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Albanese: Israels Überfall auf Gaza-Hilfsflotte „Apartheid ohne Grenzen“
Israels Marine hat erneut Dutzende Schiffe einer Gaza-Hilfsflotte in internationalen Gewässern geentert. UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese und mehrere Politiker sprechen von einem „völkerrechtswidrigen“ Überfall.
Albanese: Israels Überfall auf Gaza-Hilfsflotte „Apartheid ohne Grenzen“
UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese / Reuters

Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, hat den Überfall Israels auf die Gaza-Hilfsflotte am Donnerstag als „Apartheid ohne Grenzen“ kritisiert. „ALARM! Wie ist es überhaupt möglich, dass Israel Schiffe in internationalen Gewässern, direkt vor Griechenland/Europa, angreift und beschlagnahmt? Unabhängig davon, was man von Apartheid-Israel und seinen genozidalen Anführern hält: Das sollte in ganz Europa Schockwellen auslösen“, schrieb Albanese am Donnerstagmorgen auf der Plattform X.

Die israelische Marine hatte in der Nacht zu Donnerstag 21 Schiffe einer internationalen Gaza-Hilfsflotte im Mittelmeer geentert und Dutzende Friedensaktivisten verschleppt. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums befanden sich 175 Personen an Bord. Vertreter der Initiative „Global Sumud Flotilla“ sprachen von einem „gewaltsamen Einsatz in internationalen Gewässern“. Marinesoldaten hätten mehrere Boote geentert und „systematisch außer Gefecht gesetzt“.

Der Überfall erfolgte in der Nacht auf Donnerstag westlich der griechischen Insel Kreta, die rund 1.000 Kilometer Luftlinie von Israel entfernt liegt. Mit einem Angriff Israels wurde gerechnet, der Zeitpunkt und die Entfernung überraschten jedoch. Israelische Medien berichteten, die Flotte sei wegen ihrer Größe früh attackiert worden.

Kritik aus Europa

Der Vorfall stieß europaweit auf scharfe Kritik. Zahlreiche Politiker und Aktivisten warfen Israel Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis schrieb auf X: „Ich habe gerade mit Freunden, die auf der Global Sumud Flotilla sind, gesprochen. Israelische Schiffe und Drohnen bedrängen sie vor der Küste Kretas.“ Die griechische Regierung sei entweder mitschuldig oder unfähig, die eigenen Gewässer vor Israel zu schützen. Eine Reaktion aus Athen oder von israelischer Seite gab es zunächst nicht.

Der italienische Abgeordnete Arturo Scotto sagte, die Geschichte wiederhole sich – „dieses Mal in Europa“. Er stellte infrage, ob eine derartige „Gewalt und Missachtung des Völkerrechts“ hinnehmbar sei.

Die spanische Politikerin Ione Belarra bezeichnete den Überfall als „weiteres Kriegsverbrechen“, für das Israel „eines Tages zur Rechenschaft gezogen“ werde. Die Vorsitzende der Partei Podemos forderte die spanische Regierung sowie die Europäische Kommission auf, umgehend Schutz für die Friedensaktivisten zu gewährleisten.

Ein spanischer Aktivist an Bord der Flotte, Pablo Quesada Martin, forderte in einer Videobotschaft Unterstützung von griechischen Behörden. Zugleich warf er Israel Völkermord und ethnische Säuberungen vor.

Hilfsflotte will illegale Seeblockade Israels durchbrechen

Die Hilfsflotte war am Sonntag von Sizilien aus in See gestochen. An Bord waren Aktivisten aus zahlreichen Ländern, darunter nach Angaben der türkischen Delegation von Global Sumud Flotilla auch 20 türkische Staatsangehörige. Die Organisatoren sprachen von der bislang größten Mission dieser Art. Ziel sei es, den illegalen Belagerungsring um Gaza zu durchbrechen und humanitäre Hilfsgüter in den Küstenstreifen zu bringen.

Die „Global Sumud Flotilla“ war bereits bei ihrer Aktion im Herbst 2025 in internationalen Gewässern mehrfach angegriffen worden. Es kam unter anderem zu Drohnenangriffen, zu denen sich Israel aber nicht bekannte. Die mehr als 400 Aktivisten wurden später von israelischen Soldaten verschleppt und erst nach Tagen freigelassen. Sie berichteten von Misshandlungen während ihrer Gefangenschaft.

Seit dem Wahlsieg der Hamas in Gaza im Jahr 2007 riegelt Israel den Gazastreifen entgegen dem Völkerrecht vom Meer aus strikt ab. Die Absperrung der Zugänge nach und aus Gaza wird auch von Ägypten mitgetragen, das im Süden an den Küstenstreifen grenzt.

Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der palästinensischen Organisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Am 10. Oktober 2025 trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder gebrochen wird. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden während der Waffenruhe mindestens 818 Palästinenser getötet. 

Demnach tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 72.590 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 172.404 weitere. Die humanitäre Lage in dem Küstengebiet ist Hilfsorganisationen zufolge weiterhin äußerst prekär.

QUELLE:TRT Deutsch