Der gebürtige Berliner Kai Wegner hat nach eigenen Worten „Mist“ gebaut - nun soll der gebürtige Westfale Stefan Evers für die Berliner CDU den Karren aus dem Dreck ziehen. Evers wurde am Freitagabend von den Kreisvorsitzenden als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September nominiert, wie die CDU Berlin erklärte. Er spricht von einer „Schicksalswahl“. Dem 46-Jährigen bleiben lediglich zehn Wochen, um die Stimmung in Berlin zu drehen.
Evers gilt in den Spitzengremien der Berliner CDU als beste Wahl für die Nachfolge Wegners, der nach seinen Falschbehauptungen rund um den großen Stromausfall im Januar und der zuletzt nochmals verschärften Kritik an seiner Kommunikation hinwarf. „Evers kann das“, sagte ein Kreisvorsitzender AFP. „Er hat als Finanzsenator und in den vergangenen Wochen auch in der Doppelfunktion als Kultursenator gezeigt, dass er Regierungsämter ausfüllen und gestalten kann.“
In den vergangenen Wochen hatte Evers noch immer wieder abgewunken, als er mehr oder weniger offensiv aufgefordert wurde, statt Wegner die CDU in die nächste Wahl zu führen. Evers zeigte ein Höchstmaß an Loyalität - daran war er nun nicht mehr gebunden, nachdem Wegner von sich aus zurücktrat.
Nach dem Rückzug Wegners zollte er diesem am Freitag zunächst Respekt - um sofort in den Wahlkampfmodus zu schalten. Evers erklärte, Wegner habe „mit seiner Entscheidung dafür gesorgt, dass der Blick wieder auf die Erfolge seines Senats und die Herausforderungen für Berlin gerichtet werden kann“.
„Der Anfang für Berlin ist nach den chaotischen rot-rot-grünen Jahren gemacht, aber dabei kann es nicht bleiben“, betonte Evers. Es gehe nun „darum, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und unsere Stadt weiter voranzubringen“.
Evers kam am 10. Oktober 1979 in Herdecke an der Ruhr zur Welt. Er wuchs in Paderborn auf, machte dort Abitur und zog dann mit 19 Jahren nach Berlin. Evers studierte in Potsdam Rechtswissenschaften, war im Bundestag Referent der CDU-Abgeordneten Friedhelm Ost und Werner Kuhn. Seit 2011 sitzt er für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, dort wurde er direkt stellvertretender Fraktionschef.
2016 wurde er zudem Generalsekretär der Berliner CDU, 2023 Stellvertreter Wegners als CDU-Landesvorsitzender und außerdem stellvertretender Bürgermeister. Seit der Wahl 2023 ist er Finanzsenator, seit Ende April in Doppelfunktion auch Kultursenator.
Evers hat nach eigenen Worten viel Sinn für die bildende Kunst, für historische Romane, das Klavierspiel und Motorwassersport. Bevor es ihn in die Politik zog, arbeitete er in der freien Wirtschaft - dort viele Jahre für eine Unternehmensberatung, mit einem Schwerpunkt für die maritime Wirtschaft.
Dort habe er auch für die Politik gelernt, erklärt Evers. „In der Welt der Schifffahrt mit ihrer globalen Vernetzung und präzisen Zeitplänen gibt es wenig Geduld für Ausreden - wenn etwas nicht funktioniert, merkt man es sofort.“ Dann helfe nur, das Problem zu analysieren, eine Lösung zu finden und weiterzumachen.
Seine Lehre aus der Wirtschaftstätigkeit muss Evers nun schnell umsetzen. Denn in den Umfragen fiel die regierende CDU zuletzt erheblich zurück. Mit 17 Prozent lag sie hinter der Linken, den Grünen und der AfD. Die Konkurrenz ist aber noch nicht weit enteilt - Evers wird nun aus dem Stand in den Wahlkampf starten müssen, um die Stimmung zugunsten seiner Partei zu drehen.























