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Nachfahren von Genozid-Opfern aus Namibia fordern von Deutschland volle Verantwortung
Reparationen, Mitsprache und Rückgabe von Gebeinen: Mehr als 120 Jahre nach dem Völkermord an den Ovaherero und Nama fordern Vertreter der Volksgruppen aus Namibia eine echte Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen.
Nachfahren von Genozid-Opfern aus Namibia fordern von Deutschland volle Verantwortung
Berlin, 29.08.2018 / Foto: Abdülhamid Hoşbaş/AA

Hochrangige Vertreter der Volksgruppen Ovaherero und Nama aus Namibia haben die deutsche Bundesregierung dazu aufgerufen, die volle Verantwortung für den an ihren Vorfahren begangenen Völkermord zu übernehmen. „Entwicklungshilfe kann umfassende, echte Reparationen nicht ersetzen“, sagte Mutjinde Katjiua von der Ovaherero Traditional Authority am Mittwoch in Berlin. Gaob David Timotheus Fredericks von der Nama Traditional Leaders Association betonte, als direkte Nachkommen der Opfer des Genozids müssten Ovaherero und Nama endlich direkt am Versöhnungsprozess zur Aufarbeitung der Kolonialverbrechen beteiligt sein. „Wir wollen nicht, dass über uns gesprochen wird. Wir wollen, dass man mit uns spricht“, sagte er.

Am Abend sollte der Bundestag in Berlin über zwei Oppositionsanträge zur vollständigen Anerkennung der Völkermorde an den Ovaherero und Nama beraten, die von den Fraktionen Linke und Grüne eingereicht worden waren. Auf Einladung der Linken-Fraktion sollten jeweils zwei Vertreter der Ovaherero und Nama der Plenardebatte beiwohnen.

Bislang keine Beteiligung der Volksgruppen am Versöhnungsprozess

Eine tatsächliche Aufarbeitung der vor über 120 Jahren vom damaligen deutschen Kaiserreich begangenen Kolonialverbrechen, die diesen Namen verdient, stehe nach wie vor aus, betonte Katjiua. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wurden zwischen 1904 und 1908 rund 80 Prozent der Ovaherero und 50 Prozent der Nama ausgelöscht. Insgesamt entsprach dies rund 100.000 Opfern. Überlebende wurden in Konzentrationslagern festgehalten, Land und Besitz enteignet.

Die Bundesregierung erkannte die Gräueltaten 2021 als Völkermord an. Zugleich sagte Deutschland ein Programm zur Unterstützung der Nachfahren in Höhe von 1,1 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren zu. Rechtliche Ansprüche auf Entschädigung sollen sich daraus aber nicht ableiten lassen. Das namibische Parlament hat das Abkommen wegen unterschiedlicher Auffassungen bisher nicht unterzeichnet.

Für die Nachfahren der damals Ermordeten seien die Auswirkungen jedoch bis heute zu spüren, betonte Fredericks. Seit Jahrzehnten fordern demnach Ovaherero- und Nama-Vertreter finanzielle Reparationen, die Rückgabe geraubter menschlicher Gebeine und Kulturgüter sowie eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung.

Namibia begeht seit 2025 jährlich am 28. Mai einen nationalen Gedenktag für die Opfer des Genozids durch die deutsche Kolonialmacht.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen