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Vorsitzender der Türkischen Gemeinde: Dobrindt sucht „Sündenböcke“
Die TGD wirft dem Innenminister vor, die Demonstrationen zu stigmatisieren. Dessen Äußerungen zu den Ausschreitungen nach den Gen-Z-Protesten seien pauschal und lenkten von den Problemen junger Menschen ab.
Vorsitzender der Türkischen Gemeinde: Dobrindt sucht „Sündenböcke“
Berlin, 31.10.2026 / Foto: Halil Sağırkaya/AA

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoğlu, kritisiert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für dessen umstrittene Äußerungen zu den Ausschreitungen nach den „Gen Z regelt“-Protesten am Wochenende. „Herr Dobrindt und die Union finden immer wieder irgendwelche Sündenböcke, um Demonstrationen zu stigmatisieren“, sagte Sofuoğlu dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ am Dienstag. Dobrindt hatte am Sonntag unter anderem von „Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ gesprochen, die an den Ausschreitungen beteiligt gewesen seien. 

Sofuoğlu sagte, junge Menschen seien unabhängig von ihrer Herkunft unzufrieden mit der Politik. „Aber migrantische junge Menschen sind noch stärker betroffen, weil sie ausgegrenzt werden oder sich ausgegrenzt fühlen“, fügte der Vorsitzende der TGD hinzu. 65 Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit Türkiye hätten migrantische Jugendliche immer noch keine gleichen Chancen. Sie würden auf dem Schulhof oder auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert.

Sofuoğlu rät zur Sachlichkeit

„Nun werden sie erneut nicht ernst genommen“, kritisierte Sofuoğlu und ergänzte: „Mein Rat wäre, sachlich zu bleiben und die Jugendlichen mehr einzubeziehen.“

„Gen Z regelt“ hatte für Samstag zu Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Die Initiative beklagt unter anderem Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten sowie steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen Militarisierung aus. Überschattet wurden die Demonstrationen von anschließenden Ausschreitungen insbesondere in Frankfurt am Main. Mehr als 100 Polizistinnen und Polizisten wurden laut dem hessischen Innenminister Roman Poseck (CDU) verletzt, Geschäfte in der Innenstadt geplündert. Gewaltsame Zwischenfälle wurden auch aus Hamburg und Köln gemeldet.

Dobrindt sorgte mit seiner Formulierung, wonach „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ für die Gewalt in der Nacht zu Sonntag verantwortlich seien, für heftige Diskussionen. Kritiker monierten eine pauschale und diffamierende Schuldzuweisung an Menschen mit ausländischen Wurzeln. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen widersprachen Dobrindts Aussagen.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen