Drei Tage vor der Parlamentswahl in Israel haben in Tel Aviv tausende Menschen gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu demonstriert. Die Menschen folgten am Samstag einem Aufruf der zivilgesellschaftlichen Organisation Oktober-Rat. Die Gruppe wirft der Netanjahu-Regierung vor, den Vergeltungsschlag der palästinensischen Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober nicht verhindert zu haben.
„Wer auch immer uns in den vergangenen vier Jahren regiert hat, hat einen furchtbaren Job gemacht", sagte eine Demonstrantin mit Blick auf den Amtsantritt der jetzigen Netanjahu-Regierung. „Israel hat sich noch nie in so einer Situation befunden wie jetzt."
Führende Oppositionspolitiker bei Kundgebung
Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, zogen Tausende Menschen vom zentralen Rabin-Platz zum sogenannten Platz der Geiseln vor dem Tel Aviver Kunstmuseum. Israelischen Medien zufolge nahmen die Spitzen der vier wichtigsten Oppositionsparteien an der Kundgebung teil, darunter der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett und Netanjahus Hauptrivale Gadi Eisenkot. Der Ex-General, der in der Öffentlichkeit hohes Ansehen genießt und seinen Sohn im Gazastreifen verlor, wurde von der Menge herzlich empfangen.
Im Vorfeld der Kundgebung hatten die Organisatoren die Sicherheitskräfte vor möglichen „Provokationen“ durch Regierungsanhänger gewarnt. Die israelische Polizei teilte am Samstagabend mit, dass sie in Tel Aviv einen Verdächtigen festgenommen habe, der das Sicherheitsteam einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens angegriffen haben soll. Laut israelischen Medienberichten handelte es sich bei der betroffenen Person um den Oppositionsführer Naftali Bennett.
Umfragen zeigen keine klare Mehrheit
Wenige Tage vor der Parlamentswahl ist deren Ausgang völlig offen. Meinungsforscher sehen derzeit keine Mehrheit für einen der politischen Blöcke in dem tief gespaltenen Land. Auch die jüngsten Umfragen deuten auf ein äußerst knappes Rennen zwischen Netanjahus Likud und der Opposition hin.
Laut einer vom öffentlich-rechtlichen Sender KAN veröffentlichten Befragung entfallen 52 der insgesamt 120 Parlamentssitze auf Eisenkots Mitte-Bündnis und 50 auf Netanjahus rechtsnationalen Block. Die übrigen Sitze entfielen demnach auf parteiunabhängige Gruppierungen, darunter auch arabische Parteien.
Netanjahu, der am längsten amtierende Ministerpräsident Israels, strebt eine weitere Amtszeit an. Der 77-Jährige war mit Unterbrechungen mehr als 19 Jahre lang im Amt.























