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Merz zu Trumps Zoll-Ankündigung: Er will ganz Europa treffen
Der Bundeskanzler äußert Verständnis für Trumps geplante EU-Autozölle. Ökonomen und Industrie warnen aber vor dramatischen Folgen.
Merz zu Trumps Zoll-Ankündigung: Er will ganz Europa treffen
Bundeskanzler Friedrich Merz / AP

Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein gewisses Verständnis für die von US-Präsident Donald Trump angekündigten höheren Zölle für EU-Autos gezeigt. „Ich sage mal, er wird ungeduldig, weil wir jetzt im August letzten Jahres eine Verabredung getroffen haben mit Amerika, dass wir ein Zollabkommen machen“, sagte Merz am Sonntag in der ARD. „Und auf der europäischen Seite werden immer wieder neue Bedingungen formuliert, und wir haben es nicht unterschrieben“, sagte er bei der Aufzeichnung der Sendung „Caren Miosga“ nach Angaben des Senders. „Die Amerikaner haben es fertig und die Europäer nicht - und deswegen wünsche ich mir, dass wir hier möglichst schnell zu einem Abkommen kommen.“

Trump hat angekündigt, die Zölle auf Importe von Fahrzeugen aus der EU von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen - und zwar ab kommender Woche. Auf die Frage, ob der US-Präsident damit vor allem das exportorientierte Deutschland treffen wolle, sagte Merz: „Er will ganz Europa treffen.“ Trump sei an dieser Stelle „offen gestanden zu Recht ein bisschen enttäuscht darüber"“ dass die Europäische Union mit dem Abkommen bis heute noch nicht zu einem Abschluss gekommen sei. Im Europäischen Parlament gebe es immer noch Widerstände gegen diese Vereinbarung.

Merz kündigte an, er werde in diesem Jahr noch mehrere Gelegenheiten haben, um mit Trump darüber zu sprechen - etwa im Juni beim G7-Treffen in Frankreich oder im Juli beim Nato-Gipfel in Türkiye.

Höhere Zölle könnten Ökonomen zufolge das ohnehin maue Wirtschaftswachstum in Deutschland drücken. „Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest der “Bild“. „Die Zollerhöhungen treffen die deutsche Autoindustrie in einer ohnehin schwierigen Lage.“ Auch der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Effekte wären substanziell.“

Der Industrieverband BDI warnte, das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA müsse von beiden Seiten eingehalten werden. Die USA beschädigten zwar mit „immer neuen Provokationen das gegenseitige Vertrauen, dennoch ist ein weiteres Aufschieben keine Option“, sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Es gilt, Vertrauen zu sichern und weiteren Eskalationen vorzubeugen.“ Die Bundesregierung müsse aktiv dazu beitragen, bestehende Spannungen abzubauen.

Die USA sind der wichtigste Abnehmer von Waren „Made in Germany“. Im vergangenen Jahr wurden Güter im Wert von 146,2 Milliarden Euro dorthin exportiert. Das waren 9,4 Prozent weniger als 2024. Den größten Anteil der im vergangenen Jahr in die USA exportierten Waren hatten – trotz deutlicher Rückgänge – Kraftwagen und Kraftwagenteile: Deren Wert summierte sich auf 28,5 Milliarden Euro, was 17,8 Prozent weniger war als 2024.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen