Der am 28. Februar von Israel und den USA gegen den Iran gestartete völkerrechtswidrige Angriff und die iranischen Vergeltungsschläge dauern an. Während militärische und strategische Einrichtungen auf iranischem Boden massiv von den USA und Israel bombardiert werden, nimmt der Iran als Antwort israelische Städte mit Raketen ins Visier. Auch US-Stützpunkte und -Einrichtungen in den Golfstaaten werden von iranischen Raketen getroffen.
Dieses wechselseitige Vergeltungsgleichgewicht hat sich bislang noch nicht zugunsten einer der beiden Seiten verschoben. Entgegen den Erwartungen der USA und Israels hat sich der Iran bis heute nicht ergeben, und seine militärische Reaktionsfähigkeit ist nach wie vor intakt. Die USA und Israel hingegen tendieren dazu, ihre Angriffe durch die Verlegung zusätzlicher Verstärkungstruppen in die Region weiter zu eskalieren.
Sollte es nicht zu einem Waffenstillstand unter Vermittlung von Türkiye, Pakistans und Ägyptens kommen, zeichnet sich auch ein möglicher Bodenkrieg am Horizont ab. Ein Übergang des Krieges, der mit Luftangriffen begann und in gewissem Umfang auch maritime Komponenten umfasste, auf den Boden würde zweifellos ein weitaus blutigeres Szenario hervorrufen.
Auf der anderen Seite zeigt sich, dass eine weitere Front des Krieges im Bereich der Propaganda geführt wird. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Erstens das Bestreben der Kriegsparteien, die aktuelle Lage zu ihren Gunsten darzustellen. Dieses Bestreben nimmt in der Regel unter Beimischung übertriebener und realitätsferner Informationen Gestalt an. Denn wie seit jeher betont wird, ist das erste Opfer des Krieges die Wahrheit. Sobald unklar wird, was die Wahrheit ist, fällt es den Parteien leichter, die wirtschaftlichen, soziologischen und globalen Dimensionen des Krieges aufrechtzuerhalten. Wenn die Fakten durch Propaganda verdeckt werden, sinken die Kosten und der Preis, den die Entscheidungsträger zu zahlen haben. Es ist offensichtlich, dass diese Realität auch im aktuellen Krieg gilt.
Der zweite Grund für Propaganda besteht darin, die Psychologie der Gesellschaft stark zu halten und auch denen, die das Geschehen von außen verfolgen, das Gefühl zu vermitteln, dass man gewinne. Deshalb wird sowohl in den Erklärungen der Führungsfiguren als auch in den Äußerungen mittlerer und unterer Entscheidungsträger ein Ansatz verfolgt, der die Gesellschaft zusammenhält. Da der psychologische Krieg zu den unveränderlichen Konstanten bewaffneter Konflikte gehört, führt der Weg zur Stärkung der inneren Front über die Erinnerung an die eigene Geschichte, die religiösen Werte, die Zugehörigkeit zum Land und die Aggressivität des Feindes. Der effektive Einsatz von Massenmedien und digitalen Technologien zur Festigung der Gesellschaftspsychologie sowie die Verbreitung der in diesem Rahmen produzierten Inhalte über verschiedene Kanäle gehören zu den unveränderlichen Regeln, um im psychologischen Krieg die Oberhand zu gewinnen. Daher sind solche Beispiele sowohl bei den US-israelischen Angriffen auf den Iran als auch bei den iranischen Vergeltungsschlägen in großer Zahl zu beobachten.
Die Kriegspropaganda der USA und Israels
Die Reden von US-Präsident Donald Trump bilden das Zentrum der amerikanischen Propaganda. Trumps Fähigkeit, die Agenda zu bestimmen, und seine Verwandlung in eine populäre Figur haben seine Äußerungen auf globaler Ebene besonders aufmerksamkeitswirksam gemacht. Trump baut in seinen Reden fortlaufend einander widersprechende Sätze ein und trägt so im Sinne amerikanischer Interessen sowohl zur Gestaltung der Wahrnehmung als auch des Schlachtfelds bei.
Zweitens rückt die von amerikanischer Seite besonders betonte Luftwaffe als Propagandaelement in den Vordergrund. In veröffentlichten Beiträgen wird die US-Luftwaffe mythologisiert und der Anspruch einer absoluten Kapitulation des Iran angesichts dieser Macht hervorgehoben. Die theologischen Begründungsversuche Israels, die einen der wesentlichen Kriegsgründe darstellen, finden auch auf der US-Seite ihren Widerhall.
In diesem Zusammenhang ergibt sich ein dritter Aspekt. Besonders die Haltung von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist hierbei prägnant. Die Ähnlichkeit der zionistischen Rhetorik des „Verlobten Landes“ (von Gott den Juden versprochene Gebiete) mit Hegseths Ansatz ist bemerkenswert. Denn auf einem in den Medien verbreiteten Foto zeigt Hegseths Brusttatoo den Kreuzfahrerslogan „Deus Vult“ („Gott will es“) – ein Schlachtruf, der von den Kreuzfahrerheeren bei ihren Angriffen auf die islamische Welt verwendet wurde. Die evangelikale Zeremonie im Weißen Haus für Trump und ähnliche Veranstaltungen sind dieser Liste hinzuzufügen. So wird deutlich, dass religiöse Überzeugungen als Propagandainstrument eingesetzt werden, um die Akzeptanz des Krieges in der breiten Bevölkerung zu fördern.
Die zentrale Erzählung, die all diese konkreten Indikatoren stützen, ist das Bestreben, den Iran auf globaler Ebene mit dem Bösen und dem Terrorismus gleichzusetzen. Hieraus formt sich der vierte Punkt. Allen voran die Medienorgane, die die Angriffe der USA und Israels unterstützen, wiederholen dieses Narrativ intensiv. Beiträge, die behaupten, der Iran werde von Terroristen regiert, sein Regime sei illegitim und er stelle eine Bedrohung für die Weltsicherheit dar, werden häufig veröffentlicht.
Der fünfte Punkt der Propaganda betrifft den Bereich Desinformation und Zensur. Es zeigt sich, dass auch die Informationsunterdrückung, also die Zensur, von Israel und den USA zu einem Propagandainstrument umfunktioniert wird. Die USA praktizieren insbesondere eine vollständige Nachrichtensperre hinsichtlich der Frage, ob ihre großen Flugzeugträger – das Herzstück ihrer Seestreitkräfte – getroffen wurden oder nicht, und weichen diesbezüglichen Behauptungen mit verschiedenen Vorwänden aus. Denn ein Eingeständnis, dass diese Schiffe getroffen wurden, könnte für die USA eine schwere symbolische Beschädigung bedeuten. Daher findet in Bezug auf die Flugzeugträger, deren Symbolwert äußerst hoch ist, ein massiver Desinformationsprozess statt. Israel wiederum hatte zu Beginn sämtliche Inhaltsübertragungen aus dem Landesinneren eingeschränkt, um ein Bild der Stärke zu vermitteln.
Die mediale Darstellung der von Iran getroffenen Orte in Haifa, Tel Aviv oder anderen Städten wurde aus Sicht der israelischen Hegemonie als riskant betrachtet. Nachdem die iranischen Angriffe zunahmen, verfolgte Israel eine andere Strategie und öffnete die getroffenen und beschädigten zivilen Siedlungsgebiete für die Medien. Dieselbe Praxis wandte es jedoch nicht für militärische Einrichtungen und Geheimdienstzentren an. Der Grund dafür ist das Bestreben, der Welt zu vermitteln, der Iran könne in Israel keine militärischen oder nachrichtendienstlichen Ziele treffen, sondern greife stets Zivilisten an. Damit soll das Bild des Iran als Repräsentant des Bösen gestützt werden. Die rund fünf Millionen Bot-Konten, die von der Einheit 8200 innerhalb des Mossad auf Social-Media-Plattformen aktiviert werden, sowie die von Ausläufern der Organisation getätigten Veröffentlichungen sind im Kontext der Konsolidierung all dieser Propagandaprozesse als Teil der Propagandaaktivitäten zu betrachten.
