Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant laut Medienberichten den Ausstieg aus dem größten Rüstungsprojekt in der Geschichte der Marine. Das von zahlreichen Problemen begleitete Projekt zum Bau von F126-Fregatten solle nicht weiter fortgesetzt werden, berichtete der „Spiegel“ am Dienstagabend. Auch das „Handelsblatt“ bestätigte den Bericht mit Verweis auf eine Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium.
Pistorius wolle stattdessen insgesamt acht Fregatten des Typs Meko-200 vom deutschen Hersteller TKMS kaufen. Ursprünglich waren die Meko-200 nur als Übergangslösung vorgesehen. Nun sollen sie offenbar die deutlich größeren F126-Fregatten ersetzen.
Die neuen Fregatten der Klasse F126 sollten mit einer Länge von 166 Metern laut früheren Bundeswehr-Angaben künftig „die größten Kampfschiffe“ der Marine werden. Sie sind auf die U-Boot-Jagd spezialisiert. Die Bundeswehr hatte der NATO vier solcher Schiffe zugesagt, die ab 2028 in Dienst gestellt werden sollten, wie das „Handelsblatt“ berichtete.
F126-Projekt gerät immer weiter in Verzug
Das Projekt geriet jedoch immer stärker in Verzug. Die beauftragte niederländische Werft Damen Naval konnte den Zeitplan nicht einhalten. Laut dem letzten Planungsstand vom Mai vergangenen Jahres hätte die erste Fregatte frühestens 2032 in See stechen sollen.
Das Verteidigungsministerium habe Damen deshalb im November 2025 den Auftrag entzogen, nachdem bereits etwa zwei Milliarden Euro in das Projekt geflossen seien, berichtete das „Handelsblatt“. Pistorius habe zunächst auf eine zweigleisige Lösung gesetzt: „Die von Rheinmetall übernommene deutsche Werftengruppe Naval Vessels Lürssen (NVL) sollte prüfen, zu welchen Kosten und in welchem Zeitrahmen sie die F-126 als neuer Auftragnehmer bauen könnte.“
Zudem habe das Verteidigungsministerium beim Werftenkonzern TKMS laut Bericht vier Fregatten des Typs Meko-200 geordert. Diese Schiffe können auf Basis einer Exportversion schneller gebaut werden, erfüllen aber nicht alle Anforderungen, die ursprünglich an die F126 gestellt worden waren.
Kostenfrage treibt Kurswechsel
Die Haushälter des Bundestags hätten bereits mehr als 250 Millionen Euro für die Meko-200 freigegeben, damit TKMS Material einkaufen und mit den Bauvorbereitungen beginnen kann, heißt es im „Handelsblatt“-Bericht. Zugleich habe es aus Kostengründen Kritik daran gegeben, dass Pistorius weiter an der F126 festgehalten und parallel eine Brückenlösung beauftragt habe.
Nun vollzieht Pistorius offenbar die Kehrtwende. Statt vier Meko-200 sollen acht Schiffe dieses Typs beschafft werden. Dabei dürften auch Kostenfragen eine zentrale Rolle spielen. Laut „Spiegel“ würde ein neuer Bauvertrag für die F126 mit der Rheinmetall-Tochter NVL mehr als 15 Milliarden Euro kosten – zuzüglich 1,4 Milliarden Euro für weitere Leistungen. Die acht Meko-200 sollen demnach knapp zwölf Milliarden Euro für den Bauvertrag mit TKMS sowie rund 700 Millionen Euro für weitere Leistungen kosten.
Der geplante Modellwechsel wird dem Bericht zufolge auch von der Führung der Marine mitgetragen.























