Meinung
TÜRKİYE
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25 Jahre AK Partei: Ein Vierteljahrhundert, das Türkiye verändert hat
Recep Tayyip Erdoğan und die AK Partei haben Türkiye tiefgreifend verändert und zu einer Regionalmacht mit wachsendem diplomatischem Gewicht gemacht. Heute wird Ankaras Stimme bei internationalen Krisen und der Suche nach Lösungen gehört.
25 Jahre AK Partei: Ein Vierteljahrhundert, das Türkiye verändert hat
25 Jahre AK Partei: Ein Vierteljahrhundert, das Türkiye verändert hat / Foto: AA

Als die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AK Partei) am 14. August 2001 gegründet wurde, befand sich Türkiye in einer schwierigen politischen und wirtschaftlichen Phase. Die Folgen der Wirtschaftskrise waren deutlich zu spüren. Gleichzeitig prägten Auseinandersetzungen über Demokratie, Religionsfreiheit und das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft die politische Tagesordnung.

Auch strukturell hatte das Land erheblichen Nachholbedarf. Das Gesundheitswesen, die Verkehrsinfrastruktur, die technologische Basis und die internationale Wettbewerbsfähigkeit standen vor großen Herausforderungen. In dieser Atmosphäre entstand die AK Partei mit dem Anspruch auf Veränderung. Recep Tayyip Erdoğans damaliger Satz, in Türkiye werde von nun an nichts mehr so sein wie zuvor, brachte diesen Anspruch auf den Punkt.

25 Jahre später ist der Abstand zum Türkiye des Jahres 2001 erheblich. Das Land hat sich gesellschaftlich gewandelt, seine Infrastruktur ausgebaut, neue industrielle und technologische Fähigkeiten entwickelt und zugleich seinen außenpolitischen Aktionsradius vergrößert. Wer die 25 Jahre der AK Partei bewerten will, muss deshalb auch diese langfristige Transformation betrachten.

Eine Partei mit außergewöhnlicher gesellschaftlicher Reichweite

Ein wesentlicher Faktor für die politische Beständigkeit der AK Partei ist ihre breite gesellschaftliche Basis. Mit mehr als 11,5 Millionen Mitgliedern erreicht sie Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, Regionen und politischen Traditionen.

Diese Breite erklärt auch, weshalb klassische politische Etiketten allein wenig ausreichen, um die AK Partei zu beschreiben. Ihre Entwicklung ist eng mit den spezifischen gesellschaftlichen und historischen Bedingungen Türkiyes verbunden.

Hinzu kommt eine Organisationsstruktur, die über Jahrzehnte bis in Städte, Landkreise und Gemeinden hinein aufgebaut wurde. In fast 25 Jahren brachte die Partei Tausende Abgeordnete und Zehntausende Funktionäre hervor. Dadurch entstand ein direkter politischer Kommunikationskanal zwischen Parteiorganisation und gesellschaftlicher Basis.

Der Wahlzettel und die Entscheidung der Bürger bilden dabei einen zentralen Bezugspunkt des politischen Selbstverständnisses der AK Partei. Erdoğan hat während seiner gesamten politischen Karriere immer wieder auf diese Form demokratischer Legitimation gesetzt.

Gesellschaftlicher Wandel, der im Alltag ankam

Die politische Landschaft der 1990er-Jahre war von Konflikten geprägt, die jüngeren Generationen heute teilweise weit entfernt erscheinen. Frauen mit Kopftuch hatten Schwierigkeiten beim Zugang zu Universitäten und zum öffentlichen Dienst. Religiös-konservative Teile der Gesellschaft fühlten sich in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgegrenzt.

Viele dieser Fragen verloren während der AK-Partei-Ära ihren früheren gesellschaftlichen Konfliktcharakter. Die Möglichkeit, unabhängig von religiöser Überzeugung und Lebensweise an Bildung und öffentlichem Leben teilzunehmen, hat das Verhältnis vieler Bürger zum Staat verändert.

Parallel dazu vollzog sich eine sichtbare Modernisierung öffentlicher Dienstleistungen. Das Gesundheitssystem wurde ausgebaut, große Krankenhauskomplexe entstanden und digitale Angebote wie e-Nabız wurden Teil der Gesundheitsversorgung. Stadtkrankenhäuser gehören heute zum festen Bestandteil der staatlichen Gesundheitsinfrastruktur.