Die Kriegspropaganda des Iran
Auf der Propagandafront des Krieges zeigt sich auch der Iran als aktiver Akteur. Obwohl der Iran in Bezug auf Kapital und Technologie nicht über dieselben Möglichkeiten verfügt, scheint seine Position als angegriffenes Land seine Hand gestärkt zu haben. Die Rolle als Opferland bildet für den Iran den ersten Aspekt.
Zweitens werden die Raketen, die die konkreteste militärische Kapazität des Iran darstellen, als Mythos inszeniert. Die beim Abschuss der Raketen aufgenommenen Videos werden mit Musik unterlegt, ihr Flug zum Ziel wird wie eine Legende präsentiert. Die Aufschriften auf den Raketen werden mit unterschiedlichen Botschaften versehen, und in den Inszenierungen wird das Vergeltungsgefühl intensiv spürbar gemacht. Damit auf israelischer und amerikanischer Seite das empfundene Gefühl Angst sein möge, wird die Raketenmacht in den Mittelpunkt sämtlicher symbolischer Prozesse gerückt.
In Videos, die vor den Angriffen auf den Iran vorbereitet wurden, wurde künstliche Intelligenz wirkungsvoll eingesetzt. Hieraus ergibt sich der vierte Aspekt. In jüngster Zeit bringt der Iran neben KI-Videos auch animierte Inhalte, Kurzfilme und propagandazentrierte PR-Videos in Umlauf. In diesen Inhalten werden einerseits die USA und Israel als Massentäter, Besatzer und Gefährder der Welt dargestellt, während der Iran als unterdrückt, als Opfer und als Land positioniert wird, das im Namen der Menschlichkeit gegen Tyrannei kämpft. Auch die in den USA aufgekommenen Epstein-Insel-Akten finden in diesen Filmen Erwähnung.
Interessanterweise erscheint der Iran bislang bei der Produktion von Propagandainhalten im KI- und Kurzfilmbereich führend. Angesichts der Tatsache, dass der Iran ein angegriffenes Land ist, liegt die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf der Hand. Trotz der seriellen Ermordung seiner Führer bemüht sich die iranische Regierung intensiv, diese gesellschaftliche Geschlossenheit aufrechtzuerhalten. Der sechste Aspekt ergibt sich in diesem Rahmen.
Die iranische Führung verweist häufig nicht primär auf eine allgemeine islamische Kultur, sondern stärker auf schiitische Glaubensvorstellungen sowie auf zentrale Elemente der schiitischen Geschichte – insbesondere auf das Ereignis von Kerbela. Gleichzeitig wird auch auf die persische Geschichte als Bestandteil der Dynamiken des iranischen Nationalismus Bezug genommen. Diese Narrative sollen dazu beitragen, die Bemühungen der USA und Israels, Risse in der iranischen Gesellschaft zu erzeugen, abzuwehren.
Zugleich richtet sich die iranische Rhetorik mit versöhnlichen Botschaften an die islamische Welt, wobei entsprechende Verweise vorhanden sind, jedoch keine dominante Rolle einnehmen. Parallel dazu werden die USA und Israel wiederholt als zentrale Gegenspieler dargestellt, was als Bestandteil konsistenter propagandistischer Kommunikationsmuster eingeordnet werden kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Während der Krieg auf der einen Seite mit Hartmachtmitteln unter Einsatz militärischer Ausrüstung fortgeführt wird, wird auf der anderen Seite ein erheblicher Aufwand für das Management der Wahrnehmung betrieben. In diesem Kontext führen die Länder in verschiedenen Bereichen einen strategischen Kommunikationsprozess, um sowohl die eigene als auch andere Gesellschaften davon zu überzeugen, wer im Recht und wer im Unrecht ist.












