Gymnastik-WM in Deutschland und der EM in Kroatien wird die Regelung aber außer Kraft gesetzt.
Keine Flagge und Hymne für Russlands Turner bei WM und EM
Foto: Pedro Pardo/AFP (Archiv)

Keine Hymne und keine Flagge: Trotz der Aufhebung aller Beschränkungen durch den Turn-Weltverband (FIG) dürfen die Athletinnen aus Russland und Belarus bei der WM in der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main nur unter neutralem Status starten. Das haben der Deutsche Turner-Bund, der Deutsche Olympische Sportbund und der Weltverband gemeinsam mit der Bundesregierung vereinbart. Für die Europameisterschaften der Turnerinnen und Turner in Kroatien gilt das Gleiche.

Im Klartext bedeutet das: Sollten Teilnehmerinnen aus den beiden Ländern bei den am Mittwoch beginnenden Gymnastik-Titelkämpfen eine Medaille gewinnen, wird bei der Siegerehrung die Flagge des Weltverbandes statt der Nationalfahne gehisst. Im Falle eines Sieges von russischen oder belarussischen Gymnastinnen ertönt bei der Medaillenzeremonie statt der jeweiligen Nationalhymne nur neutrale Musik.

Die getroffene Regelung dürfte ganz im Sinne von DTB-Präsident Alfons Hölzl sein. Der 58-Jährige hatte im Juli am Rande der deutschen Meisterschaften in Hannover erklärt, aus seiner Sicht sei es „verständlich, dass man die WM nicht als Propagandaraum für Putin oder Russland zulassen möchte“. Zugleich hatte er sich für eine Teilnahme der betreffenden Athletinnen ausgesprochen, aber „ohne jegliche Show, ohne ihnen eine Bühne zu bieten“. 

Teamchefin: Persönliche Gefühle zurückstellen

Die FIG hatte im Mai sämtliche wegen des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen gegen Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus restlos aufgehoben. Daraufhin waren beide Teams bei der EM in Bulgarien erstmals wieder bei einer internationalen Meisterschaft unter der Flagge ihres Heimatlandes angetreten. Beim EM-Sieg von Sofja Ilterjakowa mit dem Reifen ertönte auch die russische Hymne. 

Die uneingeschränkte Rückkehr der Russinnen auf die internationale Turn-Bühne hat auch sportliche Auswirkungen. „Natürlich kommt da starke Konkurrenz zurück. Aber sie sind nicht mehr so dominant wie vor dem Krieg und dem Startverbot“, sagte Deutschlands Teamchefin Isabell Sawade der Deutschen Presse-Agentur. Sportpolitisch sei das natürlich „ein heikles Thema. Aber wir müssen die Entscheidungen der Verbände akzeptieren und stellen unsere persönlichen Gefühle zurück.“

Situation bei den Turn-Europameisterschaften

Auch für die EM der Turnerinnen und Turner im EU-Land Kroatien gilt: russische und belarussische Nationalsymbole sind tabu. Die dortige Regierung habe beschlossen, dass „alle Maßnahmen zum Verbot der Verwendung russischer und belarussischer Nationalflaggen, -hymnen, -symbole und -kennzeichen während dieser Europameisterschaften anzuwenden“ sind, teilte der zuständige Kontinentalverband European Gymnastics mit. Die EM findet vom 13. bis 16. August (Frauen) und 19. bis 23. August (Männer) in Zagreb statt.

Sollte also Russlands Star-Turnerin Angelina Melnikowa in Zagreb wie bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Jakarta wieder den Mehrkampf gewinnen, würde eine neutrale Flagge gehisst und keine Hymne gespielt. Damit beugt sich der europäische Turnverband der Entscheidung des Gastgeberlandes. Der Verband selbst hatte wie die FIG im Mai alle Beschränkungen aufgehoben.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen