WIRTSCHAFT
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Umfrage: Deutsche Wirtschaft erstmals seit knapp einem Jahr im Rezessionsbereich
Im Zuge des Iran-Krieges ist die deutsche Wirtschaft laut einer Umfrage wieder in den Rezessionsbereich gerutscht. Ein Sektor ist besonders betroffen.
Umfrage: Deutsche Wirtschaft erstmals seit knapp einem Jahr im Rezessionsbereich
ARCHIV - 30.03.2022, Rheinland-Pfalz, Mainz: Container werden an einem Terminal des Mainzer Hafens bewegt. / DPA

Im Sog des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran ist die deutsche Wirtschaft einer Umfrage zufolge erstmals seit knapp einem Jahr wieder geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - sank im April auf 48,3 Punkte, nach 51,9 Zählern im März. Das teilte der Finanzdienstleister S&P Global am Donnerstag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mit. Damit sank das an den Finanzmärkten stark beachtete Barometer unter die Wachstumsschwelle von 50 und fiel auf ein 16-Monatstief. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 51,2 Punkte gerechnet. „Die Erholung der deutschen Wirtschaft wurde durch den Krieg im Nahen Osten abrupt gestoppt“, erklärte Phil Smith, Ökonom bei S&P Global Market Intelligence.

Die zehnmonatige Wachstumsphase endete im April, da die Geschäftstätigkeit vor dem Hintergrund erhöhter Unsicherheit und stark steigender Preise zurückging, wie der Experte erläuterte. Einen herben Rückschlag gab es bei den Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist, die ins Negative drehten. Die Beschäftigung nahm derweil aufgrund des mangelnden Kapazitätsdrucks fast genauso stark ab wie im Vormonat.

Die Industrie konnte sich allerdings im Wachstumssektor halten: Das Barometer sank jedoch um einen vollen Zähler auf 51,2 Punkte. Im Verarbeitenden Gewerbe stiegen Produktion und Aufträge zwar leicht, doch mehren sich nach Ansicht von Smith die Warnsignale, dass auch dieser Sektor bald wieder ins Minus rutschen könnte: Sowohl das Produktions- als auch das Umsatzwachstum haben sich demnach stark verlangsamt und der Ausblick für das kommende Jahr fällt bei den Herstellern inzwischen sogar pessimistisch aus.

Dienstleister besonders betroffen

Bei den Dienstleistern ging es kräftig bergab: Mit 46,9 Punkten liegt der Einkaufsmanagerindex nun tief in der Schrumpfzone, nachdem er im März mit 50,9 Zählern noch Wachstum angezeigt hatte. „Der Dienstleistungssektor war am stärksten betroffen und verzeichnete zu Beginn des zweiten Quartals 2026 den stärksten Geschäftsrückgang seit fast dreieinhalb Jahren“, sagte Ökonom Smith.

Mit Blick auf den Jahresanfang 2026 sprechen die verfügbaren Konjunkturdaten für Januar und Februar - also vor Ausbruch des Nahost-Krieges - laut den Bundesbank-Volkswirten insgesamt noch für eine leichte Expansion. Für das laufende zweite Quartal zeichnet sich demnach aus heutiger Sicht allenfalls ein weiteres, leichtes Wachstum ab. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht voraussichtlich am 30. April eine erste Schnellschätzung zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal. Ende 2025 war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen