POLITIK
2 Min. Lesezeit
Ex-AfD-Politiker verpasst reihenweise Bundestagssitzungen - und attackiert AfD
Der frühere AfD-Abgeordnete Sieghard Knodel fehlt so häufig im Bundestag wie kein anderer Parlamentarier. Sein Mandat will er dennoch behalten – als „Rache“ an seiner früheren Partei.
Ex-AfD-Politiker verpasst reihenweise Bundestagssitzungen - und attackiert AfD
Ex-AfD-Politiker verpasst reihenweise Bundestagssitzungen - und attackiert AfD / Foto: Kay Nietfeld/dpa

Niemand im Bundestag fehlt so oft wie der frühere AfD-Abgeordnete Sieghard Knodel: Von 68 namentlichen Abstimmungen habe der mittlerweile fraktionslose Parlamentarier in der laufenden Legislaturperiode 59 verpasst, berichtete der „Spiegel“ am Freitag. Der 65-jährige Landmaschinenmechaniker-Meister und Unternehmer von der Schwäbischen Alb war demnach an mehr als der Hälfte der Sitzungstage nicht anwesend. Gegenüber dem Magazin begründete Knodel sein häufiges Fernbleiben mit einem „physischen Burn-out“; zudem belasteten ihn die Langzeitfolgen eines Autounfalls vor vielen Jahren.

„Die AfD rutscht in die rechtsextreme Ecke, sie ist die Pest in der Politik“, sagte Knodel dem Magazin. „Ich schäme mich, bei der AfD gewesen zu sein.“ Der Abgeordnete hat dem Bericht zufolge keine eigene Website, kein Büro in seinem Heimatwahlkreis Reutlingen und absolviert kaum öffentliche Auftritte. Für sein Bundestagsmandat bekomme er monatlich fast 12.000 Euro samt einer steuerfreien Aufwandspauschale von rund 5500 Euro.

Als der Verfassungsschutz die AfD im Mai 2025 als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufte, trat Knodel laut Bericht nach vier Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus. Er spricht im „Spiegel“ von „Fehlern“, die er gemacht habe. „Einem wie Björn Höcke würde ich niemals die Hand geben“, der „Remigration-Quatsch“ sei gefährlich.

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete und Sprecher des Kreisverbands Reutlingen, Maximilian Gerner, forderte Knodel zur Rückgabe seines Mandats auf. „Was Knodel macht, ist Betrug am Wähler und am deutschen Steuerzahler“, sagte Gerner dem „Spiegel“.

Der baden-württembergischer Ko-Landesvorsitzender Emil Sänze räumte Schwächen bei der Kandidatenauswahl ein. Knodel habe als „seriöser Kandidat“ gegolten, sagte Sänze dem Magazin. „Allerdings funktioniert die Qualitätsprüfung in manchen Kreisverbänden besser und in anderen schlechter.“

QUELLE:DPA