Im Auftrag des Bundesinnenministeriums hat das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) mit einer empirischen Studie zu Rassismus in staatlichen Institutionen begonnen. Die Studie soll klären, „inwieweit Rassismus in staatlichen Institutionen auftritt, in welchen Erscheinungsformen er wahrgenommen wird, welche Motive und welche spezifischen Gründe ihm zugrunde liegen können, und wie er sich vermeiden lässt“. Dabei soll berücksichtigt werden, dass sich sowohl die Erscheinungsformen von Rassismus als auch die Sensibilität in Bezug auf Rassismus verändern.
Empirische Erforschung von Rassismus in Institutionen
Koordinatoren der Studie sind der Soziologe Gert Pickel und der Kulturhistoriker Matthias Middell. „Unser Ziel ist es, inter- und transdisziplinär aus verschiedenen Blickrichtungen einen möglichen Rassismus in Institutionen empirisch zu erforschen“, erklärte Pickel zu dem Vorhaben. Dabei gehe es auch darum, „ob in Behörden Diskriminierungen, die sich auf rassistische Stereotype beziehen, zu beobachten sind und wie dies von Betroffenen und Behördenvertreterinnen eingeordnet wird“.
Die Studie zu Rassismus in staatlichen Institutionen sei ein wichtiges Zeichen, betonte Dr. Felix Axster vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. „Wir werten dies als Erfolg der Kämpfe von antirassistischen Initiativen, von Rassismus-Betroffenen sowie von Angehörigen der Opfer rassistischer Anschläge, die seit Jahrzehnten darauf drängen, das Problem Rassismus endlich anzuerkennen“, so Axster.
Für das Gelingen der Studie sei es unabdingbar, „die Perspektiven der an diesen Bemühungen beteiligten Akteure einzubeziehen“, sagte der Experte. Gerade für das Forschungsprojekt, in dem analysiert werden soll, ob und inwiefern die polizeiliche Arbeit durch vorurteilsbedingte Kontrollen geprägt ist, sei das wichtig. „Bekanntlich wird das Vorkommen dieser Kontrollen seitens der Behörden weitgehend geleugnet, während Betroffene häufig von ihnen berichten.“
Maßnahmenkatalog soll erstellt werden
In einem ersten Schritt sollen die beteiligten Wissenschaftler quantitative und qualitative Daten erheben und Handlungsweisen analysieren. Im zweiten Schritt sollen die Ergebnisse verglichen und gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Gesellschaft und den untersuchten Institutionen kritisch reflektiert werden. Abschließend sollen die Ergebnisse zu Handlungsempfehlungen zusammengefasst werden.
An neun FGZ-Standorten prüfen seit dem 1. Oktober Wissenschaftler mit 22 Einzelprojekten Rassismusfälle in deutschen Behörden. Die Studie soll unter Leitung von zwei Wissenschaftlern der Universität Leipzig „Rassismus als Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Kontext ausgewählter gesellschaftlich-institutioneller Bereiche“ untersuchen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird mit sechs Millionen Euro gefördert.
Das FGZ bündelt verschiedene Forschungscluster, die von den Universitäten Bremen, Frankfurt am Main und Leipzig koordiniert werden. Eine interministerielle Projektgruppe soll den Forschungsprozess fachlich begleiten. Mit der Studie wird ein Beschluss des Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus vom Mai 2021 umgesetzt. Die Ministerrunde war nach dem rassistischen Anschlag von Hanau eingerichtet worden.