Auch das Verkehrsnetz wurde umfassend erweitert. Autobahnen, Brücken, Tunnel, Flughäfen und Eisenbahnstrecken haben die Verbindungen zwischen den Regionen des Landes verändert. Besonders sichtbar ist die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Türkiye verfügt heute über 2.251 Kilometer Hochgeschwindigkeits- und Schnellbahnstrecken. Seit der Eröffnung der ersten Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Ankara und Eskişehir im Jahr 2009 haben rund 110 Millionen Passagiere diese Züge genutzt.

Solche Zahlen zeigen, wie sehr sich der physische und soziale Alltag des Landes innerhalb einer Generation verändert hat.

Die Verteidigungsindustrie steht für einen größeren Wandel

Kaum ein Bereich veranschaulicht den technologischen Wandel so deutlich wie die Verteidigungsindustrie.

2002 exportierte Türkiye Verteidigungs- und Luftfahrtprodukte im Wert von 248 Millionen US-Dollar. 2025 lag dieser Wert bei mehr als zehn Milliarden Dollar. Das entspricht innerhalb dieses Zeitraums einer Steigerung um das Vierzigfache.

Auch die industrielle Basis hat sich verändert. Während 2002 lediglich 62 Verteidigungsprojekte liefen, sind es inzwischen mehr als 1.400. Das Gesamtvolumen der Projekte, einschließlich laufender Ausschreibungen, liegt nach Angaben der türkischen Verteidigungsindustrie bei über 100 Milliarden Dollar.

Drohnen, unbemannte Kampfsysteme, Kriegsschiffe, Raketen, elektronische Systeme sowie Projekte wie KAAN, HÜRJET, KIZILELMA, ALTAY und MİLGEM stehen heute für eine technologische Kapazität, die Türkiye vor 25 Jahren in dieser Form kaum besaß.

2025 waren mit ASELSAN, TUSAŞ, ROKETSAN, ASFAT und MKE gleich fünf türkische Unternehmen unter den weltweit größten Verteidigungsunternehmen vertreten.

Die politische Bedeutung dieser Entwicklung reicht über Exportzahlen hinaus. Eigene technologische Fähigkeiten erhöhen den strategischen Handlungsspielraum eines Landes. Genau deshalb ist die Verteidigungsindustrie zu einem zentralen Element des neuen außenpolitischen Selbstverständnisses Türkiyes geworden.

Erdoğans Diplomatie und das neue Gewicht Ankaras

Eine der folgenreichsten Veränderungen der vergangenen 25 Jahre zeigt sich in der Außenpolitik.

Türkiye ist NATO-Mitglied, EU-Beitrittskandidat, Schwarzmeeranrainer und zugleich eng mit dem Balkan, dem Kaukasus, Zentralasien und dem Nahen Osten verbunden. Unter Erdoğan hat Ankara diese besondere geografische Lage zunehmend in diplomatischen Einfluss übersetzt.

Beim Russland-Ukraine-Krieg, im Schwarzen Meer, im Südkaukasus, in Syrien und im Nahen Osten gehört Türkiye heute zu den Staaten, deren Position aufmerksam verfolgt wird. Ankara verfügt über Gesprächskanäle zu sehr unterschiedlichen Akteuren und hat wiederholt versucht, diese Kontakte diplomatisch zu nutzen.

Gerade der Russland-Ukraine-Krieg hat gezeigt, welche Möglichkeiten daraus entstehen können. Türkiye konnte mit Moskau und Kiew im Gespräch bleiben und gleichzeitig seine Verpflichtungen innerhalb der NATO fortführen. Ankara wurde zum Schauplatz diplomatischer Kontakte und engagierte sich bei Vermittlungsbemühungen.

Diese Fähigkeit, mit unterschiedlichen Seiten sprechen zu können, hat den außenpolitischen Wert Türkiyes erhöht.

Auch darüber hinaus ist der diplomatische Radius größer geworden. Afrika, der Balkan, der Südkaukasus, Zentralasien und der Golf spielen heute eine wesentlich sichtbarere Rolle in der türkischen Außenpolitik. Türkiye versteht sich zunehmend als eigenständiger politischer Akteur, der in seiner erweiterten Nachbarschaft Verantwortung übernehmen und eigene Initiativen entwickeln kann.

Damit ist das Land zu einer Regionalmacht geworden, deren Einfluss bei vielen Fragen inzwischen weit über die eigenen Grenzen hinausreicht.

Entwicklung schafft außenpolitischen Handlungsspielraum

Diplomatisches Gewicht entsteht jedoch nicht allein am Verhandlungstisch. Dahinter müssen wirtschaftliche, industrielle, technologische und infrastrukturelle Kapazitäten stehen.

Hier treffen viele Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre zusammen. Neue Verkehrswege verbessern die wirtschaftliche Vernetzung. Eine stärkere industrielle Basis erweitert die Exportmöglichkeiten. Investitionen in Technologie erhöhen die strategische Eigenständigkeit. Die Verteidigungsindustrie wiederum schafft Fähigkeiten, die unmittelbar auf die sicherheits- und außenpolitische Position des Landes wirken.

Türkiye musste in dieser Zeit auch erhebliche Herausforderungen bewältigen. Dazu zählen gesellschaftliche und teilweise undemokratische Protest- und Konfliktsituationen, der gescheiterte Putschversuch vom 15. Juli 2016, die Pandemie, Kriege und bewaffnete Konflikte in mehreren Nachbarstaaten sowie deren unmittelbare Auswirkungen auf Türkiye. Hinzu kamen große Flucht- und Migrationsbewegungen infolge der regionalen Konflikte, sicherheitspolitische Herausforderungen und schließlich die verheerenden Erdbeben vom Februar 2023. All diese Ereignisse haben die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Landes in dieser Epoche maßgeblich geprägt.

Entscheidend für eine historische Betrachtung ist deshalb der Vergleich mit dem Ausgangspunkt. Wie sah Türkiye 2001 aus und welche Möglichkeiten besitzt das Land 2026?

In vielen Bereichen fällt der Unterschied deutlich aus.

25 Jahre, die Spuren hinterlassen haben

Das 25-jährige Bestehen der AK Partei ist deshalb mehr als ein Parteijubiläum. Es markiert einen Zeitraum, der nahezu eine ganze Generation umfasst.

In dieser Zeit veränderte sich das Verhältnis zwischen Staat und großen Teilen der Gesellschaft. Die Infrastruktur wurde umfassend ausgebaut. Das Gesundheitswesen erhielt neue Kapazitäten. Türkiye investierte stärker in Industrie, Technologie und Verteidigung. Gleichzeitig wuchs der außenpolitische Anspruch des Landes.

Auch die politische Beständigkeit der AK Partei ist bemerkenswert. Fast ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung steht sie weiterhin im Zentrum der türkischen Politik. Eine derart lange politische Präsenz setzt eine dauerhafte Verbindung zu erheblichen Teilen der Gesellschaft voraus.

Recep Tayyip Erdoğan steht seit ihrer Gründung im Zentrum der Geschichte der AK Partei. Als Gründer und langjähriger Vorsitzender hat er ihre politische Ausrichtung maßgeblich bestimmt. Seine Vorstellung von gesellschaftlicher Legitimation, Entwicklung und einem international selbstbewussteren Türkiye prägte dabei nicht nur die Partei, sondern über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg auch die politische Entwicklung und den Kurs des Landes entscheidend.

Am 14. August 2026 blickt die AK Partei auf 25 Jahre zurück. Die politische Bewertung dieser Epoche wird auch künftig Gegenstand intensiver Debatten bleiben. Ihre historische Bedeutung lässt sich jedoch bereits heute erkennen.

Türkiye verfügt heute über größere infrastrukturelle, industrielle und technologische Kapazitäten und tritt international mit einem deutlich stärkeren politischen Selbstbewusstsein auf. Besonders sichtbar wird dieser Wandel in der Diplomatie. Ankara sitzt bei zahlreichen regionalen Krisen mit am Tisch, wird als Gesprächspartner gesucht und übernimmt immer wieder eine Vermittlerrolle.

Türkiye hat in 25 Jahren seinen Platz auf der regionalen und internationalen Bühne neu definiert. Darin liegt ein wesentlicher Teil des politischen Vermächtnisses der AK Partei und Recep Tayyip Erdoğans.